Am Scheideweg: DSGVO

Das kam ja gerade zur rechten Zeit. Knapp fünf Jahre nach meiner Blog Premiere tun sich erstmals Wolken auf. Das Thema #DSGVO schwirrt durch die Lande, und so langsam merkt man, was uns für ein tiefgreifender Wechsel bevorsteht. Nicht nur den großen Datenkraken. Eigentlich auch uns kleinen Bloggern.  Und das habe ich persönlich echt gründlich unterschätzt. Wer einen Blog ernsthaft und weiterhin richtlinienkonform betreiben will, kommt um große Nachbesserungen nicht herum. Gewisse Funktionen wie das Kommentieren von Beiträgen oder das Nutzen von Widgets, die auch meinen Blog zieren, sind künftig gar nicht mehr oder nur mit großen Einschränkungen möglich (die komplette Liste der zu erledigenden Aufgaben findet ihr hier). Und das bringt mich dann schon in eine gewisse Misslage.
Der Blog hier ist seit nun mehr fünf Jahren Dreh- und Angelpunkt meines digitalen Lehrerschaffens. Hier fing  2013 alles an, hier habe ich berichtet, diskutiert, präsentiert, mich vernetzt mit all den tollen Leuten, die durch Deutschlands digitale Lande lehren. Das hat immer unglaublich großen Spaß gemacht. Mit den neuen Auflagen wird der allerdings ganz schön gedämpft. Nicht nur, dass durch die neuen Vorgaben der Austausch mit anderen auch über Plattformen wie Twitter, Instagram und ähnliche soziale Netzwerke empfindlich eingedost wird. Einige Vorgaben sind – nach dem aktuellen Stand – in der geforderten Form auf meinem wordpress.com-Blog gar nicht machbar. So wirklich wasserdicht wäre alles erst, wenn ich den Blog selbst hosten würde und damit volle Kontrolle über sämtliche Plug-Ins oder Widgets hätte. Aber lohnt sich das für mich überhaupt?
Ich bin nicht (mehr) genau das, was man einen echten Power User nennt. Über die Jahre ist schon einiges an Content zusammengekommen. Aber ich poste lange nicht mehr so häufig wie früher – wenn es hinkommt, zwei Mal im Monat. Und wenn ich die ganzen Beiträge, die bis dahin angefallen sind, entsprechend an die neuen Vorgaben anpassen will, geht da bei fast 250 Beiträgen schon sehr viel Zeit drauf, die ich aktuell nicht habe bzw. nicht investieren möchte. Noch dazu müsste ich wohl einiges an Material aussortieren, da mit eigener Domain die Anonymität, mit der ich mir frisch alles von der Leber schreiben konnte, eigentlich komplett dahin ist. Was von meinen Artikeln letztlich übrig bliebe, wären nur die, in denen keinerlei Schulanekdoten zur Sprache kommen. Und damit bleiben praktisch nur noch die Technik-Beiträge übrig. Reicht das euch? Reicht das Herrn Mess?
Ich bin aktuell total unsicher und habe derzeit keine Ahnung, wie ich Ende Mai weiter machen werde, wenn die  DSGVO verbindlich in Kraft tritt. Vielleicht mache ich hier erst mal eine Pause und den Blog dicht. Oder ich wage einen Neustart und kloppe mein altes Ich ins Datennirwana. Oder vielleicht bin ich sogar komplett raus. Wäre zwar schade, aber bevor ich Gefahr laufe, von Anwälten oder sonstwem abgemahnt zu werden, weil ich als Laie irgendeine Lücke übersehen habe und unwissentlich Benutzerdaten übermittle, lasse ich lieber Finger von einem heißen Eisen, von dem ich als Hobby-Blogger einfach zu wenig verstehe.
Wie macht ihr es denn, liebe Bloggerlehrer?

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Beitragsparade der #edupnx

Die Bildungspunks haben mal wieder zu einer Beitragsparade aufgerufen. Und ich folge dem Aufruf gerne, weil ich mich mit der Themenstellung selber schon auseinander gesetzt habe. Das Thema Twitter hat mich in den letzten fünf Jahren weiter gebracht als jede andere Fortbildung, die ich in der Zeit besucht habe. Der Input, den ich über vernetzte Lehreraccounts reinbekomme ist enorm. So enorm, dass man beizeiten sehr überwältigt ist und überhaupt keine Ahnung hat, wie man die digitale Informationsflut bewältigen soll. Und schnell weicht der anfänglichen Euphorie ein Gefühl der Ohnmacht. Um aus der wieder herauszufinden und Herr über das Chaos der Bits und Bytes auf Twitter wird, habe ich mir zwei Verfahren zunutze gemacht:

  • Kurze Tweets, Bilder, Statistiken oder ähnliches Material bei Twitter, das ohne Verlinkung auskommt und in sich schon erwähnenswert ist, speichere ich kurzerhand als Screenshot, die auf dem Smartphone in einem Standardverzeichnis abgelegt werden (bei mir – oh Wunder – \Screenshots). Dieses Verzeichnis ist über Dropsync und Dropbox mit dem Dienst Zapier synchronisiert, das mir jeden Screenshot, der neu in dem Verzeichnis landet, in ein vordefiniertes Notizbuch in Evernote kopiert. Quasi als Best-of-Twitter Verzeichnis, auf das ich von überall her über Evernote Zugriff habe. Schematisch sieht das Vorgehen ungefähr so aus (mehr dazu, und warum ich für diese Automatisierung nicht IFTTT nehme, lest ihr hier).

  • Tweets, die Links zu größeren Artikeln oder Videos haben, finden über einen anderen Umweg ihren Platz in Evernote: Nämlich über den bekannten Webclipper: Dieser ist darauf programmiert, beim Speichern von Seiten und Artikeln einen Großteil des webtypischen Firlefanz wegzulassen, sodass am Ende eigentlich nur der Fließtext mitsamt Bildmaterial zum Lesen übrig bleibt. Sieht damit fast schon wie eine Zeitung aus. Auch dieses Verzeichnis ist über Evernote ständig bei mir, sodass ich darin schmökern kann, wann immer ich Zeit und Lust habe.

    der Web Clipper von Evernote ist immer noch ein kleines, aber super nützliches Tool

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Let’s get digital, digital…

Das Wort Digitalisierung und digitale Bildung wird uns Lehrern in letzter Zeit nur noch so um die Ohren gehauen. Und das nicht nur, weil unsereiner Twitterat ist. Auch in den traditionellen Medien wird regelmäßig auf das Thema Bezug genommen. Sogenannte Fachleute postulieren, wie digitale Bildung auszusehen habe. Ich sehe Interviews mit Managern, Politikern in ihren Endfünfzigern, die noch vor ein paar Jahren von der Gefährlichkeit von neuen Medien lamentiert haben. Alles scheint vergessen. Aber wie soll man es nun machen, diese Digitalisierung? Was braucht eine Schule dafür? Welches Equipment? Welche Medien? Welche Software? Was für Lehrpersonal? Das weiß keiner so genau. Deswegen sollen das die Lehrer (wieder) einfach mal selbst rausfinden. Und so wurden die bayerischen Schulen beauftragt, bis Ende des nächsten Schuljahres ein so genanntes Medienkonzept zu erstellen, in dem festgehalten werden soll, welche Medien im Unterricht genutzt werden (sollen), wie sie genutzt werden (sollen), wann sie genutzt werden (sollen), warum sie genutzt werden (sollen). Das ist per se wichtig und richtig. Unternehmen geben für eine sinnvolle digitale Strategie Unmengen an Geld für externe IT-Teams aus, um sich fit für die Zukunft zu machen. Nur haben wir die nicht. Weder die Unmengen an Geld noch externe IT-Teams. Daher wird an jeder Schule ein Team aus Lehrkräften bestimmt, das diese freudige Arbeit umsetzen darf – natürlich zum regulären Tagesgeschäft oben drauf. Zu den Mitstreitern im neu beschworenen Arbeitskreis finden sich eine Person aus dem Direktorat, der Systembetreuer und aus dem Kollegium ein medienaffiner Lehrer. Ihr ahnt es schon: Letzteres – sono io.
Um die Lehrerschaft bei dieser Mammutaufgabe nicht komplett im Regen stehen zu lassen, werden wir regelmäßig zu Impulsfortbildungen geschickt, die uns mit der nötigen Theorie versorgen sollen. Wie wir sie am Ende umsetzen, bleibt uns überlassen. Und so pilgern wir an einem sonnigen Wintertag nach der Schule zu einer dreistündigen Fortbildung am Nachmittag an einem Münchner Vorortgymnasium, wo uns von Mitarbeitern des Ministeriums und medienpädagogisch-informationstechnischen Beratern – kurz MiBs – erklärt wird, was uns erwartet. Die Einladung ergeht – vorbildlich – über Mebis. Weniger cool: An der Schule, an der alle zusammenkommen sollen, um über neue Medien und Digitalisierung zu reden, existierten weder dafür nutzbare Endgeräte oder WLan. Wir werden im Vorhinein dazu aufgeordert ein Konvolut aus knapp 200 Seiten als ZIP-Datei herunterzuladen und mitzubringen. Wer kein Tablet nutzen kann, druckt es sich ganz einfach aus. Und tatsächlich: In den Reihen sieht man vereinzelt Leute, die diesen Packen auch wirklich in Papierform vor sich auf dem Schoß haben. Leute, die wohlgemerkt ausgesucht wurden, um neue Wege zu gehen. Neue Pfade zu betreten. Man will, aber auch wieder so richtig nicht.
Die Fortbildung selbst bekommt schnell ein bisschen Ohrfeigencharakter. Zwar sind die Impulsvorträge, die wir bekommen, recht informativ und handeln von der Wichtigkeit der 4Ks und ihrer baldigen Verankerung im Lehrplan. Aber vieles bleibt einfach zu vage. Welche Geräte dürfen wir nutzen? Was ist mit Datenschutz, was geht da, was geht da nicht? Was ist mit BYOD, das Technik unkompliziert in die Klassenzimmer holt? Nichts. Stattdessen Statistiker darüber, bis wann wir welchen Schritt abgearbeitet haben müssen. Überhaupt fällt „Sie müssen“ in diesen Stunden auffällig häufig. Und „Sie dürfen nicht“, gepaart mit „Es wird viel Arbeit sein“, „Sie werden gegen Windmühlen kämpfen“ und „Wenn Sie für die digitale Arbeit und technische Geräte zusätzliche Mittel erwarten, die Stadt München hat dafür kein Geld.“ Klar, dass sich im Publikum Widerstand regt. Die Leute sind mit einem gewissen Optimismus angetreten und schon nach einem Drittel der Zeit einfach nur genervt. Kein „schön, dass Sie sich bereit erklären“ oder „Ihre Arbeit wird wichtig sein, um die Schule auf die Zukunft vorzubereiten.“ Nichts.
Die ersten Publikumsfragen werden gestellt. Der erste Widerstand. Für einige klingt es nach unbezahlter Mehrarbeit, was da zu machen sei, andere finden es geradezu paradox, über Monate ihre Schule auf einen neuen, digitalen Weg zu bringen, wenn für den dazu nötigen Ausbau angeblich kein Geld da ist. Die Referenten nehmen die Kritik wohlwollend auf und kontern mit: „Sie sind Beamte. Sie müssen das jetzt halt machen.“ Punkt.
Um die Stimmung zu lockern und den Leuten die Möglichkeit zur Kollaboration und Praxis zu ermöglichen, werden die Leute in guter alter Fishbowl-Manier in verschiedene Räume verteilt, in denen zu ausgewählten Fragen Infomaterial zu finden ist, das zum fachlichen Austausch führen (Wir diskutieren über Chancen und Probleme digitaler Technik im Unterricht) soll. Die Ergebnisse der Diskussionen soll man digital auf einem Padlet festhalten, das per QR-Code zugänglich ist. Aber auch hier macht uns die Praxis den Garaus. Denn der Neubau mit seinen dicken Wänden erlaubt keinerlei mobile Daten. Unsere Smartphones kommen nichts ins Netz. Nichts mit Padlet. Stattdessen werden wir gebeten, unsere Ergebnisse schriftlich festzuhalten und zuhause am PC in Padlet einzutragen. Doppelte Arbeit, die man ja eigentlich NICHT haben will. Die Szenen sind geradezu symbolisch für das Thema Digitalisierung, wie es im Moment in den Schulen gehandhabt wird: Irgendwie will man ja was auf den Weg bringen. Aber man kann nicht. Weil man selber noch nicht dahintergestiegen ist. Oder die Technik einfach nicht will. Oder gar nicht will. Oder kein Geld da ist. Und es ist so ermüdend…

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Was fürs Herzerl: Zum International Day of Happiness

Es sind die letzten Tage vor Ostern in der Schule. Die letzte Marge an Schulaufgaben ist geschrieben, die Kinder wie auch Lehrer geschafft von den Strapazen der letzten Wochen: Informationsveranstaltungen für die Eltern der kommenden Fünftklässler des nächsten Jahres, Generalproben für unser Frühlingskonzert, dann zwei abendliche Aufführungen und zuletzt der Tag der offenen Tür haben bei allen Tribut gefordert und zusammen mit der anhaltenden Grippewelle einigen gut an den Kraftreserven gesaugt. Wir können alle eine Pause gebrauchen. Und auf die freuen wir uns. Vor allem die Kinder. Denn am Dienstag vor den Ferien findet bei uns an der Schule die Osterhasenjagd statt. Schüler können ihren Freunden und Lehrern eine kleine Freude machen und ihnen gegen einen kleinen Obulus einen Schoko-Osterhasen mit einer persönlichen Widmung zukommen lassen. Wir Lehrer stehen der eigentlich gut gemeinten Aktion schon seit Jahren ein bisschen zwiespältig gegenüber, weil es dabei immer regelmäßig Ärger gibt. Zumindest für uns Klassleiter. Denn die Anzahl der Schokohasen, die jemand an diesem Tag erhält, geben einen Abbild des Klassengefüges wieder. Wer leer ausgeht, an den wurde ganz offensichtlich nicht gedacht. Und das ist für jedermann zu sehen. Aber wir ertragen das Procedere. Es ist ja nett gemeint. Und so laufe ich am Dienstag vor den Ferien in das Klassenzimmer meiner Kleinen ein, das von Gold- und Silberpapier nur so glitzert. Überall stehen die Häschen, die die Schüler natürlich dekorativ direkt vor sich auf den Tisch gestellt haben. Immerhin will man ja zeigen, was man (bekommen) hat. Nur der kleine Tim in der ersten Reihe ist komplett leer ausgegangen. Er ist ein bisschen eigen und der Klasse deswegen ein bisschen unheimlich. Er ist derjenige, der seine Stifte mal nach Farbe, mal nach Größe ordnet, seinem Sitznachbarn mit einem Rotstift den Rand im Heft nachzieht, um ihm anzuzeigen, dass man hier nicht mehr schreiben darf; oder Klassenkameraden darauf hinweist, wenn der Stuhl nicht richtig rangeschoben ist und den Tafeldienst für schlampiges Arbeiten kritisiert. In 30 Jahren wäre Tim ein fantastischer Bürokrat und Beamter. Aber in diesem Jahr ist er halt einfach Tim. Der am heutigen Tag ohne Osterhasen nach Hause geht. Aber das macht ihm nichts aus. So sagt er zumindest. Dass er vor Stundenbeginn bei mir deswegen extra ans Pult tritt, um mir das zu erklären, beweist leider das Gegenteil. „Alle haben einen Osterhasen bekommen, nur ich nicht. Aber das macht nichts“, erzählt er mir mit einem unsicheren Lächeln im Gesicht, den Blick aber starr durch mich durchgerichtet. Als ich versuche, mit ihm Augenkontakt aufzunehmen, dreht er sich hastig weg und verschwindet mit einem „wie immer halt“ an seinen Platz. Er ist dieses kleine Sätzchen, das mir das Herz zerreißt. Und das so, dass ich in der nächsten Stunde das mit meinem Latein-Oberstufenkurs bespreche. Die kennen mich seit nunmehr sieben Jahren und genießen deswegen das Privileg, dass ich ihnen ab und zu auch einfach mein Herz ausschütten kann. Und die sind von der Aussage des kleinen Tims mindestens genau so betroffen wie ich. Vor allem Maria aus der zweiten Reihe, die in der SMV seit Jahren tätig ist und nun auch einmal hautnah mitbekommt, was eine so gut gemeinte Aktion von ihnen eigentlich anrichten kann.
Lisa, ihre Sitznachbarin, ist schon ganz am Boden zerstört. „Ist das traurig. Man müsste ihm allein dafür schon einen Hasen schenken.“ Da stutzen wir alle. Warum eigentlich nicht? In Windeseile ist eine Spitzenaktion ins Leben gerufen: Wir verschaffen uns über Maria Zugang zum SMV-Zimmer, um die Widmungszettel zu holen, die auf jedem Osterhasen angebracht sind, ich spendiere aus dem Lehrerzimmer einen meiner drei Schokohasen, die ich geschenkt bekommen habe, und wir unterschreiben auf dem Zettel für den kleinen Tim. Alle 15 Kursteilnehmer. Ich bin ganz gerührt, wie völlig selbstverständlich das für meine Oberstufe ist. Da reift eine ganz wunderbare Generation heran. Und natürlich auch ein hervorragender Bürokrat und Beamter, der morgen nun doch einen Schokohasen auf seinem Platz vorfinden wird 🙂

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Über „Hand aufs Herz“

Wenn es bei den #edupnx mal zu meinem „Hand aufs Herz“-Thema kommen sollte – so nennen wir Aspekte im Schulalltag, mit denen wir bei aller Professionalität nur suboptimal zurecht kommen – dann hätte mein Versagen einen Namen: Meine diesjährige Abiturklasse. Wir passen irgendwie nicht zusammen. Die versprengten Kursteilnehmer sind ein Sammelsurium an Charakteren, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Ein kleiner Teil ist immer da und arbeitet so, wie ich es von kommenden Abiturienten erwarten würde. Der Großteil aber bringt mich regelmäßig auf die Palme. Angefangen bei den hohen Fehltagen und die Erwartungshaltung, dass ich ihnen bei Rückkehr aus dem vermeintlichen Krankenstand noch einmal alles auf dem Silbertablett durchkaue, hin zu katastrophalen, proletenhaften Umgangsformen bis zur nicht vorhandenen Hausaufgabenmoral kann ich mit knapp 90% dieses Kurses einfach nichts anfangen. Umgekehrt erwarten sie von mir ein riesiges Methodenfeuerwerk, in dem ich sämtliche Register ziehen soll. Das funktioniert in der Regel ganz gut, aber wehe ich nehme zur Abwechslung mal das reguläre Schulbuch in die Hand. Dann wird lamentiert: Zu langweilig, zu alt, zu irrelevant. Dann vergreift sich einer im Ton, darauf vergreife ich mich im Ton, lasse mich auf die emotionale Ebene ein, tobe ein paar Minuten herum und schmeiße, wenn mir dann noch jemand blöd kommt, ihn im schlimmsten Fall aus dem Unterricht. Bei Abfragen und anderer Notengebung eskaliert es auch regelmäßig: Sämtliche Leistungsnachweis sind für die meisten grundsätzlich ein Angriff auf die Menschenwürde. Wenn ich aus meinem Rudel bestimmte Schüler ausfragen will, geht es gleich los mit „Sie wollen mir nur eine schlechte Note reinwürgen“ oder „ich war aber gestern lange beim Zahnarzt“ oder – kein Witz – „Sie dürfen mich nicht abfragen. Ich war gestern saufen.“ (O-Ton). Aber ich ziehe mein Programm durch. Ich mache es aber schon lange nur noch für die 10% des Kurses. Der Rest ist mir leider Gottes egal geworden und fällt nur durch Abwesenheit oder Herumgestoffel auf. So auch letzte Woche, als ich die Schülern explizit noch einmal darauf hingewiesen habe, dass ich zur aktuellen Grammatik und dem Wortschatz noch einen Test schreiben würde.
One Word: Ausnahmezustand. Unfair! (so kurz vor Notenschluss) Unmenschlich! (weil ich einen Test ansage, den ich auch einfach ohne jegliche Ankündigung steigen lassen dürfte) Die ganze Schublade an pubertärem Blabla wurde mir von meiner Stoffelfraktion entgegen gebracht. So schwer es war, ich hab es ignoriert, weitergemacht, das Gemuffel verstummte.
Es kommt die nächste Stunde. Die Stunde vor dem Test, in der ich nochmal üben wollte. Wortschatz, Grammatik, Übungen, um die Leute nochmal fit zu machen. Nur ist kaum jemand da. Von den 13 Kursteilnehmern sind 3 da. Alle anderen fehlen. Aus Angst, heute könnte der besagte Test stattfinden, der ihnen die Note versaut. Im ersten Moment bin ich stinksauer, aber das an den Leuten auslassen, die sich loyal in den Kurs gesetzt haben, bringt ja auch nichts. Also entscheide ich mich für eine Retourkutsche. In der nächsten Stunde. Im Test.
Den kommenden Montag sitzen sie wieder alle da. In voller Besetzung. Und mit süffisantem Grinsen im Gesicht. Sie wissen, dass sie letzte Stunde gefehlt haben und den Test nicht mitschreiben müssen, wenn ich ihn stattfinden lasse (ist in Bayern in der Regel so). Ganz im Gegensatz zu den drei armen Hascherln, die ran müssen. Und die protestieren natürlich im ersten Augenblick. Als die einzigen, die immer in der ersten Reihe sitzen, werden sie jetzt auch noch mit einem Test abgewatscht und gestraft. Glauben Sie. Bis sie den Test sehen. Den habe ich nämlich so billig wie nur möglich gehalten. Der Cloze-Test im Wortschatzteil gibt die Lösung geradezu auf dem Präsentierteller vor, weil ich exakt immer nur einen Buchstaben ausgelassen habe. Items wie cooperatio_ oder glob_lisation sind quasi mit verbundenen Augen zu erraten. Auch die Grammatik ist auf absolut basalem Niveau gehalten und geht nicht über den Erwartungshorizont der achten Klasse hinaus. Das merken meine drei Leutchen erst mit der Zeit. Und lächeln breit vor sich hin. Der Test ist für meine Treuesten ein absolutes Geschenk. Hier keine volle Punktzahl abzusahnen ist quasi unmöglich. Den Blaumachern hingegen ist das süffisante Grinsen komplett aus dem Gesicht gewichen. Sie sind mir auf den Leim gegangen. Und das können sie nicht ertragen. Schon während des Tests regt sich Widerstand. Ob sie die Prüfung denn nicht trotzdem zählen lassen können, wollen sie wissen. Ich setze mein größtes Engelsgesicht auf und meine nur: „Das geht leider nicht. Ihr wart ja letzte Stunde krank und ich kann nicht verantworten, dass aufgrund eures Gesundheitszustandes eure Leistungen in Mitleidenschaft gezogen werden.“ Die Stoffelfraktion gibt sich zähneknirschend geschlagen und vergräbt sich wieder in die Prüfung, die sie leichtfertig verspielt haben. Nur der Anführer hält Blickkontakt zu mir und nickt mir anerkennend zu: „Well played, sir.“
Und es ward Ruhe im Karton.

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Der Neuzugang: Samsung Tab S3

Ich weiß. Noch vor ein paar Wochen habe ich noch getönt, wie zufrieden ich mit meinem Tablet war. Und das ist wirklich ernst gemeint! Seit mehr als vier Jahren leistet mein Samsung Note 8.0 mir nun treueste Dienste. Jeden einzelnen Tag ist es im Einsatz. Es speichert, es streamt, es wird bemalt, bekritzelt, ist Jukebox und Kinozentrale im Unterricht, Sammelstelle für Arbeitsblätter, Referate, alles. Der Akku hätte alle Gründe der Welt, sich mal langsam zu verabschieden, aber er denkt nicht ans Aufhören. Zum Laden muss er immer nur noch alle drei Tage. Genau so lang wie damals 2013, als ich das Gerät gekauft habe. Eigentlich bräuchte ich kein neues Tablet. Und es gibt auch wenig Vergleichbares auf dem Markt. Stiftgebundene Tablets sind unter Samsung rar geworden. Sehr rar. Aktuell gibt es in Deutschland lediglich das Tab S3. Nur ist mir das mit aktuell 600€ (Startpreis irgendwo bei 730€!) deutlich zu teuer. Tja, und dann kam der Black Friday. Und auf einmal ging es für knapp 400€ her. Und da konnte ich dann doch nicht widerstehen und hab es gekauft. Da der Trennungsschmerz von meinem Note 8.0 aber deutlich mehr zu spüren ist als damals noch bei meinem HTC Flyer, will ich keine Lobhudelei auf das Tab S3 veranstalten, ohne im selben Atemzug dem Note 8.0 zu huldigen, das nach meiner Ansicht nie die Aufmerksamkeit bekommen hat, die es eigentlich verdient. Das Gerät stand immer etwas im Schatten des großen Bruders Note 10.1. Völlig zu Unrecht. Vielleicht kann ich einen kleinen Beitrag leisten, dass das in den Samsung-Annalen anders wird…
Dass ein Tablet aus dem Jahre 2012 in puncto Performance gegen ein 2017er Modell den Kürzeren ziehen muss, ist keine Überraschung. Die Specs sprechen da eine deutliche Sprache. Die sind mir aber egal. Ich hab das Ding, um damit zu arbeiten und meinen Unterricht zu gestalten. Allein daran möchte ich meinen Bericht messen.

Da isses, in seiner vollen Pracht!

Das (Aus-)Maß der Dinge

Das Note 8.0 in wunderbar handlicher Din/A5-Größe

Das Tab S3 hat leider deutlich Überhang im Schulranzen

Das Note 8.0 war dank seiner Größe ideal für die Lehrertasche. Mit seinen 210.8 x 135.9 x 8 mm ist es gerade mal so groß, breit und leicht wie ein Din/A5 Heft. Damit lag es wunderbar auf Korrekturstapeln auf, schmiegte sich in Heftmappen, ohne auf Nachbarn in der Tasche zu stoßen, zu reiben oder im Extremfall zu brechen. Daran ist natürlich auch das Material des Note schuld, denn das präsentiert sich in widerstandsfähiger Plastik-Fantastik, die einiges aushält. Für Ästheten ein Manko, das sich aber im Alltag echt bewährt hat.
In Sachen Auftreten kommt das Tab S3 da schon etwas größer daher. Mit seinen 9.3 Zoll ist der Neuling in der Diagonale um knapp 2 cm länger. Damit wirkt es auch etwas größer als das Note 8.0. Nach Samsung-Specs steigt es mit  237.3 x 169 x 6 mm in Länge und Breite jeweils knapp 3 cm mehr in den Ring. Dadurch wird es natürlich auch etwas schwerer. Und zwar fast 100 Gramm. Mit Schuld daran ist auch das verwendete Material. Als Edeltablet vermarktet verwendet Samsung ausschließlich Glas und Aluminium. Ein echter Hingucker – mir als Lehrer graut es allerdings schon, das Gerät einem Schüler in die Hand zu geben. Ich sehe schon das erste gebrochene Display und Tausende von Fingertatschern, die ich täglich runterwischen darf. Ich hoffe, mein Pessimismus in dieser Hinsicht wird sich weiterhin auf die Theorie beschränken. Aber ein bisschen Angst um die Sicherheit des Gerätes habe ich schon. Da musste definitiv eine Schutzhülle her…

Kein Monolith, sondern ein Edeltablet, das man mit Samthandschuhen anfassen sollte…

Accessoires

Die schönsten Hüllen für das Samsung S3 Tab gibt es meiner Meinung nach bei Fintie

… Allerdings keine von Samsung. Das einzige, was der Hersteller in dieser Hinsicht auf den Markt hat, ist zwar hip, aber unpraktisch. Vor allem für den Unterricht. Wo es beim Note 8.0 noch ein klobiges, aber funktionales Cover gab, setzt man beim Tab S3 ganz klar auf sexiness und präsentiert eine Hülle, die einfach magnetisch am Gerät klebt. Ist von der Haptik her sehr gut, und dieses Klacks, mit dem die Hülle sich mühelos ans Tablet heftet, hat irgendwas wunderbar Befriedigendes an sich. Aber das hilft mir im Unterricht wenig. Weder sind die Kanten des Tablets gut geschützt, noch ist es ausgeschlossen, dass bei einem Sturz die Hülle vom Gerät fliegt und dann die Katastrophe komplett ist. Noch dazu geht mir eine Halterung für den S-Pen ab, der im Gewusel des Alltags ganz schnell abhanden kommt. Deswegen flog das Samsung Accessoire nach kurzer Zeit raus und wurde durch eine Hülle von Fintie ersetzt. Kostet ein Drittel des Preises und schützt sowohl Tablet als auch S-Pen so, wie ich es mir vorstelle. Und sieht nebenbei auch noch gut aus.

Display und Sound

Ich gebe zu, dass mir Grafikspecs eigentlich egal sind. Aber über die Jahre – vor allem dieses – merke ich, wie wichtig ein gutes Display beim digitalen Arbeiten ist. Meine Augen sind zunehmend mit Zukneifen beschäftigt. Die kräftigen, aber sehr freundlichen Farben, die das sAMOLED-Display des Tab S3 hervorbringt, sind für meine Glubscher schon aufgrund der größeren Bildschirmdiagonale sehr angenehm. Vielleicht liegt das auch sekundär an der deutlich höheren Auflösung, die das Tablet mit 2048x 1536 Pixel auf den Bildschirm zaubert. Dagegen sehen die 1280×800 des Note 8.0 schon etwas mager aus. Direkt gemerkt hab ich die höhere Auflösung zwar nicht. Aber ich fühle sie…
Für mich sehr angenehm ist die zusätzliche Funktion des Blaufilters, die man optional zuschalten kann. Durch sie werden die berüchtigten Lichtanteile, die im Gehirn den Wach(-bleib)-Befehl hervorrufen, zurückgehalten, sodass man auch abends im Bett noch gut mit dem Tablet lesen kann, ohne hinterher die ganze Nacht mit starr-offenen Augen auf das Sandmännchen warten zu müssen.

Kamera

Hier ist das Tab S3 von Anfang an der große Gewinner. Wo mein Oldie noch mit maximal 5 Megapixel und ohne Blitz auskam, trumpft das Neue mit 13 Megapixel, Blitz und tollem Autofokus auf. Für den Unterricht und das Abfotografieren von Schülerarbeiten, Tafelanschrieben und spontanem Whiteboard-Brainstorming sind das tolle Specs, die doch eine deutliche Verbesserung zum Note 8.0 sind, wie man an diesem Bild-Duo sieht (man beachte auch die deutliche Vergrößerung des erfassten Bildausschnitts):


Keine Frage: Die Farben sind knackiger, die Schrift auch im Detail schön scharf und Artefakte oder Schlieren, die bei Note 8.0-Bildern bei schlechter Beleuchtung in Klassenzimmern das Entziffern doch gerne mal erschwert haben, gehören der Vergangenheit an. Freut mich. Sollte aber auch normal sein bei Tablets, zwischen denen vier Jahre und mehrere Generationen liegen…

S-Pen

Das Note 8.0 hatte aufgrund seiner Größe einen S-Pen in seinem Gehäuse, der den Namen eigentlich nicht verdient hat. Das Ding lag wie ein Zahnstocher in der Hand, weswegen ich schon recht früh auf andere Modelle umgestiegen bin. Der große Bruder des Stiftes aus dem Hause Samsung war da schon besser, aber insgesamt doch nicht der große Wurf. Großes Lob in diesem Zusammenhang an Bamboo, die einen (mittlerweile doch recht teuren) Pen auf dem Markt haben, der im Tragekomfort dem eines echten Stiftes so nahe kommt, dass der alte S-Pen schnell vergessen war.
Das neue Modell beim Tab S3 kommt dem Bamboo in dieser Hinsicht schon sehr nahe, auch wenn mir die runde Form des Bamboo Pen minimal besser gefällt. Der Samsung-Stift hingegen ist quadratisch mit abgerundeten Ecken und liegt gelegentlich etwas sperrig in der Hand, ähnlich wie ein Stabilo-Fineliner.

Schick und griffig: Der neue S-Pen

Umgekehrt macht ihn das aber auch gerade sehr authentisch, da man derartiges Schreibgerät Tag ein Tag aus im Schulalltag vor sich hat – birgt allerdings auch die Gefahr, das gute Stück im Chaos des Schreibtisches zu verlieren, da der Stift optisch von einem normalen Kritzler gar nicht mehr zu unterscheiden ist. Auch eine Möglichkeit, den Stift im Gehäuse des Tablets zu verstauen, wie es beim Note 8.0 der Fall war, ist nicht mehr möglich. Daher haben die findigen Leute von Fintie an ihren Hüllen Halterungen für den S-Pen angebracht, wo man den Stift bei Bedarf aus der (zugegebenermaßen etwas widerspenstigen) Lasche holen kann.
Die Features des neuen Stiftes selbst sind ziemlich beeindruckend und dürften vor allem Künstler in ihren Apps einen großen Mehrnutzen bringen. Das Schriftbild profitiert zumindest immens von den neuen Möglichkeiten…

Mit INKredible Pro sieht das S-Pen-Gekritzel wirklich vorzeigbar aus.

Für den regulären Unterricht brauche ich die unterschiedlichen Federn und Bleistifte allerdings kaum. Die gab es schon beim Note 8.0 und haben mich nie so wirklich interessiert. Neu hingegen und zugegeben sehr praktisch ist allerdings die Art, wie das Tablet jedes Mal reagiert, wenn man den S-Pen dem Bildschirm näher bringt. Hier poppt auf einmal auf der rechten Seite ein Menü auf, aus dem man eine Reihe von Apps zur weiteren Verarbeitung auswählen kann (Notiz erstellen, Notizen anzeigen, Smart Select, Screenshot Notiz, Übersetzen). Damit hat man Sofortzugriff auf seine meistgenutzten Apps und muss nicht immer umständlich in Untermenüs nach dem richtigen Programm suchen. Schön!
Was mich dagegen aber dann schon etwas konsterniert hat, ist die Art der Palm Rejection, die im S3 Tab zum Einsatz kommt, mit der das Tablet zwischen Stift und Handfläche unterscheidet. Sie funktioniert nach meinen Erfahrungen deutlich schlechter als ich es vom Note 8.0 gewohnt bin. Zumindest mit den Apps, mit denen ich bisher gearbeitet habe. Nachdem meine Schüler im Unterricht schier bei dem Versuch verzweifelt sind, auf ein PDF zu schreiben, das ich wie immer mit EZPDF geöffnet hatte, habe ich es selbst mal ausprobiert – und war schlichtweg entsetzt, wie unterirdisch das funktioniert. Sobald man die Hand beim Schreiben auf dem Bildschirm ablegt, beginnt das Tablet unter der App wild hin- und herzuzoomen. Und ja: die Stiftsteuerung war jedes Mal zusätzlich in der App eingeschaltet. Wie Samsung bei einem Tablet, das derzeit als Flagschiff gilt und ja auch offensiv als einziges S-Pen-Tablet als nennenswerte Alternative zum iPad Pro beworben wird, da auf einmal so schludern kann, ist mir ein völliges Rätsel. Ich habe den Unterschied mal filmisch festgehalten. Sonst glaubt mir das keiner.

Zum Glück hat Samsung dem Tab S3 eine eigene App zur Beschreibung von PDFs spendiert (Auf PDF schreiben), wo die Palm Rejection deutlich besser funktioniert. Hier lässt sich sogar noch einmal zusätzlich einstellen, dass ausschließlich der S-Pen erkannt werden soll. Das macht das Arbeiten schon wieder etwas angenehmer, und das Beschreiben funktioniert nun wieder so, wie ich es gewohnt war.
Dennoch: warum manche Apps nicht ordentlich mit der Palm Rejection funktionieren, ist mir nicht klar. Umso peinlicher für Samsung, wenn man sieht, wie problemlos das Note 8.0 mit manuellen Eingaben umgegangen ist. Und dass die Probleme nicht an der jeweiligen App, sondern am Tablet liegen, merke ich daran, dass ich ähnliche Erfahrungen auch in anderen namhaften Programmen machen musste. Wie oft mir das Bild beispielsweise in Sketchbook Pro verrutscht ist, kann ich gar nicht zählen. Ob man da softwaremäßig nachbessern kann? Ich will es hoffen…

Konnektivität

Im Jahr 2013 war es noch eine ziemliche Seltenheit, ein Tablet zu finden, das seinen Bildschirminhalt in welcher Form auch immer an einen Beamer weitergibt. Das Note 8.0 war damals eine rühmliche Ausnahme, da es den MHL-Standard unterstützte und über einen Adapter mit Kabel an einen HDMI-Eingang eines Projektionsgerätes angeschlossen werden konnte. Allerdings war das doch eine etwas friemlige Angelegenheit, da an den Adapter stets auch noch ein Stromkabel gehängt werden musste. Die für mich größte Offenbarung aus der Note 8.0-Ära war daher die Entdeckung des drahtlosen Screen Mirroring, auf das mich Matthias Heil damals aufmerksam machte. Für den Unterricht bot das richtig viel Flexibilität, die sich mit dem Umzug auf den EZCast Pro sogar noch verbesserte. Diese Möglichkeiten konnte ich über vier Jahre flexibel einsetzen, abhängig davon, was für ein Setup im jeweiligen Klassenzimmer vorhanden war. Geht das beim Tab S3 auch noch alles?
Hier bekam ich tatsächlich den größten Schock versetzt. Denn eine Kabelverbindung über einen HDMI-Adapter ist schlicht nicht mehr möglich! Nicht, dass es technisch nicht machbar gewesen wäre, aber scheinbar hat Samsung dieses Feature seit einigen Generationen von seinen Geräten verbannt, sodass nur noch kabellose Verbindungen möglich sind. Dieser Entscheidung sehe ich persönlich mit einem gewissen Magengrummeln entgegen, da die kabelgebundene Lösung für mich im Unterricht immer eine Fallback-Option war, wenn der HDMI-Dongle mal streikte oder es beim Streamen von HD-Videos mit Latenzen oder Stottern losging. So ein basales Feature einem Tablet abzuerkennen, das im Originalpreis fast die 700€-Grenze sprengt, ist eine Frechheit. Ohne eine Router-gestützte Lösung wie z. B. den Chromecast fühlt man sich beim Abspielen von längeren Videos wie auf einer dünnen Eisschicht, die jederzeit brechen könnte. Für eine Lehrprobe würde ich so ein Setup nicht empfehlen. Sehr schade, dass hier eingespart wurde.

Die aktuelle Bildübertragung anhalten? Geht!

So muss man leider mit den Optionen leben, die dem Gerät noch geblieben sind. Hier gibt es allerdings auch ein paar nennenswerte, kleine Neuerungen zu feiern; zum Beispiel die Option, die Funkübertragung
vorübergehend auszuschalten, ohne die Verbindung zum Dongle zu unterbrechen. Das Screen Mirroring schaltet dann quasi in einen Stand-By-Modus. Das ist perfekt, wenn ich im Unterricht mal kurz in meine Notizen auf dem Tablet spicken muss, um zu sehen, wie es in der Stunde weiter geht. Beim Note 8.0 musste ich mich dafür immer dafür vor den Beamer stellen und mit dem Tablet die Linse blockieren. So sieht das dann schon eine ganze Spur professioneller aus.

Arbeiten mit Evernote

Evernote ist schon seit Jahren mein digitaler Dreh- und Angelpunkt meiner Unterrichtsvorbereitung und Durchführung . Mit dem Umzug auf ein neues Tablet habe ich erst gemerkt, wie gewohnt ich den Umgang mit dem Programm bin. Viele Handgriffe, die für mich beim Note 8.0 zum Alltag gehörten, muss ich zusammen mit dem Tab S3 neu einrichten. Dazu gehört es auch, der App gewisse Aktionen zu verbieten. Zum Beispiel das standardmäßige Öffnen von bestimmten Programmen, wenn ich ein Dokument bearbeiten will. Meine Arbeitsblätter liegen in Evernote allesamt als PDF vor. Sobald ich eine dieser Dateien mit einer App geöffnet habe, merkt sich das Tablet diese Einstellung und wird jedes Mal eine PDF-Datei mit diesem Programm öffnen. So weit, so nett, aber manche Apps können Unterschiedliches: EZPDF Reader kann keine Deckfelder rückgangig machen wie Clear PDF, das wiederum keine Multimedia-Daten auf Knopfdruck wiedergeben kann, wenn sie in die Datei eingebettet sind. Damit ich mir diese Freiheit wieder erkämpfen konnte, musste ich in den Einstellungen nachhelfen.

Das standardmäßige Öffnen von Dateien lässt sich zum Glück ausschalten.

Ansonsten funktioniert jetzt wieder alles gewohnt (nicht so) gut, wie es zuletzt auf dem Note 8.0 der Fall war. Der Workflow ist dank der höheren Performance des Tablets natürlich spürbar besser, und die Zeiten, wo sich das Gerät beim Beschreiben von PDFs in verschiedenen Farben mal eben knapp 10 Sekunden Bedenkzeit nahm und nichts tat, sind definitiv vorbei. Einige Funktionen sind in Evernote allerdings in den letzten Versionen entfernt worden, die ich im ersten Moment an der alten Android-Version festmachen wollte, die auf dem Note 8.0 ihr Unwesen trieb (4.4). Dazu gehörte zum Beispiel die plötzliche Unart, dass kleinere Bilder, die man direkt aus einer Evernote-Notiz heraus öffnen und vergrößern wollte, nur noch minimal zoombar sind. Für höhere Vergrößerungsstufen muss man eine zusätzliche App nutzen. Klar, davon gibt es genug, aber das sind wieder ein paar Klicks und Tapser mehr, die früher nicht sein mussten. Ebenso vermisse ich seit ein paar Versionen die Möglichkeit, PDFs direkt aus einer Notiz heraus zu öffnen, zu bearbeiten, dann zu schließen und mich tierisch darüber zu freuen, dass die bearbeitete Version des PDFs automatisch als Kopie an der Notiz anhing. Versuche ich das in der jetzigen Version, bekomme ich die Fehlermeldung this document has been opened from DATA STREAM.  Changes cannot be saved . Möchte ich dann Änderungen speichern, muss ich sie erst auf dem Gerät in einem Ordner ablegen, dann öffnen und wieder an Evernote schicken. BOF. Vor einem Jahr ging das noch problemlos innerhalb der App. Da hoffe ich, dass Evernote in den nächsten Versionen vielleicht etwas nachbessert, denn der Workflow der Versionen von vor zwei Jahren ist für mich bis heute unerreicht. Bitte nicht wieder ein Produkt kaputt entwickeln. Das hab ich erst kürzlich mit dem EZCast Pro miterlebt. Und das Trauma ist noch nicht ganz verwunden.

Fazit:
Ich muss zugeben, ich hatte zu Beginn wirklich meine Schwierigkeiten mit dem Tab S3. Dass das Gerät so elementare Dinge wie einen HDMI-Port nicht mehr besitzt, halte ich für eine Katastrophe. Bei einem Gerät in dieser Preisklasse würde ich einfach – einfältig wie ich bin – davon ausgehen, dass es schlichtweg als Feature enthalten ist. Auch die angeblich stark verbesserte Palm Rejection hielt zu Beginn nicht das, was sie versprach. Vielleicht war ich das Note 8.0 auch schon zu sehr gewöhnt, so dass ich die neue Technologie als nachteilig empfand. Mittlerweile habe ich mich umgewöhnt, und es läuft ganz ok. Viele Dinge gehen bedeutend schneller von der Hand als früher. Und das Display ist wunderbar augenfreundlich. Davon abgesehen bietet das Tablet aber auch nicht wirklich viel Neues. Revolutionär ist an dem Teil gar nichts. Bei dem Vorgänger war das damals noch eine ganz andere Geschichte: Den Sprung vom HTC Flyer auf das Note 8.0 empfand ich damals als echte Offenbarung. Samsungs Tablet fühlte sich voll und ganz durchdacht an, überall gab es tolle, sinnvolle Features zu entdecken, die Sinn machten. Die Integration des Stiftes in den Workflow war damals innovativ umgesetzt und nicht einfach eine nette Dreingabe. Sie war essenziell. Aber vielleicht ist es halt auch einfach so: Das Note 8.0 war damals schon so konsequent, dass man nicht mehr viel Neues bieten kann, was sich bahnbrechend anfühlt. Besitzer von iPads nehmen diesen Umstand ja fast jährlich hin. Die tatsächlichen, konzeptionellen Neuerungen einer jeden iPad-Generation muss man ja auch mit der Lupe suchen. Daher will ich dem Samsung Tab S3 doch noch eine Chance geben. Und mich mit leicht gebrochenen Herzen von seinem Urvater 8.0 verabschieden. Du warst von all den Geräten, die ich in meiner Lehrerlaufbahn hatte, das wichtigste. Ich habe deine Zuverlässigkeit bis zum Ende geschätzt. Und ich weiß, du wirst auch in der Rente einen anderen Menschen sehr glücklich machen!
Vale!20

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Von einer Episode aus dem Referendariat; Oder die Blogparade #refisbelike

Bob Blume hat zu einer Blogparade aufgerufen, die es dieses Mal in sich hat. Denn sie führt uns Kollegen zur Quelle unseres professionellen Schaffens zurück. Auf eine Reise in unsere beruflichen, mittlerweile von Nostalgie verklärten Anfänge, als wir voll waren von Idealismus und gleichzeitig von Selbstzweifeln geplagt. Kurz und gut: Es geht unter dem Hashtag #refisbelike ums Referendariat *insertdramaticdrumrolls* . Für uns alle eine prägende Zeit, eine Erfahrung irgendwo auf der Skala zwischen Traum und Trauma. Ich persönlich bewege mich eher in positiven Gefühlsgefilden, weil ich dank meiner Ausbilder und Seminaristen tolle Leute um mich hatte, die einander unterstützten, statt sich in Ränkekämpfen zu erschöpfen. Auch mit den Schülern klappte es in der Regel ganz gut. Auch wenn es nicht immer danach aussah – und gelegentlich einer vermeintlichen Katastrophe glich. Genau davon soll meine heutige Episode handeln. Sie ist all den Referendarinnen und Referendaren gewidmet, die kurz vor ihrer praktischen Ausbildung stehen – oder sich schon mittendrin befinden und eventuell am Hadern sind. Vielleicht erkennt ihr euch ja wieder…
Ich befand mich damals im letzten Ausbildungsabschnitt und erbte nach der Rückkehr an meine Seminarschule eine zehnte Klasse, die es in sich hatte. Es war eine der Klassen, die von Anfang an austestet. Die gleich in der ersten Stunde abklopft, wie sie sich zum Lehrer draußen am Pult positionieren wollte. Und das geschah in der Regel durch offensive Provokation. So wurde meine Mitreferendarin bei ihnen gleich in der ersten Stunde nach ihrer Körbchengröße gefragt. Meiner Vorgängerin aus dem letzten Jahr erging es sogar noch schlimmer. Sie hatte nach monatelangen Demütigungen und permanenten Entgleisungen von Schülerseite regelmäßig den Unterricht unter Tränen verlassen. Tja, und nun stand ich da. Mit all den Geschichten im Kopf, die mir im Vorfeld über die Klasse erzählt wurden. Die Übeltäter, die ich bis dahin nur vom Namen her kannte, bekamen beim Studieren des Sitzplans nun erstmalig ein Gesicht. Und das selbstgefällige Grinsen einiger Herrschaften in der Klasse ließ schon in den ersten Minuten nichts Gutes erahnen. Und so war es dann auch. Gleich nach meiner Vorstellung bekam ich vom Rädelsführer laut erklärt, dass ich von der Klasse nichts zu erwarten hätte. In Englisch seien sie grottenschlecht, da sie seit 3 Jahren nur Referendare gehabt hätten. Wie nett, dass ich auch einer davon war. Würde mir das heute passieren, hätte ich irgendeinen flapsigen Spruch drauf. Aber im Referendariat sollte über allem der Schein der Professionalität schweben. Deswegen tat ich das, was man uns beigebracht hatte: Nicht reagieren und weitermachen. So wie es halt alle anderen Refis tun. Und damit war ich so wie alle anderen. Und das ließen sie mich spüren.
Die ersten Stunden verliefen sehr schleppend. Ein Teil war sehr willig, aber die Alpha-Wölfe waren permanent damit beschäftigt ihr Revier zu behaupten. Hausaufgaben wurden nicht gemacht, Arbeitsphasen im Unterricht boykottiert oder mit Zwischenrufen lahmgelegt. Immer wieder wurden aus Mäusen Elefanten gemacht und sinnlose Diskussionen vom Zaun gebrochen, um absichtlich Unterrichtszeit zu vergeuden. Ich kam mit meinem Stoff nicht durch. Und das setzte mich zunehmend unter Druck. Immerhin sollte ich in dieser Klasse meine letzte Lehrprobe abhalten. Dafür musste die Chemie zwischen mir und den Kindern einfach stimmen. Danach sah es aber zusehends nicht aus. Die Situation verschärfte sich von Stunde zu Stunde nur noch mehr. Die Alphawölfe forderten in jeder Stunde hartnäckig ihr Recht auf Rede-  und Narrenfreiheit ein. Und ich konterte mit der typischen Beamtenkonsequenz eines Junglehrers: Ich schrieb – wie man’s halt so macht – Briefe an die Eltern, lud mir meine frechen Früchtchen zum Einzelgespräch nach der Stunde, formulierte meine Forderungen pädagogisch korrekt in Ich-Botschaften, die wir auf Seminartagen fleißig geübt hatten. Es nützte alles nichts. Auch Hinweise brachten nichts. Zu Nacharbeiten erschienen sie nicht. Verweise, die ich wegen groben Disziplinverstößen verschickte, kamen nie zurück, weil sie wohl in der Post „verloren gegangen“ seien. Es sah nicht gut aus. Und meine Laune, mich für so eine Lerngruppe weiter zu verausgaben, die sowieso alles doof fand und hinterfragte, ging spürbar zurück.
Und dann kam die Stunde, die auf einmal alles herumriss. Eigentlich war es eine Stunde wie jede andere auch: Thematisch nett, aber unaufregend: Unser Englischbuch hatte zum Thema Castingshows eine Doppelseite auf Lager und befasste sich mit der Frage, wie kurzlebig Stardom in Zeiten von DSDS und Popstars tatsächlich sein konnte – wie üblich aufgemacht mit dem stereotypischen Zeitungsartikel aus einer britischen Zeitung, zwei Bildchen aus American Idol und auf der rechten Seite zur Auflockerung des Themas dem Songtext von Money for Nothing der Dire Straits; ein Song, der Leuten, die außerhalb der 80er groß geworden sind, überhaupt nichts sagt. Also entschied ich mich, an das Thema anders heranzugehen. Ich wollte mir ältere Bilder von Stars zusammen suchen. Zum Einstieg ein paar, die den Kindern etwas sagen könnten, und auch ein paar unbekannte, um die Schüler ein bisschen in neue Gefilde zu führen und sie anhand des Bildes auf deren Vita schließen zu lassen. Eine kleine nette Übung, um die Schüler ein bisschen zum Reden zu bringen. Immerhin stand eine mündliche Schulaufgabe in ein paar Monaten auf dem Plan. Da kann man nicht früh genug mit dem Üben anfangen. Aber, oh Graus: Richtig gute Bilder fand ich online einfach nicht. Deswegen kramte ich meine gut sortierte 80er-Jahre-Schallplatten-Sammlung durch und packte vier Plattencover ein, auf denen die Sternchen meiner vergangenen Jugend in Großaufnahme zu sehen waren. Ich erinnere mich noch genau an das Quartett, das die Klasse in helle Aufregung versetzen sollte: Das Debütalbum von Kylie Minogue, Actually von den Pet Shop Boys, Das Best of von Wham! und dann – einfach weil es so furchtbar 80s war – You spin me round von Dead or Alive.

the 80s in their full glory

Es war vor allem dieses Cover mit Frontmann Pete Burns und seiner Pailetten-Augenklappe, das die Klasse in hellste Aufregung versetzte. Die Jungs waren völlig entsetzt ob der offensiven Androgynität seiner Person, die Mädels sichtlich beeindruckt von Frisur und Outfit. Und so entsponn sich in der Klasse während meiner geplanten Sprechübung eine riesige Debatte darüber, was für eine Vita so ein Mensch hinter sich haben muss, um sich für seine Debutplatte derartig ablichten zu lassen. Die einen vermuteten eine alien abduction, andere eine langjährige Karriere bei der Motorradgang der gay pirates. Andere dichteten ihm einen tragischen Unfall in seinem früheren Beruf als Torero an, bei der er sein rechtes Augenlicht verlor. Das Entsetzen steigerte sich, als ich zum Abschluss der Stunde noch das dazugehörige Musikvideo vorspielte, in dem Pete Burns mit Tanzmoves verstörte, die in jeder Disco zu wüsten Schlägereien führen würden. Er klapperte mit imaginären Kastagnetten, schüttelte einen Tadelfinger im Takt auf die verwunderten Zuschauer und kreiste lasziv mit seinen Hüften – komplett in einen fliederfarbenen Bademantel gehüllt. Die Klasse war… begeistert. Und wollte das Video nochmal sehen. Und nochmal. Sie verließen die Stunde mit den ersten Songzeilen auf den Lippen, googelten beim Herausgehen das Video mit ihren damals noch kaum internetfähigen iPhones 3S. Zurück blieb ich. Etwas erstaunt, wie gut das heute geklappt hatte. Ich hatte mit rein gar nichts gerechnet. Und das komplette Gegenteil bekommen. Das Eis war bestimmt noch nicht gebrochen. Aber es war geschmolzen. Und Pete Burns hatte den Anfang gemacht.
Daher baute ich ihn in den nächsten Stunden immer wieder in den Unterricht ein. Wir recherchierten, was aus ihm und seiner Band geworden war (eine entsetzte 10A: Er hatte sich in eine Frau umoperieren lassen), ich erwähnte ihn in Übungen zu indirekter Rede und if clauses. Beim Lehrervortrag kopierte ich seine Moves, tadelte geschwätzige Schüler mit der Burnschen Discohand, verdeutlichte wichtige Regeln mit den imaginären Kastagnetten aus dem Video. Als die mündliche Schulaufgabe heranrückte und wir mit Mock Exams begannen, schmückte sein Konterfei die imaginäre Schuluniform, die die Schüler in einem Rollenspiel dem Direktor als offizielles Outfit der Schule anpreisen sollten. Es lief auf einmal wie am Schnürchen. Die Zwischenrufe waren verschwunden, Hausaufgaben wurden gemacht. In der Lehrprobe explodierten sie mit guten Einfällen und erarbeiteten meine Tafelbilder quasi im Alleingang. Als die Stunde vorbei, rief einer der Alpha-Jungs deutlich hörbar in Richtung Prüfungskommission: „Also wenn das keine Eins war, dann haben die Leute dahinten keine Ahnung, was geiler Unterricht ist.“ Die Kommission verließ sichtbar verdattert das Klassenzimmer in Richtung Direktorat, um sich zu besprechen – und drei der Jungs folgten ihnen, um ihnen zu erklären, wie toll die Stunde für sie gewesen sei. Als ich dann tatsächlich die Eins in der nächsten Stunde verkündete, erhielt ich die ersten Standing Ovations meiner Lehrerlaufbahn. Ich war wirklich zu Tränen gerührt. Vor allem, da nun langsam das Ende meines Referendariats angekommen war und ich von der Klasse Abschied nehmen musste. Dabei hatten die Chancen so gut gestanden, dass ich von meiner Seminarschule ins Stammpersonal übernommen werde. Der Bedarf für meine Fächer hatte eine Planstelle nötig gemacht, ich war namentlich von meiner Schulleiterin angefordert worden. Aber es half nichts. Man schickte der Schule zwei Referendare – und ich war raus. Leider. So läuft nun mal das System. Und so konnten wir nichts weiter tun, als uns Mitte Februar zu verabschieden. Bei einer riesigen Karaoke-Party, für die ich mein komplettes XBox 360-Equipment in die Schule schleppte. Inklusive zweier Plastikgitarren, Mikro und Schlagzeug, mit denen wir bei selbst gemachtem Kuchen sangen, schrammelten und trommelten. Der Höhepunkt der Zeremonie war allerdings mein Abschiedsgeschenk, für das die Klasse komplett zusammengelegt hatte. Sie hatte die imaginäre „Schuluniform“ aus dem Rollenspiel von vor ein paar Monaten kurzerhand in Eigenregie nachdesigned und in einem Laden nachdrucken lassen. Das T-Shirt habe ich heute noch. Einfach nur, um es gelegentlich hervorzuholen und mich noch einmal an diese Klasse und unseren Werdegang zu erinnern. Hinter das Geheimnis das Erfolgs in dieser Klasse bin ich bis heute nicht gekommen. Vielleicht habt ihr ja eine Idee. Am besten in den Kommentaren 🙂

 

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No strings attached: Neue Runde bei den Streaming Sticks

Und da war es wieder, ein neues Kapitel der immer währenden Suche nach dem perfekten Medien-Setup im Unterricht. Nachdem der EZCast Pro durch ein Firmware Update nur noch über nervige, Zeit raubende Umwege zum Screen Mirroring zu bewegen war, ging das Forschen nach einem guten HDMI-Stick wieder von vorne los. Nach der kabelgebundenen Variante mit Hilfe eines Adapters, dem Samsung AllShare Cast-Dongle, dem EZCast und dem EZCast Pro war damit der Ring frei für Runde 5 (!!), um mir das Seelenheil wieder zu geben, das mir zwei Jahre mit der EZCast Pro-Lösung gegeben war.

Ich hatte sie alle – meine Tablet-Beamerlösungen über die Jahre: kabelgebunden dank MHL-Adapter, Samsungs AllShare Cast Dongle, EZCast, EZCast Pro und jetzt der Wireless Display Adapter von Microsoft

Zum Glück war wieder mal Verlass auf meine Kollegen bei Twitter, die mir auf mein Klagen sofort Antwort gaben. Und wieder war es Matthias Heil, der mir damals schon mit dem Tipp des Samsung All Share Cast-Dongle den Weg ins kabellose Arbeiten gezeigt hat. Auch dieses Mal hatte er einen Tipp auf Lager. Und der hieß Microsofts Wireless Display Adapter. Ich kannte die Dinger schon aus der Werbung, hatte sie aber nie wirklich als nennenswerte Alternative auf dem Schirm, da ich sie für ähnlich system-exklusiv gehalten habe wie Apple Produkte. Kommt ein Microsoft-Hardware-Dongle mit Android-Geräten aus? Die Frage ließ sich nur im Praxistest beantworten. Und nach der Zahlung von weiteren 45€, die das gute Stück gekostet hat.
Der Adapter kommt im typisch kubischen Design daher, mit dem Microsoft schon seit ein paar Jahren seine Produkte und Logos ausstattet. Das hübsche Ding verfügt über zwei Anschlüsse: einmal einen HDMI-Anschluss, der an den Beamer kommt, und dann einen USB-Anschluss, über den der Dongle den nötigen Strom bezieht. Völlig ohne Kabel wie beim EZCast Pro, der dank MHL komplett ohne Strippensalat auskam, geht das also nicht vonstatten. Dafür ist das Kabel angenehm kurz und in den Adapter integriert. Das umständliche Herumschleppen von HDMI-, USB-Kabel und (schlimmstenfalls) Netzgerät entfällt also. Für den Fall, dass aber die Verbindung durch Kabelbruch irgendwann einmal beeinträchtigt wird, kann man den kompletten Dongle wegwerfen. Ärgerlich, aber von der Fertigung her macht der Adapter den Eindruck, als ob er schon ein paar Jährchen halten wird.
Wichtiger ist für mich allerdings die Verlässlichkeit. Wie schnell verbindet sich der Stick mit einem mobilen Gerät? Verbindet er sich überhaupt? Und wie schnell lässt er sich wieder verbinden? In a nutshell? Schnell, ja, schnell.
Im Vergleich mit allen anderen Lösungen, die ich bisher am Beamer benutzt habe, verbindet sich Microsofts Wireless Display Adapter tatsächlich am schnellsten. Bei mehreren Testläufen stand die Verbindung unterhalb einer Minute. Und zwar ausnahmslos. Verbindungsprobleme gab es beim Austesten nur ein einziges Mal mit einem Gerät, das auf der derzeit aktuellsten Android-Version (Nougat) läuft. Aber seit dem gibt es überhaupt kein Problem mehr. Mit keinem der Geräte. LG, Samsung, Huawei oder Medion – der Dongle zeigt sich erfreulich kontaktfreudig und schließt über Miracast-Standard in Windeseile Freundschaft, der in Android ab Version 4.2 ab Werk integriert ist bzw. war. Da war der EZCast Pro schon etwas wählerischer, der Samsung AllShare Cast Dongle natürlich auf hauseigene Produkte fixiert. Hat mich sehr gefreut. Ebenso wie die Möglichkeit der Wiederverbindung. War beim EZCast Pro das Verbinden mit dem Dongle nur für zwei Minuten möglich, ist der Microsoft Adapter permanent auf Brautschau. Will man sich im Unterricht also wieder mit dem Dongle verbinden, aktiviert man das Screen Mirroring/Smart View/Miracast auf dem Tablet und hat nach spätestens 10 Sekunden eine Verbindung.

Fazit: Sieht nach einer neuen wunderbaren Freundschaft aus. Der Wireless Display Adapter tut das, was er soll – unkompliziert, ohne zusätzliche Apps und Stolpersteine. Hoffen wir mal, dass nicht auch Microsoft sein Produkt mit einer neuen Firmware versaut.

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Buchtipp: Die Etrusker

Jetzt in den Weihnachtsferien, wo ich endlich auch mal wieder Zeit und Muße finde, bin ichdurch meine Buchbestände gewandert, um ein bisschen herumzuschmökern. Dabei fielen mir „Die Etrusker“ von Friederike Bubenheimer-Erhart in die Hände, das ich mir letztes Jahr gekauft und fast schon ein bisschen vergessen hätte – wenn mir dieser prächtige Bildband mit seinen imposanten Ausmaßen nicht sofort ins Auge gefallen wäre. Zum Glück!
Die Etrusker fallen im Lateinunterricht bei Schülern wie auch Lehrern gerne in die Kategorie terra incognita. Dass es dieses mysteriöse Volk gegeben hat, lange bevor sich Rom zu einer Weltmacht aufschwang, und in vielerlei Hinsicht Vorbild für die römische Kultur und Zivilisation darstellte, wie wir sie kennen – das ist hinlänglich bekannt. Aber weder in Studium noch im Unterricht kommt man groß mit der Kultur dieser Völker in Berührung – und wenn, dann nur über griechische und vor allem römische Quellen, die eine recht subjektive Sicht auf die Etrusker, ihre unterlegenen Rivalen, bieten. Mit diesem Wust aus dürftigen Halbwahrheiten räumt genau dieser Titel auf.
Friederike Bubenheimer-Erhart geht in knapp 200 Seiten auf alle wichtigen Bereiche dieser echten Hochkultur ein: Geographische Lage ihres Herrschaftsgebietes, regionale Disparitäten in der Besiedlung, Gepflogenheiten in ihrem sozialen Gefüge, ihre Vormachtstellung in Architektur und Nautik, die sie in Windeseile zu einer wichtigen Seemacht werden ließen, ihre Religion, ihre legendär rätselhafte Schrift und Sprache, ihre Kämpfe und Zwiste mit anderen Völkern auf der Halbinsel werden ebenso beleuchtet wie ihr Machtverlust und die letztliche Integration in das römische Reich, wo ihre Erinnerung allmählich verblasst und in Vergessenheit gerät. Sogar der philologischen Wiedererweckung der Etrusker in der Forschung ist ausreichend Platz gewidmet und lässt miterleben, wie sich eine wissenschaftliche Disziplin allmählich emanzipiert und über die Jahrhunderte die Wahrheit über ein Volk wiedererweckt, das von der Geschichtsschreibung ausgesprochen ungerecht bewertet wurde. Das machen auch die prächtigen Abbildungen deutlich, mit denen der Band reichlich geschmückt ist. In Seiten füllender Größe trifft man auf eindrucksvolle Büsten, filigran gearbeitete Fibeln, Gemmen, Trink- und Vasenmalereien, vollfarbige Fresken, Terrakotta-Statuen, toll ausgeleuchtete Innenaufnahmen von Nekropolen und Schachtgräbern, Urnen und Möbelstücke, die jedes Detail dank der Buchausmaße ( 33,5cm x 22,5cm) erkennen lassen.

Diese sind nicht einfach nur nettes Beiwerk, sondern allesamt in den Texten zu finden und ergänzen so den Gesamteindruck. Toll hierbei, wie die Autorin allein aus den Beobachtungen an diesen Objekten wissenschaftlich fundierte Rückschlüsse präsentiert. Sie grenzt ganz bewusst ab, welche Fakten über die Etrusker Märchen und welche tatsächlich verifiziert sind und macht das an den Realien eindrucksvoll deutlich. Das alles in angenehm unaufdringlichem Schreibstil, der ohne profilierungsneurotischen Firlefanz auskommt, dem solche Publikationen gerne mal in unangenehmer Weise anhaften. Das macht „Die Etrusker“ auch für Leute interessant, die kein klassisches Philologiestudium hinter sich haben. Daher eine dicke Leseempfehlung!
Erschienen ist der Band bei Philipp von Zabern im Jahre 2014.

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Merry Christmas

Frohe Weihnachten euch allerseits! Möget ihr das Brennen im Dezember ausnahmsweise mal den Kerzen überlassen 🙂

 

 

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