Der große Knall(er) in Latein

avatar„Weist mir nach, dass der Hersteller dieser Feuerwerkskörper keine Ahnung von Latein hat!¨ Der Auftrag für die Oberstufe ist klar. Passend zum Beginn des neuen Kalenderjahres präsentiere ich meinem Kurs stolz meinen neuesten Fund aus der Rubrik ¨Latein – Wer’s nicht kann, soll’s bitte lassen.¨ Gefunden in einem Supermarkt kurz vor Silvester, wo man die Käuferschaft wie immer mit möglichst wohlklingenden Namen zum Kauf von Feuerwerksprodukten lockt. Dieser Hersteller betitelt sein Raketen-Sammelsurium nach antiken Persönlichkeiten. Ein bisschen Zisch mit ¨“Octavian“, ein bisschen BummBumm mit „Hannibal“ und Schnatterideng dank „Caligula“. Soweit so gut, aber der Teufel steckt im Detail. Die Verpackungen sind nämlich allesamt etwas unglücklich gewählt und enthalten in ihrer Darstellung irgendwo Fehler. Fehler, die die Q12 nun herausfinden darf. Und sie sind gut. Sehr gut sogar? Ihr auch? Die Lösungen sind unter der Abbildung weiß gedruckt und erscheinen, wenn man sie markiert…

feuerwerk

Meine Oberstufe fand an folgenden Aspekten Anstoß:

  • Wenn man nach Superlative strebt, soll man nicht zu Oktavian, sondern gleich zu Augustus greifen und sein Feuerwerk so nennen. Es ist zwar dieselbe Person, die auf der Packung abgebildete Büste ist aber definitiv ein Augustus Typus Forbes.
  • Ein Feuerwerk Hannibal zu nennen suggeriert langanhaltendes Leid – denn für die Römer war der gute Feldherr ein rotes Tuch. Die Schlacht von Cannae, bei der er 216 v. Chr. die Römer vernichtend geschlagen hat, war für die Römer für lange Zeit DAS Trauma schlechthin.
  • Zwei Schüler bemerken, dass es sich bei dem Elefanten, der auf der Packung abgebildet ist, um einen indischen Elefanten handelt. Als Karthager – im heutigen Tunesien angesiedelt – verfügte Hannibal über afrikanische Elefanten.
  • Das Caligula-Feuerwerk ist (im wahrsten Sinne des Wortes) der Abschuss. Wer ein bisschen was von antiker Geschichte weiß, kennt diesen Kaiser als Inbegriff eines wahnsinnigen Herrschers. Es gibt nichts, was man ihm nicht nachsagt: Inzest, Folter, Verschwendung, sexuelle Ausschweifungen, Sodomie… Caligula ist all das. Nur eins ist er nicht: Mark Aurel. Den hat man nämlich auf der Packung abgebildet, in der Hoffnung, dass man den Fehler nicht merken würde. Die Abbildung Mark Aurels auf seinem Pferd ist allerdings eines der beliebtesten Standbilder Roms. Jeder, der einmal auf dem Capitolshügel gewesen ist, hat ihm bzw. seiner Kopie in die gütigen Augen geblickt. Von gütigen Augen ist bei den uns bekannten Caligulabüsten nichts zu erkennen. Stattdessen kleine, zusammengekniffene Glubscherle, die scheinbar etwas aushecken.  Total daneben. Mark Aurel, ein waschechter Philosophenkaiser, der dem Stoizismus angehörte, mit Caligula gleichzusetzen ist, als ob man sein Feuerwerk Hitler nennt, aber ein Bild von Ghandhi druntersteckt. Geht gar nicht.

Übrigens: Sollte jemand ähnliche Abbildungen haben, bitte melden! Wir sind auch heute noch viel öfter von der Antike umgeben als wir’s merken. Und die Schüler lieben sowas!

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14 Antworten zu Der große Knall(er) in Latein

  1. Hans schreibt:

    Hmm… schön und gut, aber „Latein“-Fehler (i.e. sprachliche) sind das ja wohl nicht, sondern kultur-historische Ungenauigkeiten. Die einzigen Fehler, die ich jetzt in Bezug zur lateinischen Sprache gefunden hätte:
    * „Phönix“, als typischer griechisch-stämmiger Begriff, wird in Zusammenhang mit Rom gebracht. (Wobei den Latein-Sprechern der Begriff nicht unbekannt gewesen sein wird.)
    * Die SI-konforme Abkürzung für „Sekunde“ (die aus dem Lateinischen ins Deutsche kam) ist „s“ und nicht „Sek.“. (Und zwischen Zahl und dem Gramm-Zeichen sollte ein Leerzeichen, aber wenn „Sek.“ ein Latein-Fehler ist, ist das dann eher ein Griechisch-Fehler.^^)

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  2. KC schreibt:

    Mir fällt noch das Logo von Nero Burning Rom ein…da brennt das Kolosseum, was zu Neros Lebzeiten noch nicht stand…

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  3. diereferendarin schreibt:

    Ich hab auch was Sprachliches gesucht und bekenne mich unwissend. Deine Beobachtungen bzgl. Bild und Titel sind ja der Knaller!

    Übrigens „Nero burning Rom“ bekommt ja eine ganz andere Bedeutung vor dem Hintergrund des Kommentars! Herrlich! Ich liebe so etwas! 😀

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  4. diewiderspenstige schreibt:

    So langsam bin ich immer mehr der Überzeugung, dass – hätte ich einen so motivierten Lateinlehrer gehabt – mir dieses Fach vielleicht evtl. möglicherweise sogar Spaß gemacht hätte 😉

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  5. frauhilde schreibt:

    Vielleicht lässt sich einfach „Hannibal“ als „elefantöses“ Feuerwerk besser verkaufen als, keine Ahnung, Tiberius Gracchus („Hei, ich hab gestern voll die Gracchen abgefeuert“ … Hm …).
    Aber der Sinn erschließt sich mir ohnehin nicht so ganz. Also, Hannibal, der Name ist ja vielen ein Begriff. Aber die beiden anderen? Hätte man nicht Feuerwerk „Caesar“ besser unters Volk bringen können? Oder, wenn schon, dann Feuerwerk „Juvenal“, weil panem et circenses (ich gestehe, dass ich nach-wikien musste, von wem der Ausspruch ist).

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  6. teacheridoo schreibt:

    Ich gestehe, dass ich bei „Hannibal“ ja immer erst mal an jenen mit dem Nachnamen „Lecter“ denken muss. *räusper* Ich stell‘ mich dann mal in die Banausen-Ecke und schäme mich.

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  7. Frau Henner frauhenner.blogspot.com schreibt:

    Lieber Herr Mess,
    nachdem mein letzter Kommentar im Orkus des Netzes verloren gegangen ist, versuche ich es diesmal noch einmal – ich mag solche Spielchen! Leider hatte ich nie das Glück, einen solchen Lateinlehrer zu haben, der etwas Freude in die alte Sprache brachte, geschweigedenn Realitätsbezug!
    Gerne MEHR!

    viele Grüße aus der Provinz von Frau Henner

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  8. Solminore schreibt:

    Bei diesem Thema fällt mir immer das Auto der Marke „Phaeton“ ein. Einen Wagen nach der wohl folgenschwersten Geisterfahrt der Mythologie zu benennen — dazu gehört schon ein gerüttelt Maß an Ignoranz. (Oder boshafter Ironie, wer weiß das schon genau.)

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