Siech 2015

avat_schielen_technikEs ist schon wieder passiert. In der größten Hitze. Genauso wie vor 2 Jahren hat’s mich in diesem Jahr wieder ausgerechnet in der Woche erwischt, in der das Klima beschloss, das heißeste Theater des Jahres aufzuführen – und ich bin außen vor. Angefangen hat alles mit einem Kratzen im Hals. Und dabei ist es geblieben. Die Heiserkeit blieb hartnäckig und schlug irgendwann auf die Stimme. Mittlerweile klinge ich wie eine Kreuzung aus Gollum und Gianna Nannini. Das straffe Korsett des Lehrplans, die Lehrerausfälle im Kollegium und die ganzen Abwesenheiten der Klassen über das Schuljahr zwangen mich allerdings dazu, trotz allem in der Schule aufzulaufen und mein Tagwerk zu absolvieren. Und das ohne ein einziges Wort im Unterricht zu reden! Technik sei Dank.
Seit Tagen kommuniziere ich mit den Schülern ausschließlich über Tablet, Beamer und Bluetooth-Tastatur, um meine Stimme nicht zu belasten. Arbeitsaufträge und Fragen tippe ich einfach in ein Word-Dokument, und die Kinder antworten darauf. Das funktioniert hervorragend. Es ist mucksmäuschenstill, wenn die Tasten klackern. Alle Augen sind nach draußen gerichtet. Unruheherde werden von den anderen sofort im Keim erstickt und mit einem Inferno an „PST“s bedacht. Man will ja nicht, dass Herr Mess seine Stimme vollends ruiniert.
Ich bin ganz hin und weg, dass das so gut funktioniert. Aber auch irgendwo verständlich: Für uns beide ist das eine völlig neue, skurril künstliche Art der Unterrichtskommunikation, die auf der einen Seite sehr entschleunigt, mich aber auf der anderen Seite dazu zwingt, möglichst kurz zu fassen: Kommandos tippen dauert einfach länger als sie auszusprechen. Man kann aber damit auch so schön Schabernack treiben: Schülerantworten mit Emoticons versehen, Kommandos auf Latein tippen (das Lesen und Übersetzen sind sie ja gewohnt), lange Denkpausen bei Schülern mit „loading“-Nachrichten kommentieren. Es macht einfach Spaß. So viel Spaß, dass ich mir echt überlege, meine Stimmprobleme zumindest offiziell noch etwas länger vorzugeben als eigentlich notwendig. So still hatte ich die Klassen Anfang Juli schon lange nicht mehr 🙂

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5 Antworten zu Siech 2015

  1. Anne schreibt:

    klasse Idee – und (trotzdem) gute Besserung!

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  2. Hauuptschulblues schreibt:

    Das ist ja eine interessante Beobachtung!
    Ja – und bessern Sie sich.

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  3. Melanie B. Weber schreibt:

    Kompetente Lehrkräfte schaffen es irgendwie immer, aus den unmöglichsten Situationen noch irgendwie ein gelungenes, respektvolles Miteinander zu machen. Das nennt man dann ganzheitliches Lernen (im besten Sinne).
    Gute Besserung!

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    • herr_mess schreibt:

      Danke danke 🙂 Mittlerweile bin ich wieder wohlauf. Bei den meisten Klassen rede ich auch wieder – von der Mittelstufe abgesehen. Die können ruhig noch ein bisschen ruhig bleiben 😛

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