Über die drei Fragezeichen

avatarLieber Justus, lieber Bob, lieber Peter,
ihr kennt mich nicht. Aber das ist kein spezial gelagerter Sonderfall, sondern völlig in Ordnung. Dafür kenne ich euch umso besser. Seit 1986 seid ihr mir ein Begriff. An die ersten Fälle, die ich mitbekam, kann ich mich noch gut erinnern. Sehr gut sogar. Zuerst an die flüsternde Mumie, die ich mir damals in einem Kaufhof in Unterföhring kaufen durfte und mich mit eurem Detektivunternehmen bekannt machte. Dann die Geisterinsel und ihr Mysterium. Die Legende um Sally Farrington, die Intrige um Chris Markos, und dann das Gold. So viel Gold? Wo habt ihr das gefunden? Das war natürlich ein Geheimnis, Mrs Barton. Was denken Sie denn? Oft kann ich mich sogar an die mysteriösen Vorkommnisse aller Art erinnern, im Verlauf derer ich mit euren Geschichten in Berührung  kam. Den weinenden Sarg fand ich zum Beispiel anno 1988 in meinem Osternest (kein Unikum, sondern ein Unikat!). Das Narbengesicht auf dem Gabentisch zum Geburtstag (ohne Kochlöffel – ist Tlick, ich sehen im Fernsehen!). Der Super-Papagei brachte mir im Juni 1989 Latein bei, kurz bevor ich es auf dem Gymnasium hatte. Er sagte so schön seinen Namen. Lucius et Licinius et Lucullus. Kopf oder Zahl? Errare humanum est. Ich hab viel von euch gelernt. Zum Beispiel, was Mini-Tonbandgeräte sind. Oder Haifänger, Rokkokokokotten (nein, ich stottere nicht) oder Kanaillen, wie Jensen eine war. Auch unvergessen die Haschimitenfürsten im Gehirn. Edutainment war und ist immer noch eure Stärke. Singen leider nicht. Folge 29 beweist das. Die bekam ich damals nach einem Zahnarztbesuch, weil mir ein Backenzahn gezogen werden musste. Zum Glück wirkte die Narkose noch gut nach, ansonsten hätte ich euren Sprechgesang in „Fragen Fragen“ nicht ertragen. Leute, was ist das für ein Sound? Das ist ja grausam! An euren musikalischen Fähigkeiten hat auch Bobs Job bei Sax Sandler nichts verändert. Zum Glück hatten da eure Bands, die euch über die Jahre musikalisch begleitet haben, mehr drauf. Bedeutend mehr! Carsten Bohn, Phil Moss, Cee-Bee, Dr. Beurmann und wie sie bzw. er auch heißen mögen/mag. Sie alle haben echte Ohrwürmer geschaffen, die mit ihren schmissigen Melodien und orchestralen Arrangements absolut zeitlos waren. Daher war mir auch lange überhaupt nicht klar, wie alt ihr bzw. eure Abenteuer überhaupt waren. Es musste erst das Internet im Jahre 1996 in Deutschland etabliert werden, bis mir eine Fanseite klarmachte, dass ihr seit 1979 ermittelt. In dieser Zeit begann mein Interesse an euch auch wieder aufzuleben. Es dauerte aber etwas, bis wir wieder warm wurden, denn die Zeiten hatten sich irgendwie schon geändert. Wir waren alle spürbar älter geworden. Ich hatte Abitur, ihr hattet Freundinnen und öde Fälle, aßt in Deutschland Speckbrote (was auch immer das sein mag) oder frisch gebackene Rosinenbrötchen aus der Bäckerei La Corpulence. Peter Passetti war verstorben, der ehemalig schmissige Soundtrack aufgrund von Rechtstreits gegen belanglose Midi-Arrangements ersetzt. Zum Glück habt ihr euch besonnen und mit dem Poltergeist oder den Stimmen aus dem Nichts meine Hochachtung wieder gewonnen. Auch wenn ich bis heute überzeugt bin, dass Mrs Holligan am Ende der Folge „Scheiße, ich verliere mein Gebiss“ murmelt, und ihr darauf in irres (Aus-)lachen verfallt. Sehr unhöflich von euch! Überhaupt: dieses gellende Gröhlen am Ende einer Folge, das eine Zeit lang fast als Markenzeichen von euch gehandelt wurde. Habt ihr einen (lachenden) Schatten? Das hat mich schon immer etwas verstört. Ebenso wie die einen oder anderen Faux pas eurer Karriere. Warum kann Justus problemlos ein auf Spanisch verfasstes Schreiben des Präsidenten vom Inselstaat Ruffino übersetzen, scheitert aber dann an der Aussprache gängiger spanischer Nachnamen (Ein Gomez ist kein Gourmet, Justus!)? Ein Mysterium. Davon gibt’s aber einige:  Warum klingt die singende Schlange wie ein Ziegenbock, der kastriert wird? Warum ändert das Layout der Cover eurer Abenteuer ab Folge 16 auf einmal den Font? Warum seid ihr nie in der Schule und macht Hausaufgaben wie normale Jungs in eurem Alter? Warum fehlt im roten Piraten in der Neuabmischung der geniale Dialog über Zombiefilme? Und dann natürlich auch eure Freundinnen! Warum seid ihr die von heute auf morgen einfach los? Was habt ihr mit denen gemacht, dass ihr noch nicht mal über eure Exen reden wollt? Liegen sie in einem Kofferraum auf einem Parkplatz in der Nähe des Wiltshire Boulevard? Sei’s drum, die waren eh doof. Vor allem Kelly. Die wollte nur mit Peter zur Blitzhochzeit nach Las Vegas reisen (WAS!?). So könnt ihr euch mehr auf eure geistige Arbeit konzentrieren, was vermutlich auch der Grund ist, warum eure Fälle über die Jahre immer länger und auch etwas konfuser wurden. Vielleicht seid ihr euch aber auch dessen bewusst, dass eure hauptsächlichen Fans schon lange keine Kinder mehr sind. Sondern so hoffnungslose Nostalgiker wie ich. Das kann noch fünf Tage so gehen, vielleicht nur drei Wochen, vielleicht auch nur zwei Monate. Das können die Ärzte noch nicht sagen. Ich allerdings schon, von daher seid beruhigt. Solange ihr nach rätselhaften Bildern, Karpatenhunden, sprechenden Totenköpfen und GPS-Gangstern fahndet, werd ich euch noch ein gutes Stück treu bleiben. Daher kann ich euch für euer Detektivunternehmen auch zu Fall 175 nur alles Gute wünschen. Und bei so toller Fan-Produktion wie den folgenden kann man nur hoffen, dass ihr so weiter macht.

Das habt ihr gut gemacht, gut gemacht [irres Lachen] Musik setzt ein  [/irres Lachen].

poster

gewidmet den Machern und den Fans der 3???, vor allem meinen #3???quiz-Twitter Detektiven Hokey, Corinna Lammert und AncGreek, die bestimmt alle Zitate aus dem Text erraten können 🙂

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6 Antworten zu Über die drei Fragezeichen

  1. Hokey schreibt:

    Das mit den Exen ist wirklich eine Frage, die mich schon seit Jahren umtreibt. Und natürlich, woher die Jungs all die Zeit nehmen. Und was mit Justs Kampfsportkünsten passiert ist, die er zwischenzeitlich gewinnt. Ich hatte ja zwischenzeitlich die Hoffnung, dass die ??? mit uns älter werden; das hätte etwas Tröstliches und würde neue Spielräume eröffnen (obwohl: Just als Leiter eines Schrottplatzes? 😀 ).

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    • herr_mess schreibt:

      Kampfkunst? So richtig? Daran kann ich mich ja gar nicht erinnern… Ich hab nur im Kopf, dass die 3 Jungs in den 50er- und 60er-Folgen sich regelmäßig wüst mit ihren Gegnern prügeln. Aber so richtig kundig kamen mir die in diesem Bereich nie vor. Vor allem Justus…

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  2. Pingback: Wirkungsvoll | Kreide fressen

  3. Tester-Team.de schreibt:

    Kurze Anmerkung: Die drei sind zwischenzeitlich wohl in der Schule. Öfter fällt der Satz: „Aber wir haben doch morgen Schule.“
    Oder im Fall „und der Mann ohne Kopf“ (106) gehen die drei Detektive auf eine Beerdigung und es wird sogar im Hörspiel gesagt, dass sie dafür die Schule ausfallen lassen werden.

    Schau doch auch mal bei uns vorbei. Wir haben auch ein paar Artikel zu den drei Fragezeichen mit an Bord, wie zum Beispiel über „Das Kabinett des Zauberers“ (181) https://tester-team.de/2016/06/18/die-drei-das-kabinett-des-zauberers/ – und es werden auf jeden Fall noch mehr Artikel werden, versprochen 🙂

    Liebe Grüße

    Clemens

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