Das Kind beim Namen nennen

avat_lachenIn ein paar Wochen geht’s wieder los mit dem alljährlichen Einschreiben unserer nächsten fünften Klassen. Im Kollegium macht sich dann eine gewisse Begeisterung breit – nein, nicht wegen der erfüllenden Verantwortung, im nächsten Jahr die kommende Bildungselite Bayerns mitzubegleiten. Zumindest nicht nur… Sondern wegen des grassierenden Wettfiebers, das uns dann befällt. Wie viele Einschreibungen wird es dieses Jahr geben? Wie viele fünfte Klassen? Dieses Fünftis-Lotto hat bei uns Tradition – ganz genauso wie der Brauch der Klasseneinteilung. Die Fünften werden nämlich nicht einfach so zusammengewürfelt, sondern von den jeweiligen Fünftklass-Klassleitern handverlesen zusammengesetzt. Dabei schauen wir immer, dass jeder zu seinem Recht kommt, und auf die Wünsche der Kleinen so gut wie möglich eingegangen wird. Der Eintritt ins Gymnasium ist ja schon stressig genug. Also schauen wir, wen der kleine Caspar gerne in seiner Klasse hätte, wer wen überhaupt nicht leiden kann, wer – wie es in den Übertrittszeugnissen immer so schön heißt – in der Klassengemeinschaft verstärkt Aufmerksamkeit sucht usw. Auf diese Weise kommt man dann auch wieder mit fantastischen Namen in Berührung, mit denen die Kleinen durchs Leben wandeln müssen. So machten wir schon Bekanntschaft mit Amadeus, Jonathan, Corleone, Tillman, Quirinia und neuerdings auch einem Lohengrin. Man merkt den Namen an: Bei uns gibt’s das eine oder andere Bildungsbürger-Kind.  Ist ja auch nicht verwunderlich bei einer Schule, wo die Kleinen Latein als erste Fremdsprache haben…  Da sind so Namen wie die hier tabu.

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25 Antworten zu Das Kind beim Namen nennen

  1. teacheridoo schreibt:

    Ich war ja ganz überrascht: Beim letzten Praktikum an einem sehr (!) renommierten Gymnasium hatte ich, insbesondere hinsichtlich der Namensgebung, das Schlimmste befürchtet.
    Wobei ich fast angenommen hatte, im Praktikum davor – Gymnasium mit Einzugsbereich „Neureich-Hausen“, wenn Du verstehst, was ich meine 😉 – bereits alles Schlimme gehört zu haben.
    Aber erstaunlicherweise hatte ich es durchgängig mit hübschen, bodenständigen und dennoch nicht alltäglich klingenden Namen zu tun. Insgeheim hatte ich „meine“ Klasse als „die Klasse mit den hübschen Namen“ getauft. 🙂

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  2. daslandei schreibt:

    Lohengrin??? Ernsthaft? *umfall* das arme Kind…
    Allerdings fällt mir ein, dass die Eltern von einem Klassenkameraden von mir wohl ein Faible für die Nibelungensage hatten.

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  3. apfelspalte19angel schreibt:

    ich habe dafuer unter meinen SchülerInnen Geschwister die doch wirklich Romeo und Julia heißen!

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  4. frauhilde schreibt:

    Ihr habt ja wirklich ganz „normale“ Namen! (Apropos: Hat Corleone eine weiße Katze? Ich frag nur …)
    Wie schaut’s denn mit Modenamen bei euch aus? Ich krieg nämlich regelmäßig die Krise bei mehr als drei Leons oder Lukassen pro Klasse. Von Maries und Sophies, Lenas, Lauras oder Lenes ganz zu schweigen!

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  5. Frau Henner frauhenner.blogspot.com schreibt:

    Lieber Herr Mess, was bei euch an Ambitionen zu spüren ist – ich bekomme Gänsehaut! – ist bei uns auf andere Art ambitioniert. Namen wie Diego Häberle oder Avery Schmidt sind in fast jeder Klasse zu finden, dafür keine Amadeus‘ oder Quirinias. Aber was mich sehr verwundert an deinem Beitrag: wie bekommt ihr denn die Informationen über die Kinder, oder sucht ihr euch die Kinder rein nach namen zusammen? Bei uns teilt die Schulleitung die Kinder den Klassen zu – einziges Kriterium: Wohnort. Ich sehe die „Engelchen“ dann das erste Mal zum Schnuppernachmittag. Und dann kämpfe ich wie Frau Hilde eher damit, die drei Hannahs und vier Luis zu unterscheiden. Für Lehrer auch schwierig: Lea, Lara, Laura, Lena. Jede heißt anders, aber ich vertausche das trotzdem ständig. Vielleicht wäre ich dann mal ganz froh über eine Ophelia!
    viele Grüße von Frau Henner

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  6. Frau Henner frauhenner.blogspot.com schreibt:

    Die Fotos unter „Chantalismus“ sind super!

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  7. KC schreibt:

    Ich hatte mal ernsthaft ein Kind, das Merlin hieß…absolut zauberhaft-schauderhaft. Sehen die Eltern denn nicht, dass die Kinder mit dem Namen noch mit 70 rumlaufen können müssen bzw. er vielleicht visitenkartentauglich sein sollte…ich mein, wer beauftragt denn Celine Cosma Shiva Meier als Familienanwältin?
    Ich habe ja nichts dagegen, wenn man mittlerweile sagt, okay, der zweite Name, der nicht der Rufname ist, ist unter Umständen international und auch englisch aussprechbar, aber gegebenenfalls auch abkürzbar, vonwegen Globalisierung und so, aber selbst dann kann man doch auch da noch halbwegs was Klassisches finden. Muss ja nicht unbedingt Fitzgerald sein 😀

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  8. Tina schreibt:

    Aber, aber, Herr Mess, was an Jonathan schlimm ist, verstehe ich nun wirklich nicht. Das ist ja mein persönlicher Lieblingsname, also wirklich jetzt *duck* Der Rest ist natürlich nachvollziehbar. 😉

    Ansonsten: Angenehmer als der Chantalismus ist’s alle mal. In einer 8. Klasse bei uns gibt’s Zwillinge, die Justin und Dustin heißen. Auch kein Scherz. 😀 (der eine wurde mal versehentlich aus dem System gelöscht, weil die entsprechende System-Beauftrage dachte, es handle sich um einen Tippfehler, und einer der beiden sei einfach doppelt abgespeichert… 😀 😀 :D)

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  9. Anne schreibt:

    Statt Lohengrin kann ich immerhin Tristan bieten, bildete zusammen mit Timothy und Thomas in einer 7. Klasse die „terrible three T“.
    Neu seit diesem Schuljahr: Namen aus Filmen. Trinity ist schon da, wir warten auf Neo 🙂 – Legolas oder Hermine anyone?
    Hier hat jemand die Namensfindungsmechanismen am Bsp. USA sehr anschaulich aufgedöselt:
    http://waitbutwhy.com/2013/12/how-to-name-baby.html

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  10. KC schreibt:

    Richtig übel wird es allerdings, wenn man Kinder in der Klasse hat, deren Namen zwar gleich geschrieben werden, man sie aber unterschiedlich aussprechen soll, ich hatte mal ungelogen in einem Praktikum zwei Kathleens in einer Klasse, die eine deutsch gesprochen, die andere englisch Oo.
    Oder auch schön, in derselben Klasse Justine und Justin, wieder einmal so gesprochen, einmal so, von Dustin und Dustin gar nicht zu reden.
    Ich frage demnächst als Erstes die Kinder, wie sie ausgesprochen werden und schreibe Lautschrift auf die Klassenliste 😀 😀 😀

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  11. diereferendarin schreibt:

    Der Chantalismus Blog ist der absolute Hammer! 🙂
    Über Namen könnt ich mich auch beömmeln bis zum geht nicht mehr. An meiner Schule sind aber größtenteils normale Namen zu finden, das ist dann schon wieder langweilig.

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