Am Scheideweg: DSGVO

Das kam ja gerade zur rechten Zeit. Knapp fünf Jahre nach meiner Blog Premiere tun sich erstmals Wolken auf. Das Thema #DSGVO schwirrt durch die Lande, und so langsam merkt man, was uns für ein tiefgreifender Wechsel bevorsteht. Nicht nur den großen Datenkraken. Eigentlich auch uns kleinen Bloggern.  Und das habe ich persönlich echt gründlich unterschätzt. Wer einen Blog ernsthaft und weiterhin richtlinienkonform betreiben will, kommt um große Nachbesserungen nicht herum. Gewisse Funktionen wie das Kommentieren von Beiträgen oder das Nutzen von Widgets, die auch meinen Blog zieren, sind künftig gar nicht mehr oder nur mit großen Einschränkungen möglich (die komplette Liste der zu erledigenden Aufgaben findet ihr hier). Und das bringt mich dann schon in eine gewisse Misslage.
Der Blog hier ist seit nun mehr fünf Jahren Dreh- und Angelpunkt meines digitalen Lehrerschaffens. Hier fing  2013 alles an, hier habe ich berichtet, diskutiert, präsentiert, mich vernetzt mit all den tollen Leuten, die durch Deutschlands digitale Lande lehren. Das hat immer unglaublich großen Spaß gemacht. Mit den neuen Auflagen wird der allerdings ganz schön gedämpft. Nicht nur, dass durch die neuen Vorgaben der Austausch mit anderen auch über Plattformen wie Twitter, Instagram und ähnliche soziale Netzwerke empfindlich eingedost wird. Einige Vorgaben sind – nach dem aktuellen Stand – in der geforderten Form auf meinem wordpress.com-Blog gar nicht machbar. So wirklich wasserdicht wäre alles erst, wenn ich den Blog selbst hosten würde und damit volle Kontrolle über sämtliche Plug-Ins oder Widgets hätte. Aber lohnt sich das für mich überhaupt?
Ich bin nicht (mehr) genau das, was man einen echten Power User nennt. Über die Jahre ist schon einiges an Content zusammengekommen. Aber ich poste lange nicht mehr so häufig wie früher – wenn es hinkommt, zwei Mal im Monat. Und wenn ich die ganzen Beiträge, die bis dahin angefallen sind, entsprechend an die neuen Vorgaben anpassen will, geht da bei fast 250 Beiträgen schon sehr viel Zeit drauf, die ich aktuell nicht habe bzw. nicht investieren möchte. Noch dazu müsste ich wohl einiges an Material aussortieren, da mit eigener Domain die Anonymität, mit der ich mir frisch alles von der Leber schreiben konnte, eigentlich komplett dahin ist. Was von meinen Artikeln letztlich übrig bliebe, wären nur die, in denen keinerlei Schulanekdoten zur Sprache kommen. Und damit bleiben praktisch nur noch die Technik-Beiträge übrig. Reicht das euch? Reicht das Herrn Mess?
Ich bin aktuell total unsicher und habe derzeit keine Ahnung, wie ich Ende Mai weiter machen werde, wenn die  DSGVO verbindlich in Kraft tritt. Vielleicht mache ich hier erst mal eine Pause und den Blog dicht. Oder ich wage einen Neustart und kloppe mein altes Ich ins Datennirwana. Oder vielleicht bin ich sogar komplett raus. Wäre zwar schade, aber bevor ich Gefahr laufe, von Anwälten oder sonstwem abgemahnt zu werden, weil ich als Laie irgendeine Lücke übersehen habe und unwissentlich Benutzerdaten übermittle, lasse ich lieber Finger von einem heißen Eisen, von dem ich als Hobby-Blogger einfach zu wenig verstehe.
Wie macht ihr es denn, liebe Bloggerlehrer?

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10 Antworten zu Am Scheideweg: DSGVO

  1. Rainer König schreibt:

    Auch wenn Du Dein Blog selbst hostest hast Du genauso viel Streß mit der DSGVO. Mein Blog ist selbst gehostet und bislang habe ich vom Hoster noch keinerlei „Hilfestellung“ bekommen was DSGVO angeht. Und momentan findet ein Kahlschlag statt, alles was nützlich und sinnvoll ist fliegt raus, weil man ja evtl. irgendwelche Daten irgendwohin übertragen könnte. Jetpack ist weg, WordPress Statistik ist damit kaum noch möglich. Antispam-Bee darf nur mit angzogener Handbremse laufen und Dinge wie WP Polls oder Ratings sind böse. Ebenso Deine „Share this:“ Buttons, die übertragen ja Daten zu den jeweiligen Social Networks. Gravatar ist weg, also sind wir in den Kommentaren in den Blogs bald wieder lauter graue Shilouetten. Die DGSVO „bombt“ das Netz auf einen Stand von 1995 zurück. 😦
    Es nervt mich gerade total. Denn die großen Datenkraken wie Google und Facebook und wer auch immer hat eine Rechtsabteilung und auch ein Budget um hier das zu tun was notwendig ist. Als „Hobby-Blogger“ hast Du das nicht und in den letzten Tagen habe so viele Meldungen von Bloggern gelesen die auch ans Aufhören denken, einfach weil sich hier ein juristisches Minenfeld auftut und man nicht weiß, ob einem wegen eines wie auch immer konstruierten Vorwurfes gegen die DSGVO nicht eine teuere kostenplfichtige Abmahnung ins Haus flattert. Und dann? Rechtsschutzversicherung zahlt nur, wenn Du dieses Risiko versicherst, also zahlst Du dafür. Und ja, momentan wollen etliche „Berater“ damit auch schon schnelles Geld machen, um Dich vor solchen Dingen zu bewahren. Aber eigentlich will ich doch nu Bloggen und meine Gedanken äußern, so wie mir das unser Grundgesetz in Artikel 5 garantiert. Doch jetzt muss ich mir (bzw. meinem Blog) Scheuklappen anlegen obwohl es mittlerweile genügend Möglichkeiten auf Browser-Seite gibt, das „Tracken“ zu verhindern.
    Auf Deine Fragen habe ich auch keine Antworten. Aber ich finde diese Tendenz, wegen der Rechtsunsicherheit aufhören zu wollen eigentlich fürchterlich, denn das höhlt unser Grundrecht auf freie Meinungsäußerung aus. Darum werde ich in meinem Blog auch weitermachen und mein Recht aufs Bloggen verteidigen.

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    • Peter schreibt:

      Joa, jetzt mal langsam mit den wilden Pferden… Mit der Einschränkung der Meinungsfreiheit zu kommen, weil share-buttons zu facebook & co nicht (mehr) in Ordnung sind ist schon etwas hoch gegriffen! Lass den Mist halt weg, geht auch sehr gut ohne.

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      • Rainer König schreibt:

        Natürlich kann ich den „Mist“ weglassen. Das Problem sind auch nicht die Share-Buttons, dafür gibt es eine technische Lösung. Und bei den Diskussion in den Kommentaren lassen wir aus DSGVO-Gründen dann die Avatare weg und schwupp sehen wir alle wieder gleich aus. Wenn ich meinen Avatar im Netz stehen habe, dann habe ich nach meinem bescheidenen Verständnis ausgedrückt, dass ich damit einverstanden bin, dass mein Bild bei meinen Kommentaren erscheint. Aber dummerweise überträgt er halt auch die Daten von Leuten die das nicht gemacht haben zu gravatar und das ist dann die blöde Verletzung der DSGVO.
        Das Problem ist, dass der „Mist“ kummuliert und am Ende lassen die Blogger das bloggen lieber sein als sich dem Risiko einer teuren kostenpflichtigen Abmahnung wegen dieses Mistes auszusetzen. Und an dem Punkt verstummen wichtige Stimmen in der Blogsphäre und das ist dann eben doch eine Einschränkung der Meinungsfreiheit.. Think big,not small. 😉

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  2. pimalrquadrat schreibt:

    Puh, Danke für den Beitrag! Das Thema wäre sonst vielleicht an mir vorbei gehuscht. Ich sehe das ähnlich wie du, und mache mir jetzt auch Gedanken, wie und ob es überhaupt weitergehen soll und wird. Ich habe auch keine Lust, von windigen Abmahnanwälten abgemahnt zu werden, bloß weil ich als Laie einen blöden Fehler in irgendeiner Erklärung drin habe, die sich außer besagten Anwälten niemand durchlesen wird.
    Den Blog dichtmachen fände ich zwar sehr schade, aber ich habe weder die Zeit noch die Lust, mich mit dem ganzen administrativen Kram auseinander zu setzen, der hier wohl nötig zu sein scheint…

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  3. Tom Mittelbach schreibt:

    Ich bin auf einen eigenen Webspace umgezogen und habe jetzt ne „eigene“ WP-Seite und werde mir die Mühe machen alles konform zu machen. Auf wordpress.com ist das ja nur mit echt extrem viel Geld möglich, das ist es mir tatsächlich nicht wert. Ich schließe mich aber der Argumentation an, dass man eben genau aus den Grenzen der Meinungsfreiheit und der gelingenden Vernetzung eben nicht zurück rudern sollte. Das wird außerdem vermutlich auch alles nicht so heiß gegessen wie es gekocht wird.

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  6. Herr Rau schreibt:

    Ich bin noch sehr gelassen. Schon jetzt dürfte mein Blog einer Überprüfung nicht standhalten. Abmahnen dürfen vor allem Verbände und Konkurrenten, und nachdem ich weder Werbung habe noch das sonstwie beruflich mache, mache ich mir da wenig Sorgen. Social Media Buttons habe ich keine, Tracker auch nicht – bleiben Cookies, Webfonts, Kommentare, eingebettete Tweets, Impressum. Bei Gelegenheit kümmere ich mich darum, hab’s aber nicht eilig. Ja, selbstgehostet, seit vierzehn Jahren; etwas anderes kam nie in Frage. Aber ich denke, auch die großen Anbieter – WordPress.com etwa – kümmern sich darum, bis Ende Mai das hinzukriegen, und machen das vermutlich sauberer, als ich das privat machen werde.

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    • Rainer König schreibt:

      Deine Gelassenheit in Ehren, aber stell Dir einfach vor, das draußen gibt es Typen deren „Business-Modell“ darin bestehen könnte einfach mal im großen Teich der Blogsphäre zu fischen und jedem einen Formbrief zu schicken (mit angehängter Rechnung natürlich) der hier was „falsch“ macht. Wobei momentan kaum einer sagen kann, ab wann es „richtig“ ist. Geschenkt, dem Abmahner geht es darum dich abzuzocken und dabei ist es vollkommen unerheblich, ob er ein Konkurrent von Dir ist oder nicht, denn die DSGVO schützt per Definition ja die Privatsphäre *aller EU-Bürger* und ab 25. Mai können Verstöße dagegen eben zivilrechtlich abgemahnt werden. Und dann hast Du erst mal die A…karte wenn Post von so einem Abmahnanwalt kommt. Klar kannst Du es ignorieren und schauen was passiert wenn es vor Gericht geht. Wäre wahrscheinlich eh das Beste alle solche Abmahnungen vor Gericht klären zu lassen, dann wären nämlich die Gerichte sehr schnell sehr beschäftigt und man würde anfangen vielleicht an unserem Abmahnrecht zu ändern… 😉

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  7. Hallo,
    ich denke nicht, dass die neue DSGVO zu einlädt, eine Runde im großen Teich der Blogsphäre auf Abmahn-Tour zu gehen. Das hätte man in den letzten Jahren ebenfalls machen können. Datenschutzvorschriften/Impressumspflicht gab es schon immer. Auch hier wurde nicht groß abgemahnt.

    Ich halte es aber dennoch auf jeden Fall wichtig, seine Datenschutzerklärung auf den neuesten Stand (DSGVO) zu bringen. Das ist kein Hexenwerk und wirklich gut machbar.

    Ich erlaube mir mal, in diesem Kommentar ein Link in eigener Sache zu hinterlassen:
    http://www.lehrerlinks.net/news-ankuendigungen/lehrerblogs-und-die-neue-datenschutzverordnung-dsgvo-2018.html

    Vielleicht hilft mein Beitrag ja dem ein oder anderen Kollegen, der gerade am Überlegen ist, seinen Blog aufgrund der DSGVO zu schließen.
    Jeder Lehrerblog, der geschlossen wird, stärt die großen Verlage. Das fände ich echt schade!

    LG

    Tom

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