Signore Mess parla italiano… o cerca di parlarlo

avat_lachenAls Sprachenlehrer sind einem diese Schnellkurse für Fremdsprachen doch immer etwas suspekt. Man selbst weiß gut genug, wie wichtig es ist, die Inhalte behutsam aufeinander aufzubauen,  Neues mit Altem regelmäßig zu verknüofen, Anschaulichkeit und didaktische Reduktion anzuwenden; dazu zahlreiche Übungen, um das Gelernte einzuschleifen und zu festigen. Das alles braucht Fingerspitzengefühl, es braucht Geduld, es braucht… Zeit. Wie will ein gewöhnlicher Langenscheidt-Kurs das packen? Ich war skeptisch. Aber ich habe ihm eine Chance gegeben. Mehrere Male. Über mehrere Jahre hinweg. Kein Wunder. Der Kurs stammt ja aus den späten siebziger Jahren. Und was soll ich sagen? Er ist phänomenal!
Das liegt nicht so sehr an der didaktischen Darstellung des Werkes. Ganz im Gegenteil. Die ist doch recht oll und unübersichtlich. Die genutzte Terminologie der Grammatik ist verwirrend, da unüblich („Verhältniswort“ statt „Artikel“, „Zeitwort“ statt „Hauptverb“). Aber wieso dran mäkeln? Das Werk stammt in seiner Urform von 1979. Und das sieht man. Und vor allem hört. Schon allein der Soundtrack ist eine Wucht. Feinster Italo-Disco leitet mit jaulenden Moog-Synthies zur jeweiligen neuen Lektion hin.


Jede einzelne davon ist so schrecklich mit Klischees beladen, dass man im Zeitalter der political correctness erst einmal zusammenzuckt, wie man sich so schamlos über die Nachfahren der Römer lustig machen kann – bis man merkt, dass die Macher des Werkes selber Italiener sind. Und damit kann man sich ganz auf die Szenen einlassen; eine haarsträubender als die andere.
Da gibt es beispielsweise Giovanni, un pittore di Venezia, der ständig Stillleben malt, und jede Kundin, die sich im Laden nach Gemälden umsieht, gleich in sein neuestes Werk integrieren möchte. In der Regel nackt.
Oder der abgehetzte Mario, der eigentlich seine Freundin treffen will, sich aber auf Anraten seines Wirtes lieber zum Campari-Trinken ins Restaurant setzt. Denn questa è l’ora giusta per l’aperitivo. Na, da kann man auch mal sein Herzblatt für mehrere Stunden versetzen…
Klare Sache: Die Machos beherrschen die Lektionen. Und die Damenwelt darin. Der musikbegeisterte Bruno ignoriert seine Liebste Marina vollkommen, was in einen riesigen Streit ausartet. Die lässt sich zum Glück beruhigen. Nämlich indem man ihr den Kopfhörer überstülpt und Vivaldi spielt. Und sie anschließend zu verführen versucht. Nur das angebrannte Essen, das selbstverständlich Frau in der Küche vorbereitet hat (Mann war ja mit Vivaldi-Hören beschäftigt), lässt die heiße Romanze platzen.
Mein Favorit ist und bleibt aber Giovannis Besuch beim Arzt. Die beiden Sprecher haben an dem hanebüchenen Dialog über Bluthochdruck, geschwollene Lebern und Alkoholkonsum hörbar Spaß. Il dottore klingt, als sei er aus einer Irrenanstalt entlaufen, und rollt seine R wie bei einem logopädischen Seminar. Viel schlimmer noch: Bei jedem Klagen seines Patienten über irgendwelche Schmerzen lacht er bedrohlich laut auf, als wolle er Giovanni im nächsten Moment das entsprechende Organ entnehmen.


Aber Giovanni bleibt heil. Allerdings macht ihm der Arzt den Ernst der Lage sehr deutlich und untersagt ihm sämtlichen Alkohol- und Zigarettenkonsum. Das stürzt den Lebemann Giovanni natürlich in eine Lebenskrise: Non posso più bere, non posso più fumare. Lei mi condanna a morte. Totgeweiht ist er, weil er seinen Lastern nicht mehr nachgehen kann. Und das klagt er auch seinen Freunden, die er hinterher auf der Straße trifft: Sono quasi morto. Die Freunde wissen natürlich, wie man Giovanni aufheitert: Natürlich mit Alkohol. Völlig klar. Und so gröhlen sie nur ein paar Sekunden später: chi beve in compagnia campa cent’anni. Wer in Gesellschaft einen hebt, lebt 100 Jahre lang.
Na dann: Salute!

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