Ozapft is!

avat_shock*räusper* Bitte stimmen Sie mit mir ein berühmtes Kinderlied an:

„Wer will fleißige Handwerker sehen? Der soll schleunigst weiter gehen…“

Denn hier bei mir verstecken sie sich nicht. Dabei wären sie gerade bitter nötig. Und würden mich vermutlich ob dieser Bagatelle schallend auslachen.
Ihr kennt ja Murphy’s Law: „Whatever can go wrong, will go wrong.“ Und am besten dann, wenn man es am allerwenigsten braucht. So geht es mir ständig – zumindest wenn es um Heimwerkergeschichten geht. Würde man in einem Lexikon nach Murphy’s Law Unterpunkt „Heimwerker“ nachschauen, findet man in ein paar Jahren garantiert mein Konterfei. Bei mir ist immer etwas. Die Weihnachtsfeiertage nahen? Husch, die Heizung stottert vor sich hin. Der wohlverdiente Sommerurlaub steht vor der Tür? Padautz, die Warmwassertherme zeigt mir mit ihrer schicken Warnleuchte, was sie von meinen Ferienplänen hält. Oder dieses Mal: Über Ostern für ein paar Tage bei den Eltern? Blub, und der Wasserhahn leckt. Und leider nicht am Perlator. Sondern an der Armatur selber. Zunächst nur unmerklich. Am Anfang waren es nur ein paar Tropfen, die nach der Benutzung den Wasserhahn runterliefen. Nach ein paar Tagen hatte sich schon ein lustiger Wasserring um den Hahn gebildet. Gestern dann das erste ernsthafte Stirnrunzeln, als ich nach dem Einkaufen eine kleine Lache auf der Arbeitsfläche vorfand, die sich langsam, aber stetig den Weg Richtung Küchenboden bahnte. Und das nach ein paar Stunden. Wie würde die Küche wohl aussehen, wenn sie vier Tage lang meinem zickigen Wasserhahn schutzlos überlassen würde? Denn selbst bei abgedrehtem Haupthahn tropfte das Ding munter weiter. Zwar um einiges langsamer, aber immerhin.
Mir wurde nachts im Bett (denn da kreisen die Gedanken ganz besonders gut und vor allem sich hoch) bewusst, dass das Problem heute behoben werden müsste, ansonsten wäre ab Freitag kein Handwerker mehr zu bekommen, und Ostern bei meinen Eltern wäre extrem angespannt, weil ich ständig an das nasse Übel denken müsste. Das tat ich eigentlich jetzt schon die ganze Zeit. Daher stieg ich um halb eins aus dem Bett, um mich erstmal selber dem Problem zu widmen. Also erstmal Haupthahn abdrehen und nach diversen Youtube-Konsultierungen den Hahn aufgeschraubt und die Einzelteile rausgeholt. 20140417_091253Eine Riesensauerei. Weiß der Geier, wie lange die Küche schon in der Wohnung installiert ist. Bei dem Ausmaß an Schmodder kann es aber gut sein, dass die Bauteile die Wiedervereinigung miterlebt haben. Es half alles nichts: Das Zeug musste erstmal sauber gemacht werden. Also erstmal alles in Essig eingelegt und unter beißenden Dämpfen blank geschrubbt. Und das um mittlerweile 1 Uhr nachts. Dann wieder alles mit Wasser nachgespült. Beziehungsweise nachspülen wollen. Dass ich den Haupthahn abgedreht hatte, war mir nämlich mittlerweile völlig entfallen.  Mit aufgedrehtem Haupthahn wäre ich aber binnen Sekunden in meiner Küche ersoffen. Also bin ich zur einzigen „Wasserstelle“ in meiner Wohnung gepilgert, um die Einzelteile wieder vom Essig zu befreien: Zur Klosschüssel. Dann mit einer Zahnbürste die Fugen am Gehäuse des Hahnes gesäubert, damit die Teile hinterher gut aufeinander liegen, und sich keine Zwischenräume bilden, wo mir wieder Wasser hätte entkommen könnte. Dann kurz durchgeschnaut und mein opus betrachtet:

20140417_091201

Natürlich wäre es jetzt viel zu einfach gewesen, wenn das Problem damit erledigt gewesen wäre. Zu früh gefreut! Nach dem ersten Zusammenbau tropfte es nicht mehr. Es schoss. An derselben Stelle spritzte nun ein feiner Strahl munter vor sich hin, wann immer ich den Hahn aufdrehte. Wie ein Wasserbett, das man mit einer Haarnadel malträtiert. Also dieselbe Prozedur nochmal wiederholt. Und nochmal. Und nochmal. Insgesamt sechsmal. Bis drei Uhr in der Früh. Irgendwann war der Übeltäter gefunden. Der Dichtungsring machte seinem Namen keine Ehre mehr. Und noch dazu einen äußerst windigen Eindruck. Ich bin kein Experte, aber wenn das Keramik sein soll, fress ich einen Besen:

20140417_091212

Nachdem ich eine extrem kurze Nacht hatte, bin ich heute morgen gleich zur Hausverwaltung und habe vorsichtig angefragt, was man denn bei solchen – eigentlich – Bagatellen macht, und die hat mir sofort unseren fleißigen Hausmeister geschickt, der genau dieselbe Diagnose stellte (oder wie man im bayerischen Volksmund sagt: Des is a glumb). Da es sich bei der Küche allerdings nicht um die ursprüngliche der Wohnung handelt, darf er aus rechtlichen Gründen nichts dran machen – zumindest nicht während der offiziellen Arbeitszeiten. Aber er hat mir noch ein paar Kniffe gezeigt, wie ich über Ostern die Anlage absolut tropfsicher machen kann und würde mir nach Ostern einen neuen Hahn einbauen. Der kostet nur minimal mehr als eine Dichtung und würde mir das nervige Rumgerenne durch die Baumärkte sparen, um die passende Größe zu finden.

Puh. Ostern gerettet. Und nebenbei auch noch gelernt, wie man einen Wasserhahn auseinandernimmt. Aber auf der anderen Seite mal wieder gesehen, wie absolut hilflos ein Akademiker bei solchen Alltagsbagatellen ist. Oder zumindest ein Herr Mess.

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9 Antworten zu Ozapft is!

  1. KC schreibt:

    Was meinst du, was ich in meiner Wohnung schon alles (versehentlich) auseinandergenommen habe 😀 Beim Badputzen (sic!) hat sich letztes Jahr die Schraube verabschiedet, die den Siphon am Waschbecken hielt. Also hatten wir tagelang eine Schüssel im Badschränkchen stehen, die nach jedem Mal Wasser zapfen ausgeleert werden musste.

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  2. ninaxy3 schreibt:

    Und sowas dann zu nachtschlafender Zeit 😀
    Ich lag gestern auch erstmal was wach und dachte an Tausend Dinge die eigentlich wichtig sind und musste kurzerhand aufstehen und alles aufschreiben, damit ich es heute ja nicht vergesse 😀

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  3. frauhilde schreibt:

    Muhaha, du hast meine volle Anteilnahme. Ich kenn das auch.
    Toll geschrieben. Im Gegensatz (vermutlich) zu dir nachts finden wir das nämlich sehr lustig! :mrgreen:

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  4. Frau Henner frauhenner.blogspot.com schreibt:

    Seit dem wir in ein altes Haus gezogen sind (Ja, es ist wunderschön – aber eben auch schon über hundert Jahre alt), kenne ich dein Problem sehr gut. Momentan werde ich nachts auch ab und zu geweckt. Ein Tier schleicht sich in der Decke über unseren Bett im zweiten Stock entlang und macht da irgend etwas, was ich nicht sehen kann, nur hören! Ich wüsste gerne, wer das ist, und was er macht. Leider müsste man dafür ein Loch in die Decke schlagen… Und wie ich die Handwerker kenne… nein, ich hoffe einfach, dass das eine nette Fledermaus ist, die dort nur schlafen will… einfach nur schlafen…

    schöne Ostern bei deinen Eltern und guts Nächtle!

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    • KC schreibt:

      Ich tippe auf Maus, ohne Fleder, in der Zwischendecke 😀 😀 😀 Den irrsten Sound produzieren die, wenn sie sich kratzen oder im Herbst kleine Vorräte mit Nüssen und som Kram anlegen *seufz* Solange sie in der Wand bleibt und sich nicht ins Zimmer knuspert soll´s mir recht sein. Ist ja nicht mein Haus 😀

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      • Frau Henner frauhenner.blogspot.com schreibt:

        Maus hatten wir schon – klingt anders, aber ganz richtig – auch irre! Gegen die Mäuse halfen Mausefallen. Jetzt bleiben die aber leer. Und die Vögel, die im Dach brüten, fühlen sich auch nicht gestört, was auch gegen Maus spricht… ja wir leben im reinsten Zoo. Fehlt uns nur noch ein tropfender WasserHahn 😉

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  5. Read on schreibt:

    Hilflos? Ich finde sie nähern sich den Dingen extrem professionell, mehr kann man gegen einen Djinn im Wasserhahn gar nicht tun.

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