De Senectute

avat_traurigLangsam schleicht es sich an, haben sie gesagt. Man merkt es kaum, haben sie gesagt. Das Alter. Und es stimmt. Langsam hab ich das Gefühl, dass es von heute auf morgen an allen Ecken und Enden kracht. Mal kribbelt ein Finger, dann die Hand, dann der Oberarm, dann knackt die Wirbelsäule bei ruckartigen Bewegungen wie ein trockener Ast. Weh tut eigentlich rein gar nichts, aber man merkt, dass irgendwo im Körper was nicht passt. Trotz Fitnessstudios, in das ich mich seit mehr als zehn Jahren schleppe. Trotz eines unauffälligen Normalgewichtes. Irgendwann geht’s einfach los…
Ein Physiotherapeut hat mich letzte Woche durchgecheckt. Bei seiner Diagnose fühle ich mich wie ein alter VW kurz vor der Abwrackung. Meine gesamte Körperachse ist schief. Schief durch das jahrelange Tragen einer Lehrertasche, die scheinbar kein Limit im Fassungsvermögen kennt. Schief durch das ständige Verharren auf einem Standbein im Unterricht. Schief durch die vornübergebeugte Haltung am Schreibtisch beim Korrigieren und Vorbereiten. Schief wie der Turm von Pisa. Und das hat Auswirkungen. Große Auswirkungen. Meine Schultermuskulatur versucht wohl schon seit geraumer Zeit, diese Schiefstellung zur Seite und nach vorne auszugleichen und hat mittlerweile einfach kapituliert. Das Ergebnis: eine große Verspannung im Halswirbelsäulenbereich, die bei entprechender Behandlung fünf bis sechs deutlich spürbare Knoten erspüren lässt. Ein Sportlehrer hat mir zur Selbstbehandlung eine sogenannte Blackroll vermacht. Eine Art Tennisball aus Hartgummi, den man zwischen sich und eine flache Oberfläche (Fußboden oder Wand) steckt, um sein gesamtes Körpergewicht auf solche sogenannte Triggerpunkte zu drücken, die die Verspannungen auslösen. Diese gilt es mit der Blackroll zu lokalisieren und dann mit 80kg Eigengewicht das Fürchten und hoffentlich bald Auflösen zu lehren. Schmerzen!
Hilft nix: Da muss ich ran und dagegen arbeiten. Also darf ich jetzt eine neue Haltung antrainieren. Hoch mit dem Kopf! Beim Arbeiten gerade sitzen. Am besten mit einem Buch auf dem Kopf, damit ich aufrecht sitzen bleibe. Was die Nachbarn bei diesem verstörenden Anblick denken mögen, schiebe ich im Moment noch von mir. Parallel dazu wird im Fitness jetzt das Training umgestellt. Weniger Gewichte, mehr Wiederholungen, mehr haltungs- und rückenbetont. Wenn ihr also demnächst einen Lehrer seht, der wegen seiner Schwarzenegger-Schultern nicht mehr durch den Türstock passt, fragt mal nach: That’s me!
Passt auf euch auf!

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10 Antworten zu De Senectute

  1. pimalrquadrat schreibt:

    Heimtückisches Biest, dieses Alter! 😮
    Viel Erfolg beim Gegenschlag, mach es mit dem Blackroll fertig!

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  2. Hauptschulblues schreibt:

    „Schief durch das jahrelange Tragen einer Lehrertasche, die scheinbar kein Limit im Fassungsvermögen kennt.“
    Ich gehe seit 1997 zu einer großartigen Osteopathin, entweder bei aktuellen Problemen oder zur Prophylaxe. Bin auch vor vielen Jahren deswegen auf Rucksack umgestiegen. Ich kann nur sagen, dass diese Dame meinen Knochen und Gelenken unendlich gut tut.
    Sie arbeitet in Schwabing, oder ist es noch Maxvorstadt? Bei Bedarf bitte eine Mail.

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  3. lilohenner schreibt:

    😀
    Lieber Herr Mess,
    willkommen im Club! Da trudelt man so durchs Leben und denkt, bis zum 80sten ist es noch weit, und kaum ist man Mitte Dreißig fühlt man sich schlagartig um zwanzig Jahre gealtert. Ein Trost gefällig?
    Gegen akute Schmerzen hilft erst einmal eine Wärmflasche.
    Das kann auch nur eine Phase sein. Mir geht es wieder besser mit ein paar kleinen Maßnahmen. Eine Bekannte hat mir auch den Blackroll empfohlen, aber ich hab mir einen viel größeren Ball angeschafft… Schreibtischstuhl raus (War ein Kniestuhl und das Gegenteil von rückengut!) und einen Gummihüpfball rein. Der ist billiger als jeder Schreibtischthron und wirkt Wunder. Zusätzlich habe ich mir, weil ich mich beim Schreiben und Korrigieren immer zu weit über die Tischplatte gebeugt habe, ein Pult angeschafft, jetzt kann ich meine Tischplatte quasi fast bis in die Senkrechte hochklappen (30 Euro aus dem Künstlerbedarf). Das erspart mit das Buch auf dem Kopf. Und so hüpfe ich nun sanft umher, während mein Rotstift durch das diesjährife Abitur pflügt – mindestens zehn Jahre jünger!
    Gute Besserung und liebe Grüße
    Lilo

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