Zurück in der Zukunft

avat_wut-150x150So, bitte Ruhe in der letzten Reihe! Guten Morgen! Setzt euch bitte. Ich möchte die heutige Stunde pädagogisch korrekt mit einem stillen Bildimpuls beginnen, der euch auf das heutige  Thema einstimmen soll. Also lehnt euch zurück und lasst mal dieses GIF aus dem Harvard Innovation Lab ein paar Mal auf euch wirken.

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The evolution of the desk by the harvard innovation lab. Photography by dougthomsen.tv / Engineering by Anton Georgiev

Hypnotisch, oder? Und so herrlich irreführend. Ach, wie leicht hat uns die digitale Revolution das Lehrerleben gemacht! Das ganze sperrige Zeug ist weg. Weg mit dem Globus, weg mit den schicken Lexika, be gone, blöde Fotokamera, sayonara, hässliche Telefon-Fax-Kombi – alles haben wir vom Arbeitsplatz verbannt und in unser schickes MacBook integriert. Wie herrlich aufgeräumt (und nebenbei bemerkt auch hoffnungslos steril) er doch nun wirkt. Aber Hauptsache, alles ordentlich. Hauptsache, alles viel einfacher als früher. Richtig? RICHTIG?? Falsch!
In vielen Bereichen ist aus der Mücke über die Jahre der digitale Elefant geworden. Das erlebe ich dieser Tage ganz deutlich. Und zwar beim Thema Videoformate. Früher ging das irgendwie alles einfacher. Nämlich so:

BildIm Jahre 1984 hat man eine Sendung auf Band aufgenommen, hat das klobige VHS-Kassettchen am nächsten Tag in der Schule in einen Videorekorder geschoben, und los ging’s. Ja, vielleicht mit SAT1-Werbeblöcken dazwischen. Ja, mit krieseligem Schlieren im Bild, aber hey: Es lief.

Theoretisch ließe sich ja sowas heute 1:1 auch mit Festplattenrekorder und DVD-Brennern erledigen. Aber NEIN! Herr Mess wollte für den Unterricht ja alles ein bisschen aufgepeppt haben. Vor den Beitrag ein Banner, dazwischen Bilder, die die unbekannten Vokabeln erklären, gelegentlich Texteinblendungen, weil Indian English teilweise schon etwas ungewohnt für Schülerohren ist. Hört sich nach Arbeit an, geht aber bestimmt ganz einfach. Digitale Bildbearbeitung ist das Zauberwort, und die ist ja gar nicht so teuer. Und die Ergebnisse sind in Windeseile produziert und sehen auch noch beeindruckend aus. Pustekuchen! Im Jahre 2014 kann das – dank digitaler Errungenschaften – zu einem waschechten Format-Martyrium ausarten. Anbei mein tatsächlicher Leidensweg, den ich vor ein paar Tagen für einen simplen Videoschnitt von gerade mal 3 Minuten auf mich nehmen musste:
Bild
Am Anfang war das AVI. Das konnte mein Schnittprogramm nämlich nicht lesen. Mit etwas Forschen fand ich heraus, dass MP4-Dateien sehr kompatibel seien. Also Konverter angeschmissen und die Standard-Einstellung gewählt: Video: H.264/Audio: AAC. Ergebnis: Ich hatte ein Bild, aber die Tonspur war 2 Oktaven höher. Nicht schneller und höher, wie bei einem zu schnell abgespielten Tonband, sondern einfach höher. Gandhi klang wie ein behäbiger Papa Schlumpf. Also nochmal konvertiert, in ein klassisches MP4: Video: MPEG4/MP3. Damit muss es ja gehen. Falsch. Die CPU-Auslastung war auf einmal um das Dreifache höher, die Frameraten traurig. Mahatma Gandhi klang zwar nicht mehr wie ein Schlumpf. Dafür stakste er dank Bildeinbrüchen wie ein früher Filmation-Zeichentrick über den Bildschirm. Also auch Fehlanzeige. Gut, dann versuchen wir halt das Windows-eigene Videoformat, damit muss ja auch ein Windows-basiertes Schnittprogramm klar kommen. Fehlanzeige. Ich hatte auf einmal keine Tonspur mehr. Mittlerweile war fast eine Zeitstunde vergangen. Eine Stunde wohlgemerkt, um ein dreiminütiges Video mit ein paar Einblendungen aufzuhübschen. Naja, ich probierte noch ein bisschen herum, mit allem, was der Konverter zu bieten hatte: ein bisschen MOV, ein paar MP4-Varianten. Aber es half alles nicht. Mal war der Ton weg, dann zu schnell, dann zu langsam, dann gab’s Fehlfarben. Es war zum Haare raufen – hätte ich nur noch welche, um selbiges zu tun!
So wurde es dann einfach die rohe Videodatei ohne Zusatzschnickschnack. Das hätte ich mit einer VHS-Kassette auch gekonnt!

 

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17 Antworten zu Zurück in der Zukunft

  1. Martina schreibt:

    *laut lacht*
    Mir ging es am Wochende ähnlich ^^. Meine Nichte (7.Klasse Gymnasium, Musikunterricht) sollte ein Musikvideo drehen. Es gab keine weiteren Hilfestellungen von Seiten des Lehrers und ich wundere mich so keineswegs mehr über die nicht vorhandenen medienpädagogische Fähigkeiten der Schüler. Aber egal, die Tante sollte das Video schneiden, dabei hatten die Mädels ein wirklich brauchbares Storyboard geschrieben und die Szenen auch alle gedreht (wobei sie keine Ahnung von Kameraführung hatten, manche Videoschnipsel lagen quer oder auf dem Kopf). Mutig nahm sich die Tante also ihren Windows Laptop vor, schloss das Handy der Nichte mit den Aufnahmen an …….und der Laptop brachte erstmal die Speicherkarte des Handys total durcheinander. Nachdem dann glücklich fast alle Aufnahmen auf dem Laptop waren, öffnete die Tante den Windows Movie Maker …..der dann gleich drei Aufnahmen als nicht lesbar kennzeichnete, die Musikdateie auch partout nicht behalten wollte und zwischendurch löschte.
    Nachdem wir glücklich nach drei Stunden 1 Minute Video einigermaßen wunschgemäß geschnitten hatten, einigten wir uns darauf, morgen Nachmittag weiterzumachen.
    Am nächsten Morgen machte sich die Tante daran, ihr neues – und erstes Ipad überhaupt – samt iMovie kennenzulernen, um zu erkunden, ob es damit einfacher gehen möge. Es machte den Eindruck, dass es so sein würde…hoffentlich würde das Ipad das Videoformat eines Android Handys erkennen ….Hurra, das tat es! Die Umwege, die ich nahm, um die Aufnahmen auf das Ipad zu bekommen, will ich hier gar nicht erwähnen ^^.
    Tante und Nichte schnitten dann den ganzen Nachmittag lang ein Musikvideo von 3 Minuten Länge und exportierten das Video in verschieden hohen Auflösungen. Blöd war nur, dass das Handy der Nichte keines der fertigen Videos abspielte (und dass das Handy das kann, war natürlich wichtig für die Nichte, schließlich war man stolz auf das Ergebnis!). Also alles auch auf den Windows Laptop überspielt und in MP4 konvertiert und alles funktionierte zur vollen Zufriedenheit – hoffentlich erkennt der Schullaptop wenigstens eins der fertigen Videos 😀

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  2. Matthias Heil schreibt:

    Dein Frust liegt mir eher in einem inkompetenten Schnittprogramm begründet als in der eingangs des Artikels prinzipiell (?) bedauerten Digitalisierung. Betamax lief auch nicht auf Video2000 und beide Formate auch nicht auf VHS. Früher war nicht alles besser…-)

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    • herr_mess schreibt:

      Aber auf die Idee, diese Formate untereinander zu tauschen, kam doch kaum jemand… Wegen des Schnittprogramms hat wohl jede Software in dem Preissegment, in dem ich mich bewege (<100€), ihre Macken. Die einen schwören auf Pinnacle Studio, andere lachen darüber. Ich kam mit den Magix-Sachen immer gut zurecht. Und jetzt auf einmal so ein Schmarrn… :-/

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  3. pompeji schreibt:

    Mal wieder sehr, sehr anschaulich und lustig beschrieben! 😀
    Und du hast vergessen, dass dann noch der Kram nicht auf den Schulrechnern/Beamern abzuspielen ist, weil die entweder jemand gerade ohne Anmeldung in Verwendung hat oder es schlichtweg nicht mehr auf Windows XP *hust* läuft. Deswegen schleppt man dann doch seinen eigenen Kram mit.
    Das Video-Problem kenne ich leider auch zu Gute. Hab jetzt mal gehört, dass der VLC-Player einiges kann. Allerdings scheint mp4 die Zicke unter den Formaten zu sein.
    Ich dachte außerdem nach der genialen Einstiegs-Gif, dass jetzt wieder ein Artikel folgt, der das Elend der technischen Ausstattung an deutschen Schulen beschreibt. Würde voll in eine Kerbe hauen. Ich darf mir von der verwaltenden Firma anhören, dass ich aufhören solle zu heulen – es gäbe Schulen, da wäre es noch viiiieeeel schlimmer.

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  4. Peter Ringeisen schreibt:

    Man kann natürlich über Pinnacle Studio lachen – aber für den Preis ist das Programm nicht schlecht. Ich habe auch schon Cyberlink-Programme ausprobiert – und, ja, ich habe (vor allem wegen Photoshop) auch die Adobe Creative Suite gekauft, der Schulversionspreis schmerzt ja nicht gar so wie der Normalpreis. Für einfache Schnittprojekte nehme ich immer noch gern Pinnacle Studio. Mit den Formaten hättest du da nicht soviele Probleme gehabt, es kann nämlich z. B. AVI importieren.
    Das soll nicht heißen, dass ich nicht auch schon wegen Pinnacle-Studio-Macken halbe Nächte am PC gesessen hätte. Aber bei halbwegs vernünftiger Hardware-Ausstattung funktioniert das ordentlich.

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    • herr_mess schreibt:

      Hm… hatte eben eine Testversion von pinnacle, die nach 5 Sekunden wieder zugegangen ist. Mit Fehlermeldung. Hab seit Jahren eins der Magix Programme und die waren für den Preis echt gut bestückt. Schade, dass da jetzt so der Wurm drin ist…

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      • Peter Ringeisen schreibt:

        Wo ist „der Wurm drin“? Bei Magix? Es könnte sein, dass sich Magix und Pinnacle gegenseitig nicht leiden können bzw. sich gegenseitig abschießen, falls du beide installiert hast.

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        • herr_mess schreibt:

          Ich bekam beim Start, als ich die erste Taste drückte, bei Pinnacle die Meldung „reagiert nicht, wird geschlossen“. Das war’s. Bei Magix werden die Tondaten der MP4-Dateien um eine Oktave höher abgespielt als eigentlich vorgesehen. Es bleibt dank Timestretching alles synchron mit dem Videobild, aber es ist halt alles viel zu hoch. Das war schon, bevor ich Pinnacle installiert hatte, und die Micky Mouse-Stimmen treten auch nur im Magix-Programm auf. Spiele ich das Video über den VLC oder Windows Media Player ab, läuft alles ganz normal…

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  5. Alan schreibt:

    Micky-maus-Stimme klingt nach falscher Sample-Rate…..hatten wir doch beim musizieren auch schon 🙂 RRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRR

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    • herr_mess schreibt:

      Es ist ja nicht schneller. Sondern höher… Ich schätze, dass das Programm mit dem Format nicht so klar kommt. Die Demoversion zur aktuellen Version kommt super damit klar. Am sinnvollsten wär’s wohl die alte zu verkaufen…

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      • Alan schreibt:

        Ja, schon klar. Schneller wird es auch nicht, nur höher. Wenn mich nicht alles täuscht lag es bei mir an der Sample-Rate….44 oder 48. Soundkarte und DAW waren sich aber nicht einig welche Einstellung die richtige ist und haben munter gemischt.

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        • herr_mess schreibt:

          Hab ich alles schon durchprobiert. Keine der Einstellungen hat was genützt. Ich hab mir jetzt eine neuere Version bestellt. Die alte wird bei eBay verkloppt. Kostet nicht die Welt. Auf jeden Fall weniger als Cubase 😉

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  6. Frau Henner schreibt:

    Ich hätte schon viel früher aufgegeben!
    Mich nervt es schon, wenn unsere Schulrechner Powerpoint nicht öffnen können, bzw. nur mit Verschiebungen der Folien und Einschübe oder die schönen Programme alle nicht laufen, weil der Arbeitsspeicher zu niedrig ist und nix installiert werden darf und kann und man aus selbigen Grund an den Schulrechnen auch nichts speichern kann … denn… ich unterrichte genau an einer solchen Schule, wie Pompeji sie im letzten Satz erwähnt. Die einzige Konsequenz wäre, entweder selbst alles mitbringen oder den Unterricht kaum digitalisieren, und deshalb sieht mein Schreibtisch auch noch so aus wie in den 90ern – ganz klassisch!

    In meinen Ohren hört sich das alles ziemlich nach Fachchinesisch an, habt ihr deshalb einen einfachen Tipp für mich: Wenn ich mit Schülern und einer Fotokamera aufgenommene Szenen eines Theaterstückchens als Filmchen zusammenschneiden will (nix Aufwendiges, nur einzelne Szenen zusammensetzen, Titel und Abspann ran), welches Programm könnt ihr mir empfehlen und gibt es da auch kostenlose Software zum Ausprobieren?

    liebe Grüße von Frau Henner

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