Und Schluss

avat_wut-150x150„Du hast 700 Follower bei Twitter“ prangt es auf dem Smartphone, als ich auf dem U-Bahnhof auf dem Weg zu einer Verabredung bin. „Zeit für einen Jubliäumstweet“, denke ich mir. Eigentlich keine große Sache. Also Smartphone raus, Twitter-App auf, Tweet neu verfassen und Zack – nichts geht mehr. Erst friert der Bildschirm ein. Dann startet das Gerät neu, fährt sich hoch. Und bricht ab. Startet sich neu. Bricht ab. Startet sich neu. Bricht ab. Mehrere Male. Minutenlang. Erst denke ich mir nichts dabei und drehe meinem G4 den Saft ab. Akku raus – Akku rein. Bei diesem Smartphone geht das ja zum Glück noch. Aber das bringt keine Besserung. Der Bootvorgang geht immer von neuem los. Meine anfängliche Gelassenheit weicht so langsam einer gewissen Portion Irritation. Ich bin genervt. Mit meinem Kommilitonen habe ich über Whatsapp bisher nur einen ungefähren Zeitpunkt ausgemacht. Benachrichtigen, dass ich nicht mehr erreichbar bin, kann ich ihn nicht losschicken. Die Nummer ist ja im Smartphone gespeichert, das im Moment lustig Boot-Karussel fährt. Da komme ich nicht ran.
An nichts komme ich ran. Bilder, Musik, Kamera, Kontakte, Twitter, Whatsapp, eMail. Rien ne va plus. Treffen tun wir uns beide trotz aller Unwegbarkeiten dennoch – schließlich sind wir organisierte Lehrer 😉 Aber wirklich genießen kann ich das Treffen nicht. Ich bin ständig am Smartphone zugange, versuche permanent, das Gerät zu einem erfolgreichen Startvorgang zu „motivieren“. Ohne Erfolg. Was mein Kommilitone in Nürnberg an seiner Schule macht und erlebt – ich könnte es aktuell nicht wiedergeben. Die Worte gehen zum einen Ohr rein und zum anderen raus. Ich bin mittlerweile nicht einfach nur genervt. Ich bin wirklich nervös. Nicht nur deswegen, weil mein komplettes digitale Leben in diesem Gerät gerade im Koma liegt. Sondern weil ich auf einmal merke, wie abhängig ich davon geworden bin. Ich würde meinem Kommilitonen so gerne Fotos der letzten Berlinfahrt zeigen und kann es nicht. Ich will die nächste gemeinsame Fortbildung in meinen Kalender eintragen – wie denn? Eine Wegbeschreibung zu dem netten Restaurant in der Altstadt mit Google Maps erstellen – no way. Da mein Gegenüber – seinerseits auch Altphilologe – sich natürlich moderner Technik konsequent verweigert, hat er natürlich auch kein Kulturzugangsgerät dabei. Wir werden es the old-fashioined way machen müssen. Und nach dem Weg fragen.
To cut a long story short: Das G4 hat in den frühen Modellen wohl einen Wackelkontakt, der diesen Bootloop auslöst. Ein ärgerlicher Fabrikationsfehler, der aber kostenlos behoben wird. Dennoch ärgerlich, weil ich jetzt   für die nächsten Tage digital kastriert durch die Gegend wandeln darf. Und selbst wenn ich mein G4 wieder bekomme, darf ich meine digitale Identität wieder von Neuem aufbauen. Denn ein Backup habe ich nie gemacht. Als ehemaliger Samsung Jünger habe ich mich über Jahre mit dem wankelmütigen Kies herumgeschlagen, bis ich irgendwann mal kapituliert habe. Vielleicht funktioniert das Sichern mit LG-Geräten etwas besser. Ich werde es herausfinden. Denn ein Backup ist das Erste, was ich machen werde, wenn ich mein G4 in den Händen halte. Auch bei Smartphones verhält es sich scheinbar  ähnlich wie bei den Tugenden der PC-Spieler: Save early, save often.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines, Technik abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

13 Antworten zu Und Schluss

  1. Solminore schreibt:

    Sicherer wäre Papier. Das wäre der Schluß, den ich aus so einem Vorfall ziehen würde. Und: Termine exakt ausmachen und sich dann daran halten.

    Gefällt mir

    • vilmoskörte schreibt:

      Papier? Nee, wer will schon zwei Aktenordner mit sich herumschleppen (und 50 große Tonbänder samt Abspielgerät und 70 Diamagazine)? Und viele, die ich kenne, die ihre Termine in Wandkalendern und ähnliche unpraktischen Speichermedien führen, sind notorisch unzuverlässig,

      Gefällt mir

    • herr_mess schreibt:

      Ich weiß nicht, ob das sooo viel sicherer wäre. Wenn ich wieder alles irgendwo auf Zettel notiere, verschmeiß ich die wieder. Das war ja einer der Gründe, auf digital umzusteigen: Ich wurde dem Papierwust einfach nicht mehr Herr.

      Gefällt mir

  2. Pingback: Smart | normalverteilt

  3. zeilentiger schreibt:

    „Kulturzugangsgerät“ – schön gesagt. Ich lasse es manchmal bewusst zuhause. Dann komme ich mir ganz wild vor.

    Gefällt 2 Personen

  4. Lehrercafe schreibt:

    Ohne mein Smartphone bin ich kein Mensch, meinte meine Tochter schon des Öfteren. Ich schüttele dann immer den Kopf. Aber ehrlich gesagt, wenn ich meins mal zu Hause liegen lasse, kann ich sie verstehen. Irgendwie fehlt mir dann auch was. Schon komisch…

    Gefällt mir

  5. teacheridoo schreibt:

    Ach nee, ist das irgendwie so ein LG-Problem? Exakt (!) nach diesem Muster ist nämlich gerade kürzlich mein LG G Flex 2 abgeraucht. Ewiger und unendlich erneut startender Bootvorgang, der sich einfach nicht abstellen ließ, auch nicht Hardreset, Zurücksetzen auf Werkseinstellungen, etc.

    Aber wenngleich akut infizierter Smombie, lagert doch wenigstens nicht mein halbes Leben auf dem Smartphone. (Horror, daher mein tiefst empfundenes Mitgefühl, lieber Herr Mess.)

    Gefällt mir

  6. Achherjeminee (schreibt man das so?!) Ich kenne das zu gut und schreibe daher alles mehrfach auf: Handy, privater Kalender, Schul-Tischkalender und Schul-A4-Kalender…trotzdem (oder gerade deshalb) bin ich ständig planlos…

    Gefällt 1 Person

  7. Criz schreibt:

    Android sichert doch alle Daten in der Cloud.

    Gefällt mir

Quid sentis?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s