Unterricht 2.0: Vorläufiges Setup 2012/13

avat_schielen_technikIch hatte ja vor sechs Wochen, exakt zum Ende der bayerischen Pfingstferien versprochen, bis zum Ende des Jahres probeweise auf Unterrichten mit dem Tablet umzusteigen und auszuprobieren, wie ich damit zurecht komme. Nachdem jetzt ein paar Wochen ins Land gezogen sind, kann ich alles in allem schon eine gewisse Bilanz ziehen.

Was sich geändert hat:

  • Das eine oder andere technische Problem galt es zu überwinden.
  • Um das Tablet auch flexibel nutzen zu können, ist ein HDMI-Adapter fürs HTC Flyer mein ständiger Begleiter geworden. Von den sechs Wochen in meiner Schultasche ist die Packung schon fürchterlich verschlissen, dafür ist der Inhalt intakt. Und darauf kommt’s an.
  • Trotz Zusatzadapters ist meine Tasche spürbar leichter geworden. Das liegt vor allem daran, dass ich Bücher nicht mehr komplett in der Gegend rumschleppen muss. Relevante Buchseiten werden eingescannt, an eine Evernote-Notiz drangehängt und mit in den Unterricht genommen.
  • Da ich mein Referendariat wirklich ernst genommen habe, beginnt bei mir keine Stunde ohne einen Einstieg. Meistens mithilfe einer Folie. Für die Hinführung auf ein Grammatikphänomen oftmals auch eine Folie, dann eine Folie, um das Arbeitsblatt, das den Schülern gegeben wird, auf dem OHP auszufüllen, in der nächsten Stunde eine selbstgemachte Übung – natürlich auf… you get the idea. Fakt ist: Im Schnitt mussten für JEDE EINZELNE Unterrichtsstunde mindestens zwei Folien dran glauben. Das hochgerechnet auf 24 Wochenstunden mal vier Wochen ergibt summa summarum eine sagenhaft furchtbare Menge von 192 Folien, die im Monat früher bei mir drauf gegangen sind! Jetzt mit dem Tablet bekommen die Schüler die Kopien auf Papier, die Folie wird als PDF auf dem Tablet ausgefüllt. Bilanz des Junis, in dem das Tablet die Herrschaft im Unterricht übernahm: Sieben Folien. Für den gesamten Monat. I rest my case.

Benutzte Programm und Apps:

  • Evernote: Dieses mächtige Tool ist IDEAL für den Unterricht. Nach meinen ersten Schritten sieht meine vorläufige Konfiguration so aus: Meine Fächer haben jeweils ein Notizbuch mit zahlreichen Unternotizbüchern. So hat das Notizbuch „Latein“ die Unterkapitel „Latein_05“, „Latein_06“, „Latein_07“ etc. Desweiteren habe ich ein Notizbuch mit dem wohlklingenden Namen „Templates“ erstellt, in dem ich Blanko-Vorlagen für meine Stundenverläufe erstellt habe. Und – für den Unterricht selber wichtig – das Notizbuch „Unterricht heute“. Eine Unterrichtsstunde wird regulär folgendermaßen bei mir vorbereitet: Eine Blankovorlage wird aus dem Verzeichnis „Templates“ in die jeweilige Klasse kopiert (z.B. „Latein_06“) und mit Datum und einer Zahl versehen, damit ich die Stunden hinterher in der richtigen Ablaufreihenfolge habe. Wer noch akkurater sein kann, kann die Stunde mithilfe von Schlagwörtern eindeutig identifizierbar machen. Der Stundenverlauf wird mit Inhalt, Leitfragen, Tafelbildern etc. aufgefüllt. Sollten für die Stunde Materialien anfallen (z.B. Bilder, Arbeitsblätter), werden diese einfach ans Ende des Stundenentwurfs angehängt. Ist die Stunde komplett, kopiere ich sie in das Verzeichnis „Unterricht heute“. Dieses Verzeichnis ist auf meinem Tablet als privates Verzeichnis konfiguriert und synchronisiert sich selbstständig sämtliche dort hinkopierte Stunden auf den Speicher. Auf diese Weise hab ich immer die Stunden dabei, die ich wirklich brauche und muss nicht Gigabyte-weise Daten hin- und herschaufeln. Während der Stunden müssen die Zusatzmaterialien in der Notiz nur noch angetippt werden, und schon öffnen sie sich selbstständig mit dem entsprechenden Programm. Tada!
  • Lecture Notes: Benutze ich für Notizen während des Unterrichts. Wer das nächste Mal die Hausaufgabe herzeigen muss, wessen Schulaufgabe noch fehlt, wessen Mutter demnächst mit einem netten Anruf von mir belohnt wird. Was ich früher auf irgendeinen Zettel, in irgendein Buch oder gleich auf die Hand notierte, kommt jetzt in ein „Klassenbuch“ in Lecture Notes, das mit dem jeweiligen Namen der Klasse versehen ist. Da find ich’s auf jeden Fall.
  • ezPDF: Nicht das perfekte Tool zur handschriftlichen PDF-Annotation, aber im Moment wirklich das, was meiner Vorstellung am nächsten kommt. Die App öffnet fix, zoomt stufenlos selbst in minutiöse Gefilde, verfügt über Palm Rejection und bietet eine Vielzahl von Optionen beim Schreiben – angefangen von der Stiftdicke, hin zur Farbe und zum Schreibmodus. Einziges Manko: Die gesamte Bedienung funktioniert über das Antippen von einzelnen Menüs. Die Buttons auf dem Stylus werden hingegen hardwaremäßig überhaupt nicht unterstützt. Vielleicht wird ein Update das irgendwann mal ändern. Ich würd’s mir wünschen… Hier übrigens ein längerer Test zur App. 
  • Dropbox und Dropsync: Für das aktuelle P-Seminar haben wir eine Dropbox installiert, auf der alle relevanten Dateien Platz finden, die im Laufe des Seminars untereinander ausgetauscht werden. Ist relativ unkompliziert und sicher. Auch für Lecture Notes ist Dropbox recht hilfreich, weil mithilfe von Dropsync all meine Aufzeichnungen, die ich in die Notizbücher mit Lecture Notes mache, automatisch synchronisiert und dort in einem eigenen Verzeichnis abgelegt werden.

Das sind die Apps, mit denen ich wirklich regelmäßig arbeite. Natürlich gibt’s die eine oder andere Spielerei, die sich für bestimmte Methoden super eignet. Die werde ich aber über die nächste Zeit im Einzelnen vorstellen.

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7 Antworten zu Unterricht 2.0: Vorläufiges Setup 2012/13

  1. Justus schreibt:

    Gute Berichterstattung, die ich so blind unterschreiben kann. Nutze selber Evernote und arbeite mich gerade jetzt in den Ferien in die Tiefe der Macht vor.

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  2. KC schreibt:

    Das hört sich ja so an, als ob sich so ein Tablet ziemlich bald rechnet. Wenn ich mir überlege, dass ich neulich für ein albernes Päckchen mit 20 Laserdrucker-OHP-Folien 14 Euro bezahlt habe, ganz zu schweigen von den Folienstiften, die auch nicht gerade ein Schnäppchen sind und man dann ständig schwarze Finger hat, weil man was auf der Folie ausbessern musste.

    Und ganz ehrlich, ich freu mich auch, wenn dieses ganze eklige Kreidezubehör endlich auch aus den Klassenräumen raus ist. Mich wundert sowieso, dass noch keiner wegen dieser ekelhaften Tafelschwämme mal das Gesundheitsamt auf den Plan gerufen hat, so wie die teilweise stinken (weil ja auch ab und an Cola-Seen u. Ä. damit beseitigt werden) und nach dem Turnus, in dem die mal gewechselt werden…also nein…

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    • herr_mess schreibt:

      Probier’s einfach mal aus. Es ist am Anfang mit etwas Eingewöhnung verbunden, aber dann geht’s wirklich intuitiv und leicht von der Hand. Und meine blau-grün-roten Fingerkuppen, die ich mir durch die Folienstifte eingehandelt habe, vermisse ich keine Sekunde! 🙂

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  3. Fabian schreibt:

    Spannender Ansatz,
    Frage mich nur,
    – wie das mit den Schülernamen und den bayerischen Datenschutzbestimmungen vereinbar ist
    – und was man macht, wenn Evernote mal Pleite geht, wie man die Daten aus evernote herausbekommt, wenn man den Anbieter wechseln möchte, etc..

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    • herr_mess schreibt:

      In Evernote selber kommen gar keine Namen vor, vor allem keine Nachnamen. Und die Lecture Notes-Notizbücher, in die ich handschriftlich was reinschreibe, sind von den Synchronisierungsprozessen durch Dropsync ausgeschlossen. Die Namen bleiben also auf meinem Tablet und nirgendwo sonst. Und selbst wenn was synchronisiert werden würde, ist die Frage, was ein Datenjäger mit dem Eintrag „Mutter von Leo anrufen“ anfangen soll.

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  4. kriante schreibt:

    Hat dies auf Sinatschka, was soll ich werden? rebloggt und kommentierte:
    Eigentlich sollte mein erster Technikblogpost von Tablet PCs handeln…weil…wegen…Herr Mess schreibt , was man damit tolles machen könnte.

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  5. Pingback: Der Einstieg in Evernote | Felix Riese

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