Siech…


avat_traurigNicht wundern, wenn ihr die letzten Tage nichts gehört habt von mir. Die Wahrheit ist, ich liege flach. In der einzigen Juniwoche des Jahres 2013, in dem die Temperaturen beschlossen haben, die 30er-Grenze deutlich zu sprengen, liege ich hier und erfreue mich an mindestens ebenso tropischen Temperaturen in meinem Inneren. 39,7 Grad misst das Fieber… äh Spaßbarometer. Wer auchmal so eine lustige Erfahrung machen will, besorgt sich einfach genauso wie ich eine kleine Lungenentzündung und wartet darauf, wie sich im Laufe einer Woche knapp 10 reguläre Symptome einer Erkältung zusammenbrauen, bevor du irgendwann – bestenfalls viel zu spät – merkst: „Moment, das ist aber jetzt wirklich kein Schnupfen mehr.“ Nein, das ist jetzt Kopfschmerz gepaart mit Röcheln, Kurzatmigkeit, einer ganzen Reihe von Schleimlösern verursachten Toilettengängen, und einer neuen Sicht auf seinen eigenen Körper, was da teilweise für eklige Sachen rauskommen.

Naja, Besserung ist in Sicht. Der nette Onkel Doc schenkte mir

  • aufbauende Worte
  • ein Rezept für ein Antibiotikumpräparat
  • eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die mich verabscheuungswürdiges Subjekt in private Quarantäne versetzt und mich für den Rest der Woche von Kollegen und Kindern fernhält.

 Arbeitsunfähigkeitsbescheiningung: Klingt ja eigentlich ganz nett. „Ruh dich aus, und komm wieder wenn’s gsund bist.“ Aber geht das so einfach? Kann ich jetzt einfach ruhig zuhause liegen und einfach nur gesund werden? Natürlich nicht. Es ist Ende Juni. Es ist die heiße Phase des Schuljahres. Schulaufgaben werden geschrieben, für die die Kinder vorbereitet werden müssen. Aber man selber liegt zuhause und erfreut sich an dem neuentdeckten Talent, beim langsamen Ausatmen wie eine Vuvuzela zu klingen. Damit auch nur ein Mindestmaß an Kontunität gesetzt ist, wenn ich wieder komme, müssen die Kinder in den Stunden, in denen sie mich hätten, einfach selbständig weiter arbeiten. Zu dem Zweck schleppe ich mich zum PC und nehme erst telefonisch, dann über eMail mit dem Direktorat Kontakt auf, damit ich denen die Arbeitsaufträge durchgebe. Nachdem das fertig ist, kommt eine Stunde später eine Mail-Anfrage meines Referendars bezüglich der Kurzarbeit, die er morgen schreibt. Ich antworte brav. Mit 39 Grad Fieber. Eine Stunde später – ich hab mir meine erste Tablette meines Antibiotikums eingeworfen – meldet sich meine zweite Betreuungsreferendarin aus dem Unterseminar, wann wir uns denn mal zusammensetzen können, um über die Lehrprobe zu sprechen, die in drei Wochen ansteht. Ich versuche, der aufgeregt-freundlichen Frauenstimme ruhig zu verstehen zu geben, dass ich bis zum Ende der Woche ausfalle und eigentlich etwas Ruhe bräuchte, um wieder auf die Beine zu kommen. Den Wink mit dem Zaunpfahl versteht sie nur bedingt, und fragt stattdessen an, ob sie mir nicht einfach alles in eine eMail schreiben kann, dann kann ich’s lesen und beantworten, wenn’s mir ein bisschen besser geht… ja, und knapp das Vierfache an Zeit zum Beantworten einplanen, weil ich zu ihrem vier DinA4-Seiten Brainstorming-Bulletpoint-Horror ja Stellung nehmen muss. Zwei Stunden später meldet sich ein Kollege bei mir, um anzufragen, ob er für die Schulaufgabe nächste Woche einen seiner Schüler in meine Klasse stecken könne, weil der zum regulären Termin nicht da ist. Diese Liste an Telefonaten ging bestimmt noch knapp zwei Stunden so weiter. Und das nur, weil ich EINEN Tag nicht in der Schule war!

Ich merke langsam aber sicher, dass Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eigentlich mal wieder eine Mogelpackung ist. Denn dass ich nicht unfähig bin zu arbeiten, das widerlege ich bereits jetzt schon seit mehreren Stunden gezwungenermaßen. Dafür denke ich jetzt langsam, anzufragen ob es auch eine Genesungsunfähigkeitsbescheinigung gibt, für die ich mich bewerben kann, wenn ich das Gefühl habe, dass ich trotz einer Krankheit, für die sich so mancher zur Behandlung auch einfach mal ins Krankenhaus verzieht, permanent davon abgehalten werde, mir die verdammte Ruhe zur Verfügung zu stellen, die ich zum Gesundwerden einfach brauche?  

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6 Antworten zu Siech…

  1. Alan schreibt:

    Du weißt dass man Telefone „entklingeln“ kann? 😛 Gute Besserung!

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  2. herr_mess schreibt:

    Das kann man bestimmt, aber man wartet ja auch auf die Ergebnisse der Blutwerte und Mamas beruhigende Stimme…

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