Alles auf Null

avat_freuEs kribbelt wieder. Und das schon seit Wochen. Jeder aus meinem Umfeld, den ich das ganze Jahr über mit Anekdoten und Klagen aus dem Lehreralltag belästige, hält mich für völlig bekloppt, wenn ich verlauten lasse, dass ich nach 3 Wochen Sommerferien wieder beginne, die Schule zu vermissen. Selbst während meines USA-Urlaubs, wo sich des Nachtens die meisten Urlauber ihre Eindrücke von Grand Canyon und Monument Valley im Reich der Träume verarbeiten, denke ich daran, wie ich mein W-Seminar in Englisch aufziehe, wie sich mein Tablet weiter sinnvoll im Unterricht nutzen lässt, oder wie meine Prezi-Präsentation für meine Oberstufe in Latein aussehen könnte. Ich bin so ein Streber!
Auch sonst habe ich meine Hausaufgaben erledigt: Meine Literatur für mein Gothic Novel-Seminar in Englisch habe ich exzerpiert, interessante Artikel, die ich zum späteren Lesen in Evernote abgespeichert hatte, durchgearbeitet und so einige Denkanstöße bekommen, die ich im nächsten Schuljahr gleich umsetzen werde. Sogar meine Klassen habe ich schon erfragt. Interessant: So wie’s aussieht, bekomme ich dieses Jahr keine einzige Mittelstufe. Fluch und Segen zugleich. Denn so anstrengend pubertierende Jugendliche sein könnenso unterhaltsam sind sie, wenn man erst einmal zu ihnen durchgedrungen ist. Nach dem letzten anstrengenden Schuljahr ist das aber vielleicht gar nicht mal so schlecht, in dieser Hinsicht etwas zur Ruhe zu kommen. Dafür bekomme ich wieder eine Fünfte in Latein, die ich immer super zum Unterrichten finde. Ich liebe diese ersten Wochen, in denen sich die Kinder so fühlen, als habe man ihnen mit Latein einen Universal-Schlüssel in eine zauberhafte Welt übergeben, zu der nur wenige Zutritt haben (was ja eigentlich auch stimmt). Mit großen Kulleraugen nehmen sie dann die Details zur römischen Kultur auf, die für mich als Lehrer mittlerweile ganz normal geworden sind: Sie sind schockiert über die unwürdige Behandlung von Sklaven, bestürzt von den Lavaleichen des Vesuvausbruchs, begeistert von dem Moment, in dem sie endlich Ich-Formen im Lateinischen bilden können, um Mama und Papa zu beeindrucken. In diesen Momenten liebe ich den Beruf sogar noch ein bisschen mehr.
In diesem Sinne: Auf ein Neues!

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8 Antworten zu Alles auf Null

  1. teacheridoo schreibt:

    Ach, toll. ❤ Das liest sich so schön, so voller Begeisterung und Enthusiasmus. Da hat wirklich jemand seinen Traumberuf gefunden, mh?
    Kann man mit Prezi eigentlich wirklich Präsis erstellen, die keine Zumutung sind? Ich frage das ganz ernsthaft. Denn was ich da bisher an Machwerken irgendwelcher Studenten "bestaunen" ("ertragen" träfe es eher) durfte, war…nunja, zweifelhaft. Da wurde aber natürlich auch alles ausgepackt, was ging. …vielleicht sollte ich meinen Prezi-Account mal reaktivieren und mich doch etwas mehr damit befassen. Auf den ersten und zweiten Blick jedenfalls schreckte mich Prezi unglaublich ab.

    Literatur exzerpieren. Vorbildlich. Aber auch notwendig. (Oh Himmel, jetzt graust es mir gerade erheblich vor dem kommenden Praktikum.)

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    • herr_mess schreibt:

      Ich arbeite mich gerade in Prezi noch ein. Das Handling ist ganz intuitiv, aber das ständige Rumzoomen ist vermutlich nicht jedermanns Sache. Ich benutze es ja nicht jeden Tag, aber fürs eine oder andere Zuckerl ist es eigentlich ganz nett. Vor allem kann ich die Präsentation über die Jahre immer weiter verfeinern. Ist ja alles cloud-gespeichert. Yeah!

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  2. KC schreibt:

    Ich würd’s ja eher so sehen: Wer seinen Job mag, darf ihn auch vermissen, alles andere wäre ja auch irgendwie kontraproduktiv 😀
    Fünftklässler 🙂 Ja, die sind voll toll, wenn man im Unterricht aufpassen muss, dass man nicht über sie fällt, weil sie einem das Schulheft hinterhertragen, damit man nachguckt, ob sie alles richtig gemacht haben, sie dann ihre Was-ist-Was?-Sammlung oder ihre Playmobilrömer anschleppen und noch so motiviert sind Latein zu machen und manche von denen noch so niedlich sind, dass man sie am liebsten klauen möchte oder zumindest erwägt, dass dringend ein eigenes Kind her muss (das hält dann bis zur nächsten Stunde Mittelstufe:-D)
    Ich zähle aber auch schon die Tage, bis die Uni wieder anfängt und ich wieder meiner die Lehre unterstützenden Tätigkeit nachgehen kann 🙂

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  3. quizzymuc schreibt:

    Sollte es einer meiner drei – ab Mitte November sogar vier! – Stiefenkel es schaffen, das Gymnasium zu besuchen (am Montag kommt der älteste in den Kindergarten), werde ich all meinen Einfluss geltend machen, dass sie mit Latein als 1. Fremdsprache anfangen. Nur so kapieren sie die Grammatik auch im Deutschen und in den anderen Fremdsprachen, aber bis dahin fließt noch viel Wasser die Isar runter 😉
    Liebe Grüße
    Renate

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    • diewiderspenstige schreibt:

      Lieber die Kinder selbst entscheiden lassen – sonst darf man sich sechs Jahre später nur dauerhaft ein „DU hast gesagt, ich soll das wählen, ich wollte das niiiie!“ anhören 😉

      Ach seufz, ich wünsche, ich hätte so einen tollen Lateinlehrer in der sechsten Klasse gehabt. Bei uns gab´s Tränen statt erstaunten Kulleraugen und die meisten hatten regelrecht Angst vor jeder Lateinstunde…

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  4. quizzymuc schreibt:

    Das doppelte „es“ ist ein Geschenk für den hochmotivierten Lehrer, ich wünsch dir von Herzen, dass es so bleibt! 😀

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