Love is in the air (und ein bisschen mehr)

avat_shockIm Englischen existiert das Phänomen der sog. Urban Legends. Ein Phänomen, bei dem man einander erzählt, man kenne jemandem, der jemand kenne, dessen Hund eine Katze kenne, die gesehen hat, wie *bitte hier etwas unaussprechlich Abstruses einfügen*. Bei mir in der Kollegstufe hielt sich beispielsweise hartnäckig das Gerücht, dass ein Schüler auf einer Parallelschule im Leistungskurs Religion eine Facharbeit zum Thema ¨Mut¨ abgeben sollte. Das Ergebnis, das er einreichte, bestand aus 22 leeren Seiten mit einem einzigen Satz am Ende: DAS ist Mut. Für diese Ungeheurlichkeit bekam er 15 Punkte, weil der Kursleiter das so originell fand. Ob’s so war, konnten wir nie herausfinden, aber die Mär hielt sich lange im Raum. Immerhin hatte man es gehört von einem Mitkollegiaten, der mit einer Freundin verbandelt war, dessen Cousine einen Bruder hatte, der in eben diesem Reli-Kurs saß. So abstrus das ist, so darf ich hiermit stolz bekannt geben, dass die folgende Geschichte KEINE Urban Legend ist. Denn dieses Mal bin ich Teil davon. Und ich hab das Corpus Delicti hier vor mir auf dem Schreibtisch.
Wir stecken gerade in der neunten Klasse am Ende der Unterrichtseinheit zu Catull. Einem Dichter, dessen ungewöhnlich privaten, emotionalen  und künstlerisch ausgefeilten Gedichte die römische Literatur und ihr Verständnis von Lyrik völlig umgekrempelt hat. In ungekannter Weise schimpft er öffentlich über Politiker, macht sich über Freund und Feind lustig oder lässt den Leser an Liebesglück und ebenso Liebesleid teilhaben – dass er dabei gerne mal ins Obzöne abdriftet, stört ihn nicht. Und die neunte Klasse ebenso wenig, denn für einen Großteil der sexuellen Anspielungen ist diese neunte Klasse (zum Glück!) noch nicht empfänglich und versteht das Beschriebene meistens einfach wortwörtlich. Allerdings verstört Fünfzehnjährige nichts so sehr wie ihnen zu erklären, dass das Wort Spatz, mit dem die Geliebte bei Catull über eine halbe Seite so lieblich gespielt hat, in einer Nebenbedeutung auch Penis heißen kann. Man sieht, sowas schwingt in seinen Gedichten immer mit. Und genau das sollen die Schüler in einem Projekt irgendwie herausarbeiten. Die Aufgabe: Stellt in einer euch angemessenen Form das Verhältnis zu Catull und seiner Angebeteten Lesbia (ja, sie heißt wirklich so, jetzt hört schon zu lachen auf, ihr unreifen Knilche!) Dar. Und so wurde jetzt für eine knappe Woche gebastelt, gemalt, geklebt, sinntragende Zitate auf Plakaten angebracht, um den roten Faden herauszuarbeiten, der dem Betrachter das ständige Auf und Ab des lyrischen liebestrunkenen Ichs vor Augen führt. Gestern dann die große Präsentation. Es sind tolle Sachen geworden. Die großen Kleinen haben sich mächtig ins Zeug gelegt und ernten viel Applaus für ihre tollen Einfälle. Nur einer bleibt die ganze Zeit recht still. Jakob hat sich demonstrativ aus seiner Gruppe ausgeklinkt, weil er das ständige Rumgeklebe und -gemale auf Plakaten etwas albern findet (ich übrigens auch 😉 Natürlich weiß er, dass er am Ende ein wie auch immer geartetes Ergebnis vorzeigen muss, sonst folgt halt leider die Sechs. „Ist mir egal“, meint Jakob, als ich ihn darauf anspreche. ¨Ich hab selbst was gebastelt.¨ Sprach’s und präsentiert das:

phil1

Ist das Kunst?

Die Klasse schaut verdutzt einander an. Eine Woche haben die Leute gearbeitet, teilweise die Nachmittage geopfert, um jetzt etwas Präsentables vorweisen zu können. Und Jakob zieht einen ordinären Papierflieger hervor. Will er provozieren? Ich bin mir selber unsicher, Jakob ist eigentlich nicht als renitenter Schüler bekannt. Ganz im Gegenteil. Im Lateinunterricht gehört er zu den Stars. Sowas sieht ihm so gar nicht ähnlich. Mal schauen, ob da noch mehr kommt. Naja, ich hoffe es zumindest angesichts der verstörten Gesichter und bitte ihn, etwas zu seinem Erzeugnis zu sagen. Jakob holt tief Luft, man merkt ihm, dass ihm die Aufmerksamkeit jetzt doch etwas unangenehm. Aber er fasst sich ein Herz und legt los: „Der Flieger ist rot, weil er die Liebe zwischen Catull und Lesbia symbolisiert. Deswegen auch der Spruch. Wenn man ihn fliegen lässt, bewegt er sich auf und ab und macht eine ähnliche Bewegung wie die Beziehung zwischen den beiden mit allen Höhen und Tiefen, bis die Liebe langsam eine „Bruchlandung“ macht und wie der Papierflieger zu Boden geht und dann stirbt. Die Beziehung ist allerdings nicht durch Liebe geprägt, sondern beständig von Triebhaftigkeit durchsetzt. Das merkt man allerdings erst, wenn man genauer hinsieht.“
Klassenzimmer wird es totenstill. Das ist das i-Tüpfelchen in dieser Präsentation. Oder der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Der Musterschüler, der sich erst der Gruppenarbeit verweigert und jetzt auch noch einen aufgemalten Penis präsentiert. Sicher, das Ergebnis ist mehr als krude, aber der Gedanke dahinter – verzeiht mir – ist schlichtweg genial. Nicht nur, dass Jakob es geschafft hat, die Knappheit der Liebesgedichte, die wir im Unterricht behandelt haben, sinnvoll nachzuahmen. Er hat auch ihre Aussage, ihre Zerrissenheit und ihre latente Anstößigkeit wiedergegeben. Und das in einer Form, die ich bisher noch nie gesehen habe. Das ist nicht einfach irgendeine Schülerarbeit… das ist Kunst. Die Art von moderner Kunst, die dich auf den ersten Blick verstört oder nervt, weil man in der (scheinbar) kruden Ausführung kein Talent, keinen Sinn erkennt… bis man genauer hinsieht. Meine Begeisterung sieht man mir an. Denn die Klasse wartet ganz offensichtlich auf eine andere Reaktion, als man sie mir im Moment im Gesicht ablesen kann. Eine Standpauke an Jakob. Einen Verweis. Gebrüll. Entrüstung, diese Stunde als Plattform für irgendwelche dummen Jungenkritzeleien missbraucht zu haben. Aber ich bin im Moment einfach nur beeindruckt. Beeindruckt darüber, wie ein Fünfzehnjähriger es geschafft hat, mich sprachlos zu machen. Und das mit einem ordinären Papierflieger.
Nach der Stunde kommt Jakob zu mir ans Pult. Wie für ihn üblich, will er nach der Stunde ein Feedback hören, das ihm zeigt, mit welcher Note zu rechnen ist. Ich gebe ihm lächelnd zu verstehen, dass ich noch etwas Zeit brauche, um seine Präsentation zu bewerten. Denn was ich heute gesehen habe, ist mit regulären Noten einfach nicht zu bewerten. Zwischen dem, was der Rest der Klasse präsentiert hat, und Jakobs Auftritt liegen Welten.

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22 Antworten zu Love is in the air (und ein bisschen mehr)

  1. frllehrerin schreibt:

    Wow. Als ich das gelesen habe, war ich selbst ganz sprachlos. Da steckt wirklich ein kleines Genie in diesem Schüler. Mit 15 Jahren auf so eine Idee zu kommen, das ist genial! Kunst, wie du es schon sagtest.
    Das erinnert mich an einen ehemaligen Mitschüler. Er hatte in der Deutsch-Klausur mit der Aufgabe, eine Interpretation zu schreiben, zehn Seiten darüber geschrieben, warum er das Buch nicht interpretieren wird – natürlich mit Bezug zu der im Buch vermittelten Lebenseinstellung des Protagonisten, die genau dazu passte. Er hat 15 Punkte bekommen und war damit ein kleiner Held in unserem Jahrgang.

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  2. Miss Stress schreibt:

    Natürlich ist das eine 1!

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  3. Anne schreibt:

    Aber sowas von Eins!
    Unsere Kunstlehrerin lässt jedes Jahr Schmuck für den Weihnachtsbaum vor der Aula basteln, immer mit bestimmtem Motto und immer irgendwie „schräg“. So mussten einmal Altagsgegenstände verfremdet werden (Ergebnisse u.a. Schneemänner aus Putzschwämmen, Engel aus goldbesprühten Klobürsten….).
    Ein anderes Mal war das Motto „Sterne“, aber wieder bloß nicht ’normal‘, neben benagelten Sektkorken hing auch eine Dollarnote am Baum (stars and stripes). So, und jetzt endlich zur wahren urban legend:
    Einer meiner 12.klässler erzählte mir prustend, dass er den Abgabetermin verschwitzt hatte. Morgens unter der Dusche sei ihm der rettende Gedanke gekommen. Er gab nur den Aufhänger ab und einen Zettel dazu: „Dies ist eine Sternschnuppe. Sie ist leider schon verglüht.“ Und – ganz starkes Prusten – dafür habe er doch glatt eine Eins bekommen!

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  4. KC schreibt:

    Catull hätte deinem Schüler bestimmt auf die Schulter geschlagen und „that`s it!“ gerufen 😀 Aber mal ehrlich, wenn der das mit anderen literarischen Dingen auch kann, sollte er vielleicht anfangen, professionell Lektüreschlüssel zu schreiben oder so. Literatur so einfach zu fassen ist wirklich ein Talent! Sicherlich man hätte den Flieger etwas liebevoller herstellen können ( aber ist ja Latein und nicht Kunst…und dass Lateiner im Malen und Basteln nicht so ganz so treffsicher sind, seh ich jede Woche 🙂 ) und wenn die Aufgabenstellung eigentlich Gruppenarbeit vorsah, müsste man das evtl. auch noch berücksichtigen. Aber warum soll man eine ungewöhnliche Lösung der Aufgabenstellung nicht honorieren? Das ist wie wenn in Mathe einer als einziger einen komplett anderen Lösungsweg hat als die anderen, da kann man ja auch nicht sagen, sorry, aber so hab ich mir das nicht gedacht. Dass er sich unter Umständen den Zorn seiner lange gewerkelt habenden Kollegen zuzieht, mag sein, aber so ist das im Leben. Die einen nehmen ganz viel Anlauf und dann heißt es am Ende “ übergetreten!“ und die anderen springen mit wenig Anlauf Bestleistung.

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  5. diewiderspenstige schreibt:

    DAS ist Kunst 😀
    Ich wünschte, ich wär mal so kreativ in Latein gewesen…

    Was hat er denn jetzt dafür gekriegt?

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  6. frauhilde schreibt:

    Ich find’s großartig!
    Und eigentlich hat er den Kern der Sache ja perfekt getroffen.
    Mich würde auch interessieren, was er dafür bekommen hat.

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  7. teacheridoo schreibt:

    Mmmmh, ich muss gestehen, dass ich mich der allgemeinen Euphorie nur bedingt anschließen kann.
    Und das aus einem Grunde: Mir gefällt die Umsetzung seines Präsentationsobjektes nicht bzw. lässt es in meinen Augen eine angemessene Mühe missen. Sicherlich hat er mit seiner Beschreibung den Nagel auf den Kopf getroffen und äußerst präzise in wenigen Worten erfasst, worum es eigentlich geht. Und schöne Basteleien sind ja auch nicht alles.
    Aber ein klitzekleines bisschen mehr Mühe bei der Ausführung seines Präsentationsobjektes hätte es meines Erachtens sein dürfen, als nur so einen eiligst dahin gefalteten Papierflieger mit Tintenschreibergekrakel drauf, insbesondere angesichts der Anstrengungen, die andere aufgewendet haben (wenn ich das richtig herauslese). Für mich sieht das leider aus, wie kurz vor der Stunde schnell zusammengefrickelt (aber da mag ich ihm Unrecht tun).
    Es wäre mir einen Ticken zu wenig, rein, was die Ausführung betrifft.

    Mich würde die Endnote ebenfalls interessieren und natürlich auch, ob es in der Klasse Diskussionen dazu gab.

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    • herr_mess schreibt:

      Endlich jemand, der mein Dilemma versteht :-)! Die uneingeschränkte Begeisterung kann ich aufgrund der kruden Ausführung nämlich ebenso wenig nicht teilen. Ich muss gestehen, ich hab mich immer noch um eine endgültige Note gedrückt. Ich würde aber wohl eine 2 veranschlagen. Bei einer 1 bricht Krieg aus. Denn die handwerkliche Leistung muss ja auch irgendwie gewürdigt werden… All in favour?

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      • teacheridoo schreibt:

        Und ich hatte schon befürchtet, ich würde gelyncht, weil ich dieses Machwerk nicht zu lobpreisen vermag. 😉

        Ich denke, eine 2 klingt gut. Und lässt sich sicherlich nachvollziehbar erläutern, sowohl für den Schüler selbst als auch seine Klassenkameraden.

        [Der Artikel hat übrigens Erinnerungen an meine Schulzeit geweckt, nur dass mein Lehrer sich nicht in seinem solchen Dilemma befand, da keine Note davon abhing:
        Wir hatten den Auftrag, einen kleinen Text oder Gedicht über unseren Heimatort zu verfassen. Ein Mitschüler – so ein halber Kapeike, nicht der beste Schüler, aber auch kein provokanter Chaot – brachte einen höchst kurzen Vierzeiler dar. Das Ding war inhaltlich echt der Hammer!! Unser Lehrer saß da und äußerte dann amüsiert, dass er sich nicht sicher sei, ob er das jetzt ernst nehmen solle und könne oder ob es das Ergebnis von 5 Minuten Schnellarbeit kurz vor der Stunde war. Er hat dann uns Mitschüler befragt, was wir davon halten. – Ich habe den Mitschüler bzw. sein Werk übrigens vehement verteidigt, weil’s einfach Bombe war. :-)]

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      • KC schreibt:

        Nur darfst du dann den handwerklich perfekten auch keine 1 geben, denn die haben dann ja wiederum die inhaltliche Komponente nicht gut genug herausgearbeitet. Man kann ja auch nicht in einer Klassenarbeit demjenigen eine bessere Note geben,der eine schönere Handschrift hat, aber weniger gute Punkte gebracht hat als der mit der Sauklaue… Erstaunlicherweise neigt man aber immer dazu optisch ansprechenden Dingen bessere Bewertungen zu geben. Ich bin noch nicht ganz sicher, wie ich es machen werde, aber ich glaube, ich werde versuchen, meinen Schülern klar zu machen, dass mich ein materialaufwändiges Projekt nur dann beeindruckt, wenn es auch dem Inhalt damit Rechnung trägt (also im klassisch rhetorischen Sinn: das Verhältnis res-brevitas-perspicuitas- veritas).

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      • teacheridoo schreibt:

        Da fühle ich mich leicht missverstanden, KC. 😉 Um „schön“ oder „nicht schön“ geht es mir weniger, sondern um die Mühe (bzw. offensichtliche Nicht-Mühe), die dahinter steht. Das Präsentationsobjekt ist nichts, in dessen Erstellung mehr als vielleicht eine Viertelstunde gesteckt. (Vergleich dazu der Rest der Klasse, der eine knappe Woche intensiv an den Objekten gearbeitet hat.)

        Inhaltlich gesondert zu bewerten, da spräche für mich nichts gegen. Aber das lässt sich dann ja auch wieder gut begründen.

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      • KC schreibt:

        Jaaa, aber ich störe mich aber grundsätzlich an der Tendenz, dass die Zeitdauer und die Mühe, die bzw. mit der irgendwer an etwas gearbeitet hat, ein qualitatives Merkmal darstellen soll. Das scheint mir nicht der richtige Ansatz.

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      • Miss Stress schreibt:

        Werte KollegInnen, als Anregung für eure angeregte Diskussion darf ich euch dringend diesen Artikel an erregte Herze legen:

        Verzeihen Sie, aber man sieht Ihren Arbeiten nicht wirklich an, dass Sie eine Kunsthochschule besucht haben.
        ….
        Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
        Eine Art kunstvolles Gekritzel, gepaart mit einer nicht so schönen Handschrift.

        Das vernichtende Urteil Ihrer Professoren lautete: zu wenig künstlerisch, zu wenig konzeptionell und vor allem – zu lustig.

        Inzwischen zählen Sie zu den bedeutendsten Künstlern Großbritanniens. Was hat Ihre Kritiker am Ende überzeugt?
        Ich hatte letztes Jahr eine Einzelausstellung in der Hayward Gallery in London, das ist eine der renommiertesten Galerien für zeitgenössische Kunst. Danach konnten sie mich nicht mehr ignorieren. Und jetzt bin ich auch noch für den Turner-Preis ( für jene, die sich nur für Latein und nicht für Kunst interessieren: Der Turner-Preis hat nichts mit Turnen zu tun, das ist einer der renommiertesten Kunstpreise der Welt) nominiert. Ich habe das Gefühl, dass meine Arbeit inzwischen fast zu ernst genommen wird.

        ….
        http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/41103/2/1

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  8. teacheridoo schreibt:

    @KC: Jaein, nicht Zeitdauer, aber Mühe. Meines Erachtens ist das auch eine Vorbereitung aufs spätere Leben, z. B. und insbesondere Berufsleben. Eine fleckige Bewerbungsmappe, die achtlos zusammengerafft wurde, wird sich kaum durchsetzen können. Gleiches gilt für Bewerbungsgespräche, Vorträge, PowerPoint-Präsentationen, etc. Die äußere Hülle wird immer auch mitbewertet, der erste Eindruck zählt, ob man das nun gut findet oder nicht. Die wenigsten Menschen sind so genial, dass man ihnen trotzdem eine Chance gibt.
    Wie will man Schülern vermitteln, dass auch die Angemessenheit der Präsentation zählt, wenn man da nicht konsequent ist und sich stattdessen von inhaltlicher Brillanz hinreißen lässt?

    Ab davon kann ich mir gut vorstellen, wie zukünftig Präsentationsobjekte in dieser Klasse aussehen werden, wenn der Papierflieger mit einer uneingeschränkten 1 bewertet wird.

    Aber klar, da kann man verschiedener Auffassung sein, was ja letztlich auch begrüßenswert ist.

    @Miss_Stress: Es gibt natürlich immer mal wieder diese Ausnahmen, die mit unkonventionellen Ideen zunächst auf Widerstände treffen und später genau damit Erfolg haben. Natürlich wird dann gerne mit dem Zeigefinger auf die einst so verständnislosen Lehrer gezeigt. Aber wie viele von wie vielen sind dies? Der dortige Künstler mit seinem Erfolg ist m. E. eine Ausnahmeerscheinung.

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    • KC schreibt:

      @ teacheridoo Eine Bewerbungsmappe besitzt ja wieder eine ganz andere Spezifität. Deren qualitatives Merkmal ist ja, dass sie ordentlich sein muss.
      Aber im konkreten Fall ist eine gezielte, wenn nicht gar zur Schau gestellte Nachlässigkeit etwas, was sogar der lateinische Text bzw. die Gattung hergibt, da Catull ein ums andere Mal eben auch mit der zur Schau gestellten Nachlässigkeit spielt und sein Werk als „nugae“ ( hingewürfelte Spielereien) bezeichnet, obwohl das bei näherem Hinsehen ganz und gar nicht der Fall ist.
      Und natürlich würde ich den Schülern das auch erklären. Ich würde vielleicht auch nicht soweit gehen, dafür eine 1 zu geben, aber ich würde dafür durchaus dieselbe 2 oder sogar 2+ geben wie den anderen, mit der entsprechenden Begründung des jeweiligen Zuwenig.

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      • teacheridoo schreibt:

        ….das Argument der gezielten Nachlässigkeit wäre aber meines Erachtens nur dann gültig, wenn es vom Schüler selbst vorgebracht worden wäre. Selbst dann wäre ich mir immer noch nicht sicher, ob er das nicht evtl. als Ausrede für seine eher mangelhafte Ausführung benutzt, müsste seine Cleverness (unter Einbezug tieferen Wissens) dann aber einfach anerkennen. 🙂

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  9. gnaddrig schreibt:

    Das Dilemma bei der Benotung kann ich gut verstehen. Die Ausführung wirkt schon sehr lieblos, das ist anscheinend schnell schnell dahingekritzelt und gefaltet. Aber die Idee ist klasse. Manchmal gelingt es jemandem, etwas Komplexes ganz knapp und trocken auf den Punkt zu bringen, kein Wort zuviel und genau ins Schwarze.

    Die Mühe der anderen Gruppen, die Versuche, sich dem Thema auf alle möglichen Arten zu nähern, in allen Ehren, aber der Flieger hat trotz seiner Hingerotztheit etwas von einer Sternstunde.

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  10. Markus schreibt:

    Die Mut-Geschichte kursierte an meiner Schule damals auch,sowohl unter Schülern als auch unter Lehrern… Scheint also weiter verbreitet zu sein. 😉

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  11. Pfiffika schreibt:

    Die Idee und die Allegorie ist klasse, aber die Ausführung mangelhaft, so als ob der Schüler gar nicht an seine eigene Idee/Umsetzung glaubt.
    Und deswegen würde ich für eine 2-3 plädieren.

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  12. sowas macht mich positiv sprachlos 🙂

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  13. tommi schreibt:

    freunde, mir geht dieses benotungsgedöns komplett auf den sack.

    worum gehts in der schule? um die noten oder um bildung von menschen?

    eine woche bastelkurs mit fleißpunkten oder eine woche intensiver geistiger tätigkeit und ein auf den punkt gebrachtes statement, was ist mehr wert?

    wenn ich mir hier die bandbreite der benotungsvorschläge ansehe und die z.t. ziemlich schrägen vögel in unserem kollegium, denen ich die geistige kapazität abspreche, diese schülerleisung überhaupt zu erfassen, die hätten eine glatte sechs dafür gegeben, wegen frechheit, faulheit und fassungslosigkeit. und der penis hätte noch einen verschärften verweis extra gegeben.

    wegen mangelhafter ausführung? wenn ich das schon höre! auf die lehrer kommt es an, textet die zeit heute mal wieder. das bildungsversagen unserer schüler ist also unser versagen. dem kann ich nur zustimmen!

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