Stöckchen aus dem Ländle

avat_freuEigentlich herrscht bei mir gerade schulbedingt etwas Blog-Artikel-Flaute, was auch ein bisschen an der Schule liegt. Kurz vor Notenschluss merkt man wieder einen deutlichen Anstieg bei Elterngesprächen, Korrekturen und bürokratischem Firlefanz. Um die Durststrecke ein bisschen zu überbrücken, warf mir – unverhofft kommt oft – Frau Henner einen rettenden Anker zu. Bzw. ein Blog-Stöckchen aus dem Ländle. Also ein Stöckle. Das nehm ich nur allzu gerne auf…

1. Du fährst auf eine einsame Insel und darfst drei Dinge mitnehmen. Erkläre warum du dich für die entschieden hast!

Explizit Dinge? Hm… In sowas war ich immer total schlecht. Schau mer mal…

  • Senecas Trostschriften, die mir erklären, wie ich mit der Einsamkeit zurecht kommen soll. Außerdem bin ich mit seinem Stil nie wirklich warm geworden. Mehrere Jahrzehnte auf einer Insel dürften mir genug Gelegenheiten bieten, endlich zu ihm einen Zugang zu finden.
  • Irgendein Musikinstrument, damit ich mit der neu gewonnen Freizeit auch was Kreatives machen kann. Klaviere passen wohl kaum in den Kahn, der mich an den Anus der Welt bringen soll. Vielleicht mal den Herrn Rau fragen, der leiht mir vielleicht seine Ukulele.
  • Eine Flaschenpost, weil ich dort nicht ewig versauern möchte…

2. Wann willst du mal heiraten und warum? (Sollte man für Erwachsene vielleicht umändern in : Wie stehst du zum Heiraten?)

👍 Da für mich die in 3. genannten Tugenden ganz wichtig sind, hab ich kein Problem mit dem Gedanken, mich bis ans Lebensende an eine einzige Person zu binden. Wenn’s die richtige ist, dann hat man sich auch nach 30 Jahren noch viel zu erzählen.

3. Welche Eigenschaften schätzt du an einem Menschen?

Ehrlichkeit und Verlässlichkeit. Wenn ich merke, dass mir jemand in der Hinsicht was vorspielt, ziehe ich mich sehr schnell von ihm zurück. Lügner gibt’s genug auf dieser Welt. Die brauch ich nicht auch noch in unmittelbarer Nähe…

4. Was war deine letzte, richtig gute Tat?

Gerade vorhin einen Rollstuhlfahrer eine Straße hochgeschoben, der im Pappschnee feststeckte.

5. Mit welcher Kleinigkeit könnte man dir die aktuell die größte Freude machen, und warum?

Marzipan geht immer. Warum? Darum!

6. Hast du eine kreative Ader, wenn ja, welche? Lebst du diese auch aus?

Ich schnuppere in viele Bereiche gerne rein, ohne einen Anspruch auf Professionalität zu erheben 🙂 Meinem Zeichendrang komm ich durch Vokabelfolien und Artworks in Schulaufgaben nach. Dank Wacom-Tablett am PC und einem Note 8.0 geht das ganz gut. Zumindest kann man damit die Unterstufe beeindrucken…
Musikalisch war ich mal gut dabei, allerdings zeugen davon nur noch meine Synthesizer, die seit meiner Rückkehr aus England 2005 im Regal vor sich hinstauben. Sollte ich mal wieder Zeit und vor allem auch Raum haben, um mein Homestudio wiederzubeleben, komme ich bestimmt mal wieder auf den Geschmack zu spielen oder zu komponieren. Mehr über meine düstere musikalische Vergangenheit hatte ich ja schon mal hier verbloggt.
A propos, der Blog dürfte wohl auch eine Art von kreativem Outlet sein. Jedenfalls fühlt es sich immer wieder so an. Also: ja, ich lebe meine kreative Seite aus. Mal auf die eine, mal auf die andere Weise.

7. Was fällt dir leichter: anfangen oder aufhören?

Das hängt ganz von der Aktivität ab. Schulisches erledige ich so schnell wie möglich. Solange es nicht so bürokratischer Kram ist. Der kann in der Tat ein bisschen dauern: Einsammeln und alphabetisches Ordnen von Schulaufgaben, Erstellung von Erwartungshorizonten, Einsammeln von Elternbriefen, die unterschrieben an den Klassleiter zurücksollen. Üach. Das nervt.

8. Welches Buch liegt momentan auf deinem Nachttisch?, und denke mir selbst noch ein paar aus (wer hat eigentlich diese Zahl elf festgelegt?):

Im Moment sind’s sogar drei.

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Linguistik finde ich bis heute faszinierend. Im Studium hab ich allerdings immer nur was über die englische Sprachgeschichte gelesen. Von meiner eigenen Muttersprache kannte ich nur die paar Fetzen, die man aus der Schule mitnimmt: min niuwez hus und Ich saz ûf eime steineWie ähnlich sich Englisch und Deutsch getrennt voneinander entwickelt haben, war mir vor der Lektüre gar nicht bewusst. Endsilbenabschwächung, Zusammenbruch des Kasussystems bei den Substantiven, das Vokaltrapez, das im Deutschen aufgrund eines anderen Phonemrepertoires ein Dreieck ist. Ich liebe so Zeugs…
Den Gibbon lese ich, weil mir für mein Hintergrundwissen zur römischen Antike doch das eine oder andere Jahrhundert fehlt. Klar weiß man, dass irgendwann die Vandalen kommen, die Goten einrücken, Odoaker dem Reich den Garaus macht. Aber was war dazwischen? Wer sind die Kaiser, die mit so elitären Namen wie Elagabal oder Macronius aufwarten konnten? Was haben die gemacht (nur so als Tipp: Gar nichts. Deswegen kennt sie auch keine Sau…)?
Den dritten Titel lese ich nur, weil ich eigentlich ein großer Poe-Fan bin. Allerdings merke ich an dieser Kurzgeschichten-Sammlung, dass Poe nicht nur Meisterstücke geschrieben hat. Das Streitgespräch mit einer Mumie soll vermutlich in ironischer Brechung das Hochgefühl des 19. Jahrhunderts auf die Schippe nehmen, in dem man sich technologisch auf der Spitze des menschlich Machbaren wähnte. Ich find’s allerdings etwas albern. Vielleicht hab ich auch einfach eine andere Erwartungshaltung an Poe. Ich erwarte bei ihm immer Grauen und Grusel, nicht Grinsen und Gelächter.

9. Wen du einen Roman schreiben würdest, wovon würde er handeln?

Von Latein 🙂 Ne, keine Ahnung, mit dem Gedanken hab ich noch nie gespielt. Ich merke durch den Blog jedes Mal, wie schwer es ist, bei der Stange zu bleiben. Den Vorbereitungs- und Schreibprozess eines tatsächlichen Romans würde ich vermutlich irgendwann abbrechen. Da fehlen mir dann doch Zeit und Muße dazu…

10. Tanzbär oder Salzsäule?

Ersteres. Wenn die Musik stimmt, ist das für mich kein Problem. Egal, ob auf Schulfaschingsbällen oder privat. Seit mich eine Schülermutter mal gesehen hat, werde ich jährlich belagert, an einem Tanzprojekt für die Schule teilzunehmen. Ich lehne jedes Mal dankend ab. Verrenken tu ich mich schon im Unterricht mehr als genug.

11. Gibt es einen Punkt in deinem Leben, an dem du gerne grundlegend anders gehandelt hättest?

Puh. Mei, hinterher ist man immer klüger. Von daher kann ich das nicht ohne größeres Klugscheißen beantworten. Vieles, was ich bereue, lässt sich auf mein Naturell zurückführen, das bei wichtigen Entscheidungen immer (zu) lange hadert. Dadurch habe ich immer viel Zeit verloren, die ich eigentlich wieder gerne haben würde, mir aber auch viel Ärger ersprart, den ich mir durch die eine oder andere Spontanaktion eingebrockt hätte. Von daher würde ich es gerne umformulieren: Ich hätte nicht grundlegend anders, aber vielleicht grundsätzlich schneller handeln sollen.

So, damit hab ich hoffentlich meine Schuldigkeit getan und kann meinen bayerischen Steck’n wieder in ein Stöckle verwandeln und in Richtung Schwarzwald werfen. Nämlich zum Bob, der mir im Juli meine erste Stöckchen-Aktion eingebrockt hat. 11 Fragen? Here they come…

  1. Wer hat dich bei deiner Berufswahl maßgeblich beeinflusst?
  2. Dein Lehrerjob: Beruf oder Berufung?
  3. Warum lebst du dort, wo du lebst?
  4. Hast du schon einen der Drehorte aus der Schwarzwaldklinik besucht?
  5. An welche Cartoon- oder Kinderserie aus deiner Jugend denkst du gerne zurück und warum?
  6. Beende den Satz „Mein Leben ist…“
  7. Wann weiß man, dass es die/der Richtige ist?
  8. Nenne eine Platte/CD aus deiner Sammlung, für die du dich heute sehr schämst und begründe warum.
  9. Justus, Peter oder Bob?
  10. Welches Image genießt du deiner Meinung nach bei deinen Schülern?
  11. Du bist spontan Kultusminister in Baden-Württemberg. Was würdest du ändern?
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5 Antworten zu Stöckchen aus dem Ländle

  1. tinatainmentia schreibt:

    Oh Herr Mess, die Fragen sind ja total spannend! Hoffentlich beantwortet Bob diese, bin gespannt, ob ich ihn mir gerne zum Kultusminister wünschen würde. 😉

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  2. lilohenner schreibt:

    Vielen Dank, das fand ich alles sehr interessant, obwohl vieles auch nicht unerwartet kam. Wenn man deinen Blog regelmäßig verfolgt, lernt man dich auch als Menschen schon ein wenig kennen. Irgednwie beschämt ihr (es haben ja inzwischen noch mir die Fragen beantwortet) mich aber auch – ihr habt auf dem Nachttisch alle so viel… ähem… anspruchsvolle Literatur liegen. Genau da liegen bei mir die Untiefen der Literatur… zu mehr bin ich abends meist nicht in der Lage. Aber ist das vielleicht auch männlich? Herr Henner liest da auch immer Sachbücher, so dass ich mir mit meinem popligen Krimi ganz dumm vorkomme…

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    • herr_mess schreibt:

      Wir kennen uns ja auch schon ein bisschen, von daher wär’s ja komisch, wenn ein Großteil nicht ins Gesamtbild passen würde 🙂 Keine Angst wegen der Lektüre. Ab und an landet auch mal was leichter Verdauliches auf dem Nachttisch, aber die Sachen hatten mich spontan einfach sehr angelacht.

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  3. Pingback: Zockstock | Herr Mess

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