In Teufels Küche

avat_lachen¨Was für eine Drecksau war DAS denn schon wieder!?¨ Die Kollegin ist für ihre schwäbischen Verhältnisse hörbar enerviert. Mit hochrotem Kopf und einer mehrfach gerümpften Nase stürmt sie das Lehrerzimmer entlang, deutet energisch in Richtung Teeküche. Die ersten Neugierigen begeben sich auf die Pirsch, um zu sehen, was die Kollegin so in Rage gebracht hat. Der Grund ist schnell gefunden. Irgendjemand hat die trockenen Ecken seines Scheibenkäses abgeschnitten und einfach in die Spüle geschmissen. Wie abgehobelte Hornhaut liegen die Flocken auf dem weißen Keramik. Die Kollegin hat recht. Das hier IST eine Sauerei. Aber in unserer Küche leider nicht die einzige.
Das liegt vor allem an der Bevölkerung unserer kleinen Ruheoase. Da sind die Single-Männer, die sich in der Frühe nur ihren Kaffee holen und damit den Tag überdauern, die Mamis, die für Ordnung sorgen und brav alles aufräumen, was liegen geblieben ist – tja und dann auch die Paschas und Hotel-Mama-Bewohner, die ihr Zeug einfach stehen lassen. Den Bierkasten zum Beispiel, der einfach am letzten Schultag geleert wurde und dort sechs Wochen stand, bis sich die Fruchtfliegen darin angesiedelt hatten. Oder den benutzten Teller, den man einfach oben auf die Spülmaschine stellt anstatt hinein. Oder eben die Käserinde, die man am besten in die Spüle schmeißt. Denn für den Abfalleimer müsste man sich ja hinterbeugen und die Türe öffnen. Auch ganz besonders beliebt ist unser Kollege, der sich regelmäßig einen Espresso macht – und zu faul ist, die Abtropfschale auszuleeren. Stattdessen legt er einfach ein Küchenpapier unter und wartet, bis das Ding braun gefärbt ist und aussieht wie eine benutzte Babywindel. Was aus dem Kaffeewasser geworden ist, das seit September in der Abtropfschale darunter vor sich hingammelt, muss ich wohl keinem erzählen.

20131127_115425

Kaffeemaschine-Säubern Macho-Style…

Dieses Chaos erinnert den Außenstehenden an eine Küche in einer typischen Großraum-WG.  Daran ist auch das Interieur nicht ganz unschuldig. Dank der eigenwilligen Blümchen-Maserung der Arbeitsflächen verströmt der Raum wohl seit dem Jahre 1971 den Charme von Pril-Blumen, den man in Studentenbuden gerne antrifft. Dort würde man wohl auch ähnliches Geschirr antreffen wie bei uns: Denn unsere Küchenschränke sind randvoll mit Tellern und Gläsern, die schlichtweg nicht zusammenpassen. Hunderte von Plastiktellern und Keramikbechern aus den letzten Jahrzehnten, von mehreren Lehrergenerationen benutzt. Alles ist da: die zierliche, gut-bürgerliche Kaffeetasse aus den 50ern, die berühmten Becher mit Hahn, dann die 80er-Relikte, auf denen ¨Liebe ist…¨ drauf gedruckt ist, Diddl-Mäuse aus den 90ern… Die Zeitreise nimmt kein Ende. Und hinten im Eck thront über allem DIE Couch. Ein Abschiedsgeschenk von unserem Kollegen, der letztes Jahr in Pension gegangen ist. Made in 1989. Und so sieht sie auch aus. Der Stoff ist farblich irgendwo zwischen grünem Apfel und Auswurf angesiedelt und in knalligen Quadraten, Dreiecken und Kreisen geschmückt. Eine Fashion-Reminiszenz an Formel Eins und Ronnys Popshow. Lediglich ohne Primaten. Naja, fast. Immerhin lümmeln sich diverse männliche Vertreter der Spezies homo sapiens regelmäßig darauf. Inklusive mir. Den Frauen ist die Couch nämlich etwas zu suspekt und abgewetzt…

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Alltag veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

15 Antworten zu In Teufels Küche

  1. Bob Blume schreibt:

    Das kommt mir nicht bekannt vor. Nein! Kommt es nicht! (Irgendwann müsste mal jemand die Liste abhängen, auf der stehen sollte, wer wann die Kaffeemaschine gereinigt hat und deren Papier nach altem Shakespeare-Manuskript aussieht.)

    Gefällt mir

  2. ixsi schreibt:

    Natürlich bleiben auch die Pads solange in der Kaffeemaschine, bis der nächste dran will. Manchmal frage ich mich schon, wie sich diese Kollegen zu Hause in der Küche verhalten…

    Gefällt mir

    • frauhilde schreibt:

      Oder der leere Bohnenbehälter wird nicht nachgefüllt, so dass der nächste Kollege, der nicht genau hinschaut, braunes Wasser trinken muss.

      Sehr beliebt ist auch das Ignorieren der Spülmaschine. Wir haben zwar ein Schild (laminiert; man ist ja Lehrer), auf dem „sauber“ steht. Das wird dann in die Tür der durchgelaufenen SpüMa geklemmt – aber fürs Ausräumen fühlt sich dann wieder keiner zuständig.

      Gefällt mir

      • herr_mess schreibt:

        Wir haben auf der Spülmaschine das ebenfalls laminierte Schild „gebrauchtes Geschirr bitte IN die Spülmaschine räumen“. Die Leute stellen die Tassen einfach aufs Schild, um die mahnende Nachricht nicht lesen zu müssen. Aus den Augen, aus dem Sinn 😉 Eigentlich schlimm…

        Gefällt mir

      • frauhilde schreibt:

        Das ist wirklich … Ich mein, das Geschirr ein paar Zentimeter weiter runterschieben, dann wäre das Problem gelöst.
        Ob denen daheim Mama/ Papa/ Frauchen/ Herrchen alles abnimmt?

        Das sind vermutlich auch die Kollegen, die sich völlig ungeniert bedienen, wenn man mal ein paar Kekse auf den Tisch vor sich gestellt hat …

        Gefällt mir

  3. KC schreibt:

    Ist doch überall dasselbe. Ich weiß allerdings nicht, warum manche Leute so blödsinnige Marotten haben. Davon mal ab, Tassen mit der Öffnung nach oben in der Spülmaschine und Brotmesser,die den Spülarm blockieren im Besteckkorb sind auch sehr beliebt.

    Gefällt mir

  4. Miss Stress schreibt:

    Und unsere Schüler werden bei ähnlichem Verhalten zu Strafarbeiten verdonnert. 😦

    Diese Tassensammlungen gibt es tatsächlich überall. Eine Augenweide! 🙂

    Gefällt mir

  5. teacheridoo schreibt:

    Es ist faszinierend, oder? Gemeinhin denkt (irrt…) man ja, man befände sich zwischen Erwachsenen. …es ist aber in so ziemlich jeder Gemeinschaftsküche (ob nun Lehrer- oder sonstige Kollegien) dasselbe Leid. Das ewige Gekabbel kenne ich noch aus Berufszeiten.

    (Den Vogel abgeschossen hat’s ja für mich persönlich an einer Schule, an der doch tatsächlich der Hausmeister morgens das Ausräumen des Geschirrspülers übernahm. …leider schafften es die Kollegen nicht mal, diesen Service insofern zu würdigen, als dass sie ihr benutztes Geschirr dann wenigstens bis zur Maschine gebracht hätten (rein stellen erwartet man ja schon gar nicht mehr). Geschirr stand kreuz und quer im Lehrerzimmer verteilt.
    …dafür, dass ich mein benutztes Geschirr noch am Tag der Nutzung nicht nur bis zur Maschine brachte, sondern sogar hineinräumte, erntete ich irritierte Blicke und ein Lob. …was ja auch schon wieder einiges aussagt.
    Gibt natürlich überall solche und solche, aber die überwiegende Mehrheit legt diesbezüglich ein erschreckend infantiles Verhalten an den Tag.

    Gefällt mir

  6. Anne schreibt:

    Wir haben seit einem Jahr einen „Putzteufel“, eine Art „Wanderpokal“, der nach Wochenplan von LehrerZimmerTischGruppe (= 6-8 Leute) zu LZTG wandert. Klappt mal besser, mal schlechter, aber zumindest fühlen sich nicht immer nur die selben drei verantwortlich und man weiß, über wen man in dieser Woche schimpfen kann 😉
    Wer’s nachbauen will: leuchtfarbige Postkarte vorn mit Teufelchen-Bild, hinten mit Liste*, was alles gemacht werden muss, bedrucken. Laminieren, in Visitenkartenhalter klemmen (so ein Drahtdings mit Ständer unten und Wäscheklammer oben) und auf den Nachbartisch stellen.
    * Ja, da steht auch „Abtropfschale leeren“…

    Gefällt mir

Quid sentis?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s