Vom Nerd-Trennungsschmerz…

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Muh – Mäh, Törööö

avat_wut-150x150Wer mal in meinem Gerätepark zu Besuch war, wird durchaus bemerkt haben, dass sich unter meinen Tieren auffällig viele Exemplare aus dem Samsung-Stall tummeln. Wer den Park nicht kennt, möge einen Blick auf die folgende Ansichtskarte werfen.
Als Fanboy würde ich mich dennoch nicht bezeichnen. Die Geräte sind alle unabhängig voneinander zu unterschiedlichen Zeiten gekauft worden und waren das Ergebnis einer ausgiebigen Recherche, in der ich Konkurrenzprodukte immer gegenseitig abgewägt habe. Und Samsung belegte dabei einfach immer die Spitzenplätze: Das war 2009 bei meiner Fotokamera der Fall, dann später bei meinem Netbook, beim Smartphone und so weiter. Technische Raffinesse lag bei Samsung immer sehr weit vorn – und das merkte man den Geräten einfach an. Bis jetzt. Denn über die Monate hat sich etwas verändert im Hause Dänemark. Ich verliere zur Firma zunehmend das Vertrauen, das ich vorher blind gehabt habe. Gründe dafür sind vielfältig:

Als derzeitiges Modell habe ich (noch!) ein S4 mini. Ich nutze mein Smartphone für keine rechenintensiven Geschichten. Ich schieße ein paar Bildli, nutze Twitter, kommuniziere mit Freunden über Whatsapp oder mit Puristen per SMS, höre Musik. Das war’s. Keine Spiele, keine speicherfressenden Videobearbeitungen, nichts. Dennoch ist das Gerät mehr und mehr überfordert. In den 16 Monaten, die ich das Mini hatte, erlebte ich mehr Abstürze als das S1, das mich fast 4 (!!!) Jahre begleitete und selbst mit dem defizitären Android 2.3 zufriedenstellend lief. Das Mini stürzt ab, wenn der Wecker klingeln soll, es stürzt ab, wenn ich einen Anruf erhalte, er stürzt ab, wenn die Playlist ein neues Lied aufruft, es stürzt ab, wenn ich es schief von der Seite anschaue. Das ist nicht nur bei mir so. Vier Freunde in meinem Umfeld berichten genau dasselbe. Manche behaupten, das liegt an dem Betriebssystem-Update, das Samsung dem Gerät spendiert hat. Und damit wären wir schon beim nächsten Punkt.

Aktuell laufen die S4-mini-Geräte mit einer angepassten Version von Android 4.4.2 bzw. 4.4.4. Diese Version führt bei vielen Usern nicht nur von Haus aus zu Absturzproblemen, sondern sorgt durch systemimmanente Beschränkungen für Riesenärger. Da Google unter KitKat den Schreibzugriff auf die SD-Karte stark begrenzt hat, ist mein Speicherkärtle nahezu unbrauchbar. Abspeichern ist nur noch in bestimmten Ordnern möglich, womit viele Apps aber rein gar nicht klar kommen. Bewertungen von Songs werden nicht angenommen. Kamera-Apps weigern sich, Dateien extern auszulagern – von der Samsung eigenen natürlich abgesehen. Begründet werden diese Einschränkungen offiziell mit dem Hinweis auf den mittlerweile so üppigen Speicherplatz, den Cloud-Lösungen bieten. Wer braucht da noch Speicherkarten? Aber was nützt der denn bitte, wenn die Nutzer Internetverbindungen mit Datenvolumen haben? Oder auf dem Land wohnen, wo selbst 3G ein Weltwunder darstellt? Und wer hat tatsächlich Lust, seine Songs und Bilder Gigabyte-weise online in dieselben Verzeichnisse zu kopieren, die so auch auf der Festplatte liegen? Was für eine unnötige Verschwendung an Lebenszeit…

Eine Zeitlang hat sich Samsung zu Apple positioniert, die mit ihrer Firmenphilosophie ganz andere Wege gingen. Samsung war der Underdog, der den Leuten das bot, was Apple nicht konnte oder wollte. Freiheit. Zumindest suggerierten sie das (im Vergleich mit tatsächlich offenen Systemen ist das natürlich Quatsch, aber so fühlte es sich damals einfach an): Akkus waren austauschbar, SD-Slots ermöglichten eine kostengünstige Möglichkeit der Speichererweiterung. Dafür war das verwendete Material der Produkte nicht so erstklassig wie bei den Äpplern. Tja, das war einmal. Vielleicht liegt’s an den Markttendenzen oder dem finanziellen Misserfolg, der mit dem S5 verknüpft ist. Fakt ist: Samsung nähert sich in allen Belangen der Konkurrenz an: Das S6 ist dem iPhone ähnlicher denn je, das verwendete Material ist dasselbe, die Erweiterbarkeit für SD-Karten und neue Akkus gibt’s nicht mehr. Damit ist für mich das S6 keine Konkurrenz zum iPhone mehr, sondern das typische me-too-product, das man der Galaxy-Serie ohnehin immer hinter vorgehaltener Hand nachsagte. Sie können die Hand nun runternehmen, meine Damen und Herren, und es offen aussprechen. Optisch macht das S6 ja auch keinen Hehl mehr daraus.

Das zunehmende Binden an seine Serie hat Samsung über die Jahre auch mit zahlreichen Zusatzgeräten perfektioniert. Die funktionierten alle ganz hervorragend – mit Samsung Equipment. Egal ob Allshare Cast Dongle oder die Gear Fit-Smartwatch. Ohne ein Samsung-Smartphone waren die Devices quasi nicht zu gebrauchen. Was mir am Anfang noch nicht sonderlich viel ausmachte, fing in dem Moment an zu nerven, in dem Dreh- und Angelpunkt des Setups – nämlich das S4 mini – nicht mehr ordentlich funktionieren wollte. Damit hatte ich nämlich nicht nur ein nutzloses Gerät. Ich hatte auf einmal drei. Daher werd ich nach den ganzen Jahren Konsequenz ziehen. Die Geräte werden alle verkauft, das S4 mini wohl einer Konkurrenz weichen, die ebenfalls aus Südkorea stammt, aber all das bietet, was Samsung mir seit Neuestem versagt.

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10 Antworten zu Vom Nerd-Trennungsschmerz…

  1. frlsinus schreibt:

    Gibst du auch dein Note ab?

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  2. Steffi schreibt:

    Auch wenns hier nicht dazu passt: ich würde mich sehr über einen Beitrag freuen, der Eltern hilft eine Entscheidung über die 2.Fremdsprache zu treffen. Und zwar aus Sicht des Lehrers, und keine verallgemeinerten Infoblätter. Was sollten die Kinder für den Lateinunterricht an Grundvoraussetzungen mitbringen? Ist Latein wirklich mit so viel mehr Lernen verbunden?
    Würde mich freuen wenn Du Zeit und Lust hast, so einen Beitrag umzusetzen .
    Steffi H.

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  3. davidobst schreibt:

    Du kannst die Geräte ja beim #EDchatDE versteigern 🙂

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  4. pompeji schreibt:

    Interessant! Hast du schon eine Lösung gefunden? Oder ist es im Moment überall so, dass lieber mal schnell was Neues raus gehauen wird und die Qualität leidet?
    Bin selbst vom S5 unfassbar genervt. Es stürzt häufiger ab, als das S2, welches ich leider im blinden Glauben abgegeben habe, der Nachfolger wäre genauso gut.
    Bin mit Apple und Samsung-Geräten unterwegs und dank App kann ich auch so den Kalender synchronisieren. Aber auch bei Apple fangen mich an Dinge zu nerven. Hab den Mac nun auf das neuste Betriebssystem gesetzt und schreie mehrfach täglich die Apfelkiste an, wenn Mail mal wieder abstürzt oder die Kiste lahmt. Nervig! Design ist nun mal nicht alles.

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    • herr_mess schreibt:

      Ich denke, dass Samsung vor allem bei den Mittelklasse-Maschinen gerne mal den Support einstellt, weil die davon ausgehen, dass deren Käuferschaft damit zufrieden sind, ab und an mal ein bisschen zu telefonieren und SMS zu schreiben. Das S4 gilt zum Beispiel als recht solide. Mit dem S5 hab ich gar keine Erfahrung. Aber hat wohl irgendwo einen Grund, dass es sich so gut wie gar nicht verkauft hat.
      Bezüglich Apple wird ja seit Urzeiten die Mär gepflegt, dass die Geräte verlässlich und unkaputtbar seien. Was höre ich derzeit die Leute klagen, die mit ihren iPhones üble Probleme haben! Interessanterweise hat ein Großteil meiner Leute bis heute der iPhone 4. Hat ja auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel…

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  5. Herr Quer schreibt:

    Ich geh ähnlich an Technikkäufe ran: Vergleichen, Abwägen, Recherchieren. Und auch ich bin dann häufig bei Samsung hängen geblieben, obwohl ich kein Markenmensch bin. Der mobile Dreh- und Angelpunkt meines Arbeitsfuhrparks ist das S5, das einwandfrei funktioniert. Wechselakku, feuchtigkeitsdicht und reichlich Power. Das wird mich noch mindestens 2 Jahre tragen, so denn die Handyschutzhülle erlaubt.
    Welches Handy wird dein neuer Drehpunkt?

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