Pompeji-Ausstellung

avat_traurigIch persönlich bin eigentlich gar kein sohooo großer Fan von Exkursionen. In der Regel fällt dafür ein ganzer Tag Unterricht aus, den ich über die nächsten Tage ganz verzweifelt versuche wieder nachzuholen. Vor allem in der Oberstufe ein Problem, wo sich jede Stunde, die ausfällt, sofort irgendwo bemerkbar macht. Aber als in den Medien die Pompeji-Ausstellung in der Hypokunsthalle in München angekündigt wurde, habe ich eine Ausnahme gemacht. Der Ausbruch des Vesuvs, der 79 n. Chr. eine ganze Region unter seiner Asche Bild13-230begraben hat, fasziniert jedes Jahr die Schüler von Neuem; egal ob in der fünften Klasse, wenn die Kleinen häppchenweise eine Kinderversion der Katastrophe übersetzen dürfen, oder in der Mittelstufe, wenn man sich durch die Original-Pliniusbriefe arbeitet, der als Augenzeuge das Geschehene in drastische, mitreißende Worte packt. Daher ist auch die achte Klasse, die meine Kollegin und ich für die Reise in die Münchner Innenstadt auserkoren haben, hocherfreut, als wir ihnen die frohe Kunde bringen. Aus einer gewissen Erfahrung heraus schärfen wir ihnen aber noch einmal ein, wie man sich durch eine solche Ausstellung zu bewegen hat: Auf leisesten Katzen-Samt-Pfötchen, wohlerzogen und mit gelehrigen Gesichtsausdruck. Und das haben sie – wie wir in der Ausstellung selber erleben dürfen – super drauf. Als die Führerin unsere Schützlinge durch die Räume führt, ist es mucksmäuschen still. Gebannt lauschen sie den Worten, umringen interessiert das Korkmodell des Hauses des Menander und staunen Bild03-230nicht schlecht, als sie vor dem hervorragend in Szene gesetzten Nymphäum stehen, das mithilfe von Beamern und Lichtinstallationen blitzt und funkelt. Die Ausstellung ist hervorragend ausgestattet und bietet wunderbare Exponate: Schatzschartullen, Vasen, ein Brotlaib, der 79 n. Chr. durch die Hitze verkohlte, Weihinschriften aus nächster Nähe, in denen die Farbreste zu erkennen sind, und sogar die berühmten Lavaleichen, die die Bewohner in ihrem Todeskampf abbilden, sind ausgestellt und machen betreten. Auch die Schüler. Die benehmen sich absolut mustergültig. Kein blöder Kommentar, kein Herumspielen mit dem Handy (die sind Bild11-230ohnehin verboten, weshalb sämtliche Abbildungen hier von der öffentlichen Homepage stammen), bis… tja… bis wir in einen Raum gelangen, in dem eine Arena aufgestellt ist. In der Mitte sind die Ausrüstungsgegenstände von Gladiatoren postiert, die man in einer Gladiatorenschule in Pompeji gefunden hat. Helme, Waffen, Schutzbekleidung – alles ist noch in hervorragendem Zustand, jahrhundertelang unter meterhoher Asche konserviert und so in die Gegenwart gerettet. Die Klasse steht staunend im Kreis. Aber nicht alle. Sieben Leute sind verschwunden, aber gleichwieder leicht zu finden. Man muss nur ihrem Kichern folgen, das hörbar hinter einer Säule hervorkommt. Wir scheuchen die Meute – alles Jungs – wieder zurück zum Rest der Gruppe. Als wir zu zweit dem Ursprung des Kicherns nachgehen wollen, werden wir selber rot. Vor uns steht in einem Glaskasten ein kleines Figürchen knapp 10 cm hoch in Gladiatorenrüstung, mit zwei Messern in der Hand und einem riesigen Phallus zwischen den Beinen. Und damit nicht genug, hat das gute Stück auch noch die Form einer fauchenden Katze. Laut Aushang handelt es sich hierbei um ein Tintinnabulum, eine Art Windspiel, das eine Entmannungsszene darstellen soll. Mit den Schwertern will er sich von seiner bildlich dargestellten wilden libido… äh… „befreien“. Kein Wunder, dass man dieses Ausstellungsstück doch recht abseits im Raum platziert hat. Vom Eingang des Raumes aus ist es eigentlich gar nicht zu sehen. Fast ist es so, als hätten die sieben Jungs irgendwo etwas Obszönes gewittert. So wie Trüffelschweine die kostbaren Pilze 😉 Aber es wird noch besser. Für eines der letzten Exponate hat sich die Museumsleitung für offensive Darstellung entschlossen. Für jedermann sichtbar prangt dieses Stück Kunst direkt neben dem Ausgang und lässt die Hormonspiegel unserer Schützlinge schlagartig in schwindelerregende Höhen steigen:

PanSodomit

Na prima, das hat uns gerade noch gefehlt. Sodomie an einer Ziege. „Endsnice!“ findet der erste Halbstarke. Der Rest der Männerherde brummelt Beifall. Die Mädchen rollen nur mit den Augen. Die Lehrer übrigens auch. Und dann der scheinbare Supergau. Die Führerin bleibt direkt neben diesem Ding stehen und fragt den Satz, der uns das pädagogische Blut in den Adern gefrieren lässt: „Habt ihr zu irgendeinem der Ausstellungsstücke hier abschließend noch eine Frage?“ Mit Grauen verfolgen wir, wie in Slow Motion eine Hand aus der Gruppe nach oben geht. Paul, der Schalk und Anführer der Testosteron-Primaten, meldet sich. Sein Grinsen verheißt nichts Gutes. Und wir haben recht. Unverfroren deutet er auf den Satyrn und meint: „Was soll denn dieses Stück hier darstellen?“ Oh Mann. Aber die Führerin hat mit so einer Frage gerechnet. Entsprechend kontert sie mit einem breiten Grinsen: „Na was soll es denn sein? Ein Satyr, der sich mit einer Ziege vergnügt…“ Paul bleibt angesichts solcher Direktheit der Mund offenstehen. Und damit nicht genug, erklärt die Führerin auch noch im Detail den mythologischen Hintergrund der Gruppe und führt auf diese Weise die Klasse zu einer ganz neuen Erkenntnis: Die Römer waren nicht so spröde, wie man sie sich nach Caesar, Cicero und Konsorten vorgestellt hat. Sehr schön, Frau Führerin. Unsere achte Klasse wird diese Ausstellung noch lange im Gedächtnis behalten. Und wer selber mal vorbeischauen möchte, dem sei hier ein Beitrag vom bayerischen Rundfunk wärmstens empfohlen:

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2 Antworten zu Pompeji-Ausstellung

  1. KC schreibt:

    *glucks* Die anderen Lehrer haben den Latein LK nicht zu Unrecht immer als Pornokurs bezeichnet 😀
    Aber Pompeji- Ausstellung ist super. Ich war seinerzeit in der in Mannheim, die war auch super gemacht…allerdings erinnere ich mich nicht an schweinische Details 😀

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