Mehr Bildung auf den/-m Tisch!

avat_schielen_technikAch, irgendwie merkt man, dass meine Wirkungsstätte von humanistischer Bildung gesegnet ist. Man sieht’s an der Büstengalerie unserer Schule, wo uns Plato, Aristoteles und Cicero tagtäglich argwöhnisch begutachten. Oder an den lateinischen Sprüchen am Schulgebäude. Oder an den Schiefertafeln, die mit Ausdrücken wie φύσις, λόγος oder dem Άνθρωπος πολύτρoπoς
 noch von den Ergebnissen der letzten Griechischstunde künden. Aber man merkt es auch an unserem Schulmobiliar, das – wie ja bekannt ist – mindestens ebenso antik ist. Anders ist es nicht zu erklären, dass ich auf einem ganz besonderen Exemplar folgende altbekannte Verse ausfindig machen konnte:

cruor

Na, wer erkennt’s?

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14 Antworten zu Mehr Bildung auf den/-m Tisch!

  1. quizzymuc schreibt:

    Ich bin gespannt auf die Übersetzung … 5. und 6. Klasse Latein reichen dafür leider nicht 😦
    Herzliche Grüße
    Renate

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    • herr_mess schreibt:

      Übersetzung (Achtung, erst ab 18!)
      Blut spritzt hoch empor, nicht anders, als wenn ein Rohr, bei dem das Blei beschädigt worden ist, platzt und wenn es zischend aus dem schmalen Riss einen langen Wasserstrahl herausspritzen lässt und in Stößen die Luft durchbricht.

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  2. KC schreibt:

    Eigenwillige Mischung, oder? Ovid, französische Grammatik und Mühle?! 😀

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    • herr_mess schreibt:

      Da soll keiner sagen, unser Schulsystem wäre nicht umfangreich. Ist doch für jeden was dabei: alte Sprachen, neue Sprachen und was zur Zerstreuung. Nur die französische Grammatik sehe ich nicht. Es sei denn, den Aorist gibt’s auch chez les Francais.

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  3. frlfritz schreibt:

    Ist das nicht aus Pyramus und Thisbe (Ovids Metamorphosen)? Ich vermute das jetzt einfach mal, denn dann ist das die beste Stelle in der gesamten Geschichte, weil sie so absurd beschrieben wird. Gerade die Beschreibung „cum vitiato fistula plumbo scinditur et tenui stridente foramine longas eiaculatur“ bleibt einem anscheinend auch als Schüler in Erinnerung. Für die Nicht-Lateiner: Pyramus begeht Selbstmord (Liebe und so), indem er sich sein Schwert in den Bauch rammt und Ovid beschreibt, dass das aussieht, als würde Wasser aus einem kaputten Bleirohr sprudeln 🙂 Absurd. Bricht die ganze dramatische/romantische Stimmung und ist vermutlich deshalb in mein Gedächtnis (und anscheinend auch in das des Schülers/der Schülerin) eingebrannt. Oder aber ich blamiere mich jetzt gerade ganz schrecklich und das ist gar nicht aus Pyramus und Thisbe… das wäre arg peinlich.

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    • herr_mess schreibt:

      Wow, jetzt bin ich aber wirklich beeindruckt! Ist genau die Stelle. Hat scheinbar nicht nur bei Dir Eindruck geschunden, sondern auch bei dem Autor der Tischkritzelei. Dieser Vergleich ist tatsächlich unpassend. Wer Latein studiert, wird irgendwann merken, dass solche Brechungen bei Ovid absichtlich eine Stimmung kaputt schlagen. Man erwartet in einer an sich schon tragischen Stimmung einer Szene eine Steigerung, und plötzlich reißt irgendetwas Unerwartetes den Leser aus der Stimmung raus. Wenn zum Beispiel später der arme Orpheus zu seiner Eurydike in die Unterwelt hinabsteigt, sind die Verse vom Rhythmus her alles andere als traurig-schleppend. Es ist metrisch gesehen fast wie ein Hinabhüpfen, mit vielen Daktylen. Heute sieht man genau solche Brechungen als Beweis, dass es Ovid mit seinen Verwandlungen oftmals nicht so bierernst meint, wie wir es immer annehmen.

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      • KC schreibt:

        Der Frage könnte man mal nachgehen, ob Ovid nicht im Grunde auch ein Satiriker ist und er lediglich rezeptionsgeschichtlich in die falsche Schublade geraten ist, weil irgendwer den Text nur in der Grunddimension gelesen hat.

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      • frlfritz schreibt:

        Ovid hat das mit den Gattungskonventionen auf jeden Fall nicht immer soo wahnsinnig ernst genommen und gerne damit gespielt. Die Stelle aus Pyramus und Thisbe ist wohl die beste Möglichkeit, das auch mal Schülern zu zeigen (obwohl die Texte ja auch gerne mal sehr ernst nehmen … 😉 ).

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        • herr_mess schreibt:

          Absolut. Sogar, wenn die Werke einen scheinbar ernsten Sinn haben, stellt man sich teilweise die Frage, ob er die Leser auf den Arm nehmen will. War das nicht in den Tristien, wo er über sein Exil klagt und behauptet, es sei so kalt, dass die Bewohner bei der Fischjagd einfach warten, bis die Tiere im Wasser einfrieren und man sie dann mitsamt Eisblock aus dem Wasser sägt?

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      • frlfritz schreibt:

        Ich habe die Tristien leider bisher nur in kleinen Auszügen gelesen, aber könnte gut sein. Da kommt doch auch immer dieser Topos „In-der-Fremde-ist-alles-ganz-merkwürdig-anders“ vor, wie bei Caesar mit den Elchen, die keine Kniegelenke haben.
        Ich bin mir nur nicht sicher, ob Ovid da nicht einfach eine Gattungsmischung zwischen Mirabilien- und Exilliteratur macht. Vielleicht ist es einfach eine Mischung aus Witz und literarischer Finesse.

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  4. Bibliothekswesen schreibt:

    Warum bloß lässt mich das an Shakespeares Sommernachtstraum denken? Und das Stück im Stück … 😉 „Pyramus et Thisbe, iuvenum pulcherrimus alter …“

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  5. Solminore schreibt:

    Eine meiner Lieblingsstellen in den Metamorphosen ist die Reaktion des Inachos‘ auf die Verwandlung seiner Tochter in eine Kuh, wo der Vater darüber klagt, nun müsse er sich als Schwiegersohn einen Stier für sie suchen (sinngemäß). Sehr schön auch, wo Ovid (in der Ars) Pasiphae rasend vor Eifersucht werden läßt — auf junge Kühe, die sie als Nebenbuhlerinnen auffaßt. Ovids Trick ist oft, irrwitzige Schlüsse aus einer an sich tragischen Situation zu ziehen. Da weiß man dann oft nicht, soll man lachen oder weinen? Das macht für mich den besonderen Reiz dieses Dichters aus.

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    • herr_mess schreibt:

      Ovid ist viel zu lange viel zu bierernst interpretiert worden. Diese Brechungen machen es immer so reizvoll. Es gibt in den Metamorphosen ein Gerangel unter Göttern, das so beschrieben wird, als sei es eine gigantische Tortenschlacht. Ständig fliegen Essensgegenstände durch die Luft. Mit diesem Hintergrund kann man natürlich auch die Frage stellen, wie ernst es Ovid auch mit den Bittbriefen an Kaiser Augustus gemeint hat, nachdem er verbannt worden war. Am Ende wollte er sich einfach über den Kaiser lustig machen…

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