Software im Unterricht: Mebis – ein Versuch

avat_wut-150x150In der September-Ausgabe des Bayerischen Philologenverbandes findet sich auf S.25 ein Artikel von Thomas Gampl, der die Inkonsequenz der hieisgen Bestimmungen in der Schulpolitik thematisiert – für Lehrer, Eltern wie auch Schüler ein nimmer endender Quell an Frustration und Ärger:

Mal zählt das Probeabitur. Mal nicht. Mal ist das Flexijahr die endgültige Antwort auf die G8-Diskussion. Dann wieder nicht. Mal dienen die Intensivierungsstunden der individuellen Differenzierung. Dann sollen zwei von ihnen „fest“ den Fächern Mathematik und Deutsch zugeorndet werden. [Kurzum:] Eine Hü-und-Hott-Politik, die ständig alles wieder über den Haufen wirft, was eben noch mit großem Ernst verteidigt wurde. Eine Politik, die ständig Neues anpackt, ohne dem offenbar gewachsen zu sein.

Teilweise klingt die Sache etwas arg überspitzt, aber ich kann seit ein paar Wochen ein Liedchen davon singen. Here’s the deal: Streng genommen sind bei uns laut bayerischem Erziehungs- und Unterrichtsgesetz (Art. 56, Absatz 5) digitale Speichermedien im Unterricht verboten. Es sei denn, sie werden für unterrichtsrelevante Zwecke durch die jeweilige Lehrkraft erlaubt. Da es unter uns Altphilologen allerdings immer noch Exemplare gibt, für die eine Schreibmaschine das höchste Technologicum darstellt (kein Witz!), werden Smartphones, Netbooks oder Tablets von Haus aus als Teufelszeug stigmatisiert und kategorisch aus dem Unterricht verbannt.
Aber auch außerhalb der Latein-/Griechischfraktion wird das Thema der neuen Medien etwas… nun ja… restriktiv gehandhabt. So ist das berufliche Nutzen von sozialen Netzwerken oder gar Lernplattformen insgesamt nicht gerne gesehen. Das einzige, was man an digitaler Erweiterung erlaubt und auch durch zahlreiche Fortbildungen fördert, ist das gute (und leider auch sehr) alte Moodle. Dass ich mit Moodle zu Beginn meine Probleme hatte, habe ich damals in einem meiner ersten Blogartikel ausreichend kundgetan. Aber spätestens nach ein paar Fortbildungen habe ich mich in die Materie reingekniet und fand die Möglichkeiten trotz des Mehraufwandes eigentlich ganz nett. Daher habe ich für mein W-Seminar die häusliche Vorbereitung komplett auf Moodle umgestellt. Das war schon klasse. Für jede einzelne Sitzung gab es digital Material von mir bereitgestellt. Kurzgeschichten, Sekundärliteratur, Aufsätze in PDF-Form, Videos, Internetlinks, Tafelbilder – alles. Wir haben sogar in Gemeinschaftsarbeit eine Online-Bibliographie in Form eines Wikis erstellt, in das jeder Teilnehmer seine relevante Forschungsliteratur eintragen musste. Auf diese Weise konnten die Schüler einmal das Bibliographieren üben, zum anderen schafften sie so gemeinsam einen wunderbaren Forschungspool, auf den sie nach Belieben zugreifen können. Vor allem dieser Tage ist wäre das wichtig, da die Leute im Kurs derzeit fleißig an ihren Seminararbeiten werkeln, die bis nach den Ferien Anfang November fertig sein müssen. So ist bzw. war der Plan. But here’s the sad catch: Seit August hat man das offizielle Bayernmoodle geschlossen und in eine sagenhafte Überplattform integriert. Mebis – so der verheißungsvolle Name – bietet angeblich eine massiv erweiterte Plattform, in der man neben seinen alten Moodle-Kursen noch eine Vielzahl neuer digitaler Zusatzfeatures finden soll. Soll wohlgemerkt. Denn zeitlich hinkt das Vorhaben mächtig der Realität hinterher. Seit August wurden die Moodlepforten geschlossen, und sämtliche Kurse in Mebis integriert. Da liegen die Kurse jetzt und warten auf Reanimation. Allerdings haben weder Lehrer noch Schüler bis heute die Zugangscodes bekommen. Die Folge: Der Onlinekurs und unsere gesamten Ergebnisse von einem gesamten Schuljahr gammeln in Mebis vor sich hin, und keiner kann drauf zugreifen. Keine Bilbiographie, keine Sekundärliteratur, keine Wikis. Rein gar nichts. Alles abgeschottet. Wer aus meinem Kurs auf unsere Vorarbeit zugreifen will, muss von vorne anfangen und sich alles noch einmal selbst erarbeiten. Sehr ärgerlich.
Auf mehrmaliges Nachfragen beim Systemadministrator und der Stadt München bekamen wir Lehrer unserer Schule endlich die begehrten Zugangscodes. Nur leider löst das das Problem nicht wirklich. Denn unsere Kurse sind leer. Sämtliche Schüler sind aus den Kursen geflogen. Einladen kann ich sie nicht. Sie wiederum können sich auch nicht bei mir einschreiben, weil mir die Rechte dazu fehlen.

moodle

Where have all the students gone?

Ernsthaft: Screw you, Technik! Und da wundern sich die Leute, wenn die Lehrer Angst oder Frust wegen der Nutzung neuer Technologien im Unterricht haben. Egal, ob es um Schulcomputer, Drucker, Netzwerke, Beamer oder nun auch Plattformen geht: Man kann sich auf vieles einfach nicht verlassen. Die einzige Technik, der ich vertraue, ist die, die ich mir selber für den Unterricht zugelegt habe. Und so wie’s aussieht, werde ich bei dieser Sichtweise wohl auch noch eine ganze Zeit bleiben…

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7 Antworten zu Software im Unterricht: Mebis – ein Versuch

  1. Herr Rau schreibt:

    Das mit dem Hü und Hott kann ich generell unterschreiben. Und Mebis… ja, da funktioniert Etliches noch nicht. Allerdings gibt es bei uns keine Probleme: Der Mebis-Beauftragte (ich) hat die Schüler aus der ASV ex- und nach Mebis importiert. Dann habe ich Zugänge für die Lehrer und Schüler erstellt (allerdings problematisch, weil das nicht gleich funktioniert hat) und sie verteilt. Die angemeldeten Schüler in die Kurse zu ziehen, das funktioniert tatsächlich nicht; aber wenn man manuell die Selbsteinschreibung aktiviert, können sich die Schüler mit einem Kennwort in den Kurs eintragen. Also: erfordert mehr Bastelei, als eigentlich sein dürfte, aber läuft. – Gibt es bei euch keinen Mebisbeauftragten (mit Nutzerverwaltungsrechten)? Oder lässt der sich einfach Zeit?

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    • herr_mess schreibt:

      So wie uns es erzählt wurde, lief der Export der Schülerdateien lange nicht reibungslos. Außerdem sind die Rechte wohl so verteilt, dass außerhalb der Schulleitung keiner an die Schülerdaten rankam. Das Exportieren musste also von einem Rechner im Direktorat stattfinden.
      Umstellen der Einschreibungsmethode wäre in der Tat der Schlüssel zum Erfolg, nur fehlen mir die Rechte dazu, bzw. die Option zum Ändern ist bei mir schlichtweg nicht aufgeführt. Seit wann läuft euer Mebis-System denn einigermaßen? Möglich, dass der Mebisbeauftragte bei uns dieser Tage etwas behäbig ist und sich tatsächlich Zeit lässt. Von daher wären ein paar Vergleichswerte ganz hilfreich…

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      • Herr Rau schreibt:

        Bei uns läuft das seit… Ende September, schätze ich mal. Das einzige Problem kann eigentlich der ASV-Export sein; da gibt es einen einfachen Menüpunkt zum Exportieren – die Daten müssen halt stimmen. Und den Menüpunkt muss man kennen oder finden. Aber das geht nur von der Schulleitung aus, ja.

        Wenn du Kursleiter im Kurs bist, musst du:
        1. Rolle auf Lehrer setzen
        2. Menüpunkt Einstellungen/Einschreibemethoden
        3. Und dann in der Mitte „Methode hinzufügen (Selbsteinschreibung)“ auswählen
        Damit kannst du ein Passwort zur Selbsteinschreibung vergeben.

        Und ja, Moodle ist wie immer umständlich. Aber dass das Moo-Wort da nirgendwo mehr auftaucht, bringt schon Erfolge: Manche Kollegen sagen schon, dass dieses Mebis ja viel besser ist, als es Moodle war.

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  2. Frau Henner schreibt:

    Bei uns hat sich das RP gleich das Nichtfunktionieren zunutze gemacht. Abrechnungen oder Anmeldungen zum Beispiel für Weiterbildungen kann man nur noch auf der hauseigenen Plattform machen – und die funktioniert oft nicht. Und ist auch noch kompliziert – was dazu führt, dass einige gleich auf ihr Geld verzichten, auf das sie eigentlich Anspruch hätten. Man kann auch scheinbar etwas digitalisieren, um die Menschen und ihre Ansprüche abprallen zu lassen.
    Interessant auch, dass das RP moodle-Plattformen für die einzelnen Fachbereiche eingerichtet hat und jede Aktivität jedes Teilnehmers registriert. Nun wundern sie sich, warum keiner mitmachen will. Ich wurde sogar schon mal ermahnt, warum ich so lange nicht im moodle gewesen bin. Geht das das RP was an?

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