Die neue Riege

Wenn man so die ersten Jahre als Lehrer hinter sich hat und die ersten Jahrgänge zum Abitur führt, geht es so langsam los mit den Wiederholungseffekten. Nicht nur, dass man die Lehrbücher irgendwann auswendig kennt und schon zwei Wochen vorher angesichts der drohenden Lektion mit den Augen rollt. Auch die Typen der Schüler beginnen sich ein bisschen zu wiederholen. Nicht nur im Aussehen, sondern auch in der Stimme, im Schriftbild oder den Gesten. Aber keiner meiner Schüler war jemals so wie der kleine Johnny in meiner neuen fünften Klasse. Er ist völlig anders als die anderen.
Mit gerade mal acht Jahren ist er der absolut Jüngste in der Klasse. Mit seinen Beinen reicht er auf dem Stuhl sitzend noch nicht mal ansatzweise zum Boden und lässt sie munter in der Luft baumeln. Wenn er sich besonders wohlfühlt, hockt er sich in Kauerstellung auf die Sitzfläche verschränkt die Arme vor dem Gesicht und schaut listig darunter hervor. Er gibt kluge Antworten, keine Frage, aber jedes Mal hat man das Gefühl mit einem anderen Kind zu reden. Er spricht jedes Mal mit verstellter Stimme, verstelltem Akzent. Mal mit fiepsiger Fistelstimme, dann mit vermeintlich männlich sonoren Brustton. Hat er Material zu Hause vergessen, behauptet er eisern und mit verschwörerischer Miene, er wollte sein Lateinheft in der Frühe wecken, aber es hat einfach weitergeschlafen. Und da er es in einem Gnadenakt kurzerhand zuhause gelassen. Wie kann man da böse sein?
Der Höhepunkt folgte letzte Woche, als ich krankheitsbedingt für zwei Tage ausfiel und der Klasse halb gesundet am Mittwoch die Türe zur ersten Stunde aufsperrte. ZACK! kam der Kleine mit einem Freudenschrei auf mich zugestürmt und umklammerte freudestrahlend mein Bein.
Wenn sie doch nur immer so blieben 🙂

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EZcast Pro II

Der EZCast Pro ist bei mir im Unterricht nun seit geraumer Zeit erfolgreich im Einsatz und gehört neben Tablet und Beamer zum festen Bestandteil meines Hardware-Setups, das über die Jahre immer weiter verkleinert bzw. optimiert wurde. Da der erste Teil meines Testberichtes regelmäßig die Spitzenposition in den Besucherzahlen erreicht, wird es endlich mal Zeit für Teil 2 meines Reviews, das auf die Sonderfunktionen der „Profi“-Variante des EZCast eingeht. Denn das Streamen von Inhalten auf einen Beamer gehört zum Standard-Repertoire eines jedes EZCast-Sticks. Was ist denn so Pro an dem Gerät?

Nun ja, eigentlich handelt es sich hier – neben den leicht verbesserten Hardware-Spezifikationen – nur um ein einziges wirklich nennenswertes Zusatz-Feature: Nämlich das gleichzeitige Darstellen von Bildschirminhalten verschiedener Geräte. Mal schauen, wie sehr sich diese Funktion für den Unterricht nutzen lässt.

Kontaktaufnahme

Wer mit dem EZCast schon mal gearbeitet hat, weiß um die verschiedenen Modi, in denen der Streaming-Stick operieren kann. Für mich hat es sich am praktikabelsten erwiesen, das Gerät im EZMirror-Modus hochfahren zu lassen, sodass ich beim Tablet oder Handy jeweils nur noch das Screen Mirroring bzw. Miracast aktivieren muss (siehe Teil 1 des Reviews). Das geht wirklich fix: Nach knapp einer Minute steht die Verbindung, ohne dass man sich umständlich über die EZCast App mit dem Stick verbinden muss. Will man die Bildschirmteilung des EZCast Pro nutzen, ist das aber leider unumgänglich, da diese Option nur in der App selbst angeboten wird. Direktes Streaming über Drop-Down-Menüs kann man also vergessen. Vielmehr muss man folgendermaßen vorgehen:

  • EZCast Pro am Beamer aktivieren
  • EZCast Pro App öffnen und auf eine Verbindung warten: Das kann mitunter schon ein bisschen dauern. Komischerweise habe ich es wirklich erlebt, dass die hauseigene App in Sachen Kontaktaufnahme deutlich unzuverlässiger arbeitet als wenn Tablet und EZCast Pro direkt miteinander kommunizieren. Zum Glück ist durch mehrere Firmware-Updates, die 2016 in regelmäßigen Abständen auf den Markt kamen, dieses Problem zu einem großen Teil in den Griff bekommen worden.
  • Auswählen des Mehrfach-ScreeningAuf dem Beamer erscheinen dann die verfügbaren Bildschirmabschnitte, die mit maximal drei weiteren Geräten (das Tablet besitzt als Host von Anfang an einen Bildschirmabschnitt) befüllt werden können. 
  • Verbindung weiterer Geräte mit dem EZCast Pro
    Wer mit seinem Mobilgerät einen der maximal drei Bildschirmausschnitte am Beamer ergattern will, muss sich zunächst mit dem EZCast Pro verbinden.  Auch hier führt kein Weg an der App vorbei, die auf jedem der zu verbindenden Geräte vorhanden sein muss. Leider. Für jeden Verbindungsversuch mit dem EZCast Pro bekommt der Host-Betreiber der Verbindung eine Benachrichtigung, die bestätigt werden muss, damit der Zugang gewährt werden kann.

Jedes Gerät, das sich über die EZCast Pro-App mit dem Gerät verbinden will, muss beim Host-Gerät um Erlaubnis fragen.

Die Bildschirmfläche lässt sich in maximal vier Abschnitte einteilen. Tätig ist in der Abbildung nur die Foto-Funktion im oberen rechten Abschnitt. Die unteren beiden warten noch auf zwei weitere Geräte, der Ausschnitt oben links ist mit einem Gerät verbunden, das allerdings noch keine Medien an den EZCast Pro geschickt hat.

Anschließend teilt sich die Bildschirmfläche in bis zu vier Abschnitte.
Danach kann man aus dem EZCast-Menü das Medium auswählen, das man an den Beamer schicken möchte. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Ab jetzt ausgeschaltet ist allerdings das Echtzeit-Streaming. Möglicherweise ist der EZCast Pro mit dem simultanen Streamen von maximal vier Geräten etwas überfordert.  Andererseits aber auch logisch: Mehrfach-Streaming macht natürlich nur mit „stummen“ Medien Sinn, wo nicht vier Audioströme parallel vermischt werden, bis man gar nichts mehr versteht. Bei Bildern, Dokumenten, Web-Pages oder der Kamera funktioniert das allerdings wunderbar.  Schauen wir uns mal die interessantesten Einsatzmöglichkeiten an:

Fotofunktion
Fotos aus den Galerien lassen sich mühelos von einem Endgerät auf den EZCast Pro streamen. Dabei stehen zum Markieren rudimentäre Annotierungstools zur Verfügung, mit denen man zoomen, unterstreichen und markieren kann. Transparenz und Dicke der Pinselstriche lassen sich einstellen. Auch mit vier Bildausschnitten gleichzeitig.

Neben dem bloßen Präsentieren sind so ein paar sehr pfiffige Möglichkeiten möglich: Man kann Zeichnungen aus vier Gruppen in vier Ausschnitten zu einer Bildergeschichte zusammenbauen lassen, Vokabeln darstellen, aus denen die Klasse eine Reizwortgeschichte erstellen soll oder simultan Montagsmaler im Fremdsprachenunterricht spielen. Natürlich funktioniert dieses Zuckerl nur, wenn die Klasse die EZCast Pro App auf ihrem Mobilgerät dabei hat. Ohne die läuft überhaupt nichts.

Dokumentenfunktion
In maximal vier Bildschirmen lassen sich Dokumente im PDF- oder Doc-Format an den EZCast Pro schicken und dem gespannten Publikum präsentieren. Wie schon bei Bildern lässt die App dabei rudimentäre Bearbeitungsfunktionen zu. So kann man mit einem digitalen Stift, den man in Farbe und Größe variieren kann, direkt in Dokumenten hineinschreiben und -malen; an sich ein nettes Feature, das aber an einem ziemlichen Manko krankt: Vor allem Schriftdokumente lassen sich in ihrer Originalgröße kaum entziffern, sodass die Dateien permanent in einer hohen Zoomstufe eingestellt sein müssen. So passiert es schnell, dass man hektisch Zeilen hin- und herzoomen und -schieben muss, um bei einer angenehmen Lesegröße jeweils das Ende einer Zeile erkennen zu können. Besonders im Split-Screen, wo man z.B. Schülerarbeiten parallel begutachten und analysieren könnte, ist das ein grobes Manko.

Dokument im Quattro-Bildschirm-Modus oben links. Wer soll das lesen? Richtig. Keiner…

Kamerafunktion
Auch wenn es vermutlich die Hölle auf Erden für einen Streaming-Stick darstellt, parallel Bildsignale von vier Geräten zu verarbeiten, kommt der EZCast Pro damit erstaunlich gut klar. Vorausgesetzt, man lässt die Qualität der Kamera auf dem voreingestellten „Low Quality“, sonst wird die Darstellung eine arg ruckelige Angelegenheit. Alles andere klappt prima. Man kann mühelos von der Rück- zur Frontkamera wechseln, das Bildsignal zu Standbildern einfrieren und bearbeiten. Alles in Allem eine nette Spielerei, die man sich auch im Unterricht gut zunutze machen kann. 

Mit der Live-Kamera können vier Geräte parallel filmen und die Bilder in Echtzeit auf den Bildschirm übertragen. Am oberen Rand die Optionen: Einstellen von Filmqualität und Wechseln von Kamera

Musik- und Videofunktion
Beide Funktionen sind für den Mehrfach-Betrieb ausgeschaltet. Und wer mal in einem Klassenzimmer mal 20 Handies gehört hat, die alle völlig verschiedene Songs aus ihren Dosenlautsprechern in den Raum plärren, weiß auch warum. In der Regel schaltet der EZCast Pro für diesen Modus aus dem Mehrfach-Screening um und spielt brav von dem einen der vier Geräte ab, das zuerst Daten abgefeuert hat. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Browser
An sich klingt das ja ganz nett, parallel zu einem Thema im Netz suchen zu lassen und die Ergebnisse auf einem Beamer zu präsentieren. Leider ist der App-interne Browser nicht wirklich leistungsfähig. Der Aufbau einer Seite dauert ewig, in einem Großteil der Fälle konnten die Seiten noch nicht einmal komplett geladen werden. Damit ist diese Funktion der App im Mehrfach-Screening-Modus leider unbrauchbar. Das haben wohl auch die Macher des EZCast Pro eingesehen und diese Option in den jüngeren Versionen der App rausgeworfen. Gut so, die wird wirklich niemand vermissen. 

In der neuen Version des EZCast Pro Software ist der vermaledeite Browser nicht mehr zu finden.

Mein Fazit
Wenn es jetzt speziell um die Sonderfunktionen geht, die der EZCast Pro der regulären Variante voraus hat, hat sich bei mir über die Monate eine gewisse Ernüchterung breit gemacht, weil das so hochgelobte Mehrfach-Screening nur für gewisse Funktionen (zufriedenstellend) läuft. Der Mehrwert, der dieses Feature für den Unterricht bringt, ist nett, aber nutzt sich in seiner Wirkung recht schnell ab. Vor allem, wenn der Stick in diesem Modus deutlich fehleranfälliger ist als im regulären Screen Mirroring und gerne mal ins Stottern oder gar in die Schockstarre gerät, wenn es ihm zu viel wird.
Abraten würde ich von der Pro-Version dennoch nicht. Im regulären Betrieb ist er deutlich zuverlässiger als das ursprüngliche Modell, mit dem ich damals meinen Unterricht bestritten hatte. Und die Möglichkeit, den Stick ohne zusätzliche Stromkabel in Betrieb zu nehmen – MHL vorausgesetzt -, hält meine Tasche schön schmal.

 

 

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Von blankem Horror

Es dürfte irgendwann um 1997 gewesen sein. So richtig kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber ich dürfte damals in der Oberstufe gewesen sein.  Ich spazierte damals vergnügt zur dritten Stunde in die Schule. Die ersten beiden Stunden waren ausgefallen, und mein Schultag würde so mit dem Leistungskurs Latein beginnen. Als ich den Raum betrete, scheint alles wie immer. Ich sehe die ganzen Leute vor mir, in eben der Sitzordnung, wie sie für unseren Kurs üblich war. Alle waren schon eingetrudelt und in aufgeregte Gespräche verwickelt. Mein bester Freund redete mit hochrotem Kopf auf seinen Vordermann ein, griff sich regelmäßig in die Haare, kritzelte auf einem Blatt Papier herum, radierte, murmelte. Ich nehme rechts von ihm Platz und entziffere aus dem Gekritzel mathematische Formeln, allem Anschein nach etwas zum Thema Kurvendiskussion. Zu Beginn kann ich mir einen amüsierten Kommentar nicht verkneifen. Ich ernte aber nur entgeisterte Blicke. „Unsere Matheklausur gerade war dermaßen schwer, ich kann da von Glück reden, wenn es noch vier Punkte werden“, zischt mir mein Freund entgegen, bevor er sich wieder seinem Vordermann zuwendet und hektisch Ergebnisse vergleicht. Im ersten Moment registriere ich das noch gelassen, bis ich von meinem Freund zugeraunt bekomme „Ich hoffe, eure Klausur war einfacher.“
Unsere Klausur? Ich stutze. Ich habe heute keine Matheklausur geschrieben. Ich bin ja gerade erst in die Schule gekommen. Zur dritten Stunde. Die ersten beiden Stunden waren doch ausgefallen… oder? Ich werde etwas unruhig und schaue mich im Klassenraum nach Leuten um, die in meinem Mathekurs sitzen, um mich dessen zu vergewissern. Aber ich bin hier der einzige. Die nächsten 45 Minuten der Lateinstunde nehme ich nur physisch wahr. Im Kopf drehen sich Fragen über Fragen. Oder eher gesagt nur eine einzige: Habe ich etwa gerade eine Matheklausur verschlafen? Nein, das kann nicht sein, sowas passiert mir nicht. Die Termine sind Wochen vorher bekannt gegeben worden. Ich hätte mich hundertprozentig darauf vorbereitet. Andererseits ist es bei uns in der Oberstufe üblich, dass die Mathekurse am selben Tag parallel ihre Klausuren schreiben. Und neben mir wird gerade heftigst über eine eben geschriebene Mathearbeit diskutiert. Ich werde zunehmend unruhiger, rutsche auf meinem Stuhl hin und her und starre mit leerem Blick auf die Uhr, auf dass sie die 45 Minuten schneller vergehen lasse. Ich muss jemanden aus meinem Mathekurs finden und mir Klarheit verschaffen.
Als der Gong ertönt, bin ich der erste, der wie von der Tarantel gestochen aufspringt und zur Klassenzimmertür hechtet. Im Gang schieben sich bereits Massen von Leuten durch die Schule. Unterstüfler, Mittelstüfler, ein paar Lehrer – und irgendwo mittendrin Manfred. Wir nannten ihn aufgrund seiner körperlichen Statur schlicht und ergreifend „Bäpf“. Er sitzt in meinem Mathekurs  zwei Reihen hinter mir und ist für die nächsten Sekunden der Mann, der diesen Tag in eine Katastrophe oder riesige Erleichterung verwandeln kann. „Bitte sag mir nicht, dass wir heute eine Matheklausur geschrieben haben“, keuche ich ihm entgegen, als ich mich durch die Schülermassen gewühlt habe und endlich bei ihm ankomme. Seinem Gesichtsausdruck kann ich die Antwort schon ablesen. „Sag mal, wo bist du denn gewesen? Wir haben alle auf dich gewartet! Hast du die Verlegung des Termins nicht mitbekommen“ fragt Bäpf ungläubig. „Das wissen wir doch schon seit der ersten Woche des Schuljahres!“
Und da merke ich, wie es mir den Boden unter den Füßen wegzieht. Da haben wir den Salat. Ich habe wirklich eine Klausur verpennt. Ich bin in der Kollegstufe eines Gymnasiums und habe eine der wichtigsten Prüfungen auf dem Weg zum Abitur schlichtweg vergessen. Unentschuldigt gefehlt am Tag einer angekündigten Prüfung bedeutet bei uns in Bayern automatisch 0 Punkte. Note 6. Damit setze ich meinen guten Abischnitt aufs Spiel. Nein. Falsch. Damit IST der gute Abischnitt aufs Spiel gesetzt. Die Sechs habe ich sicher. Mit pochendem Herzen und dem wohl tomatigsten Gesichtsrot, das es jemals an meiner Schule gegeben hat, begebe ich mich in das nächste Klassenzimmer, gehe im Kopf durch, wie ich das meinem Mathelehrer erklären soll, der ja ohnehin als ein harter Hund gilt. Oder meinen Eltern. Und vor allem mir selbst. So eine Kopflosigkeit kenne ich von mir überhaupt nicht. Wie konnte das passieren, dass mir diese Terminverlegung durch die Lappen gegangen ist? Ich bin so in Gedanken verloren, dass ich gar nicht registriere, in was für einem Unterricht ich überhaupt sitze. Ich suche im Raum nach dem Lehrer des Kurses, um zu sehen, ob ich nicht schon wieder etwas verschusselt habe und blicke Richtung des Lehrerpultes. Dort sitzt aber nicht einer meiner Lehrer. Dort sitzt einer meiner jetzigen Kollegen.
Und dann wache ich auf. Jedes Mal. An genau dieser Stelle. Alle drei bis vier Monate kommt dieser Traum. Ich durchlebe jedes Mal die gesamte Achterbahn der Gefühle. Die Panik, als ich merke, was passiert ist, die Unruhe, meine Selbstgeißelungen. Und letztlich die endlose Erleichterung, wenn ich merke, dass ich im Jetzt des Jahres 2017 aufgewacht bin – mit einem Abi und zwei Staatsexamina in der Tasche. Warum es jedes Mal die Mathematik ist, die mir diesen Horror einbringt, kann ich nicht sagen. Ich war in Mathe immer solide. Nicht brilliant, aber passabel. Und trotzdem hat sich da bei mir irgendwie ein kleines Trauma festgesetzt, das mich viermal im Jahr um den Schlaf bringt.
Verrückt, wie sich Schule auch noch nach Jahren bei uns festsetzen und wüten kann. Ich hoffe, dass keiner meiner Schüler wegen mir so etwas durchleben muss…

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Von Arbeitsblättern mit Format

Wenn es auf diesem Blog einen Award für den oberflächlichsten Artikel überhaupt geben sollte, dann wäre dieser hier ein heißer Anwärter. Denn dieses Mal geht es ausschließlich ums Aussehen. Nämlich dem von Arbeitsblättern. Ich weiß, ich weiß, never judge a book by its cover, aber wie soll man ein Arbeitsblatt ernst nehmen, das vom Layout aussieht wie aus  Krusty’s Playhouse?
Wenn man so all die Arbeitsblätter in der Schule vor seinem geistigen Auge Revue passieren lässt, muss ich schon eingestehen, dass es doch einige Kreationen gab, mit denen das Lernen nicht wirklich leichter wurde bzw. völlig unmöglich war; zum Beispiel die guten alten Blaupausen, mit denen ich noch bis Mitte der 90er als Schüler gequält wurde. Die Dinger waren auf mausgraues, seltsam glatt-glibberiges Papier gefertigt, auf das die Schreibmaschinenseite in blauen Buchstaben aufgedruckt wurde. Und das in der Regel entweder schief oder so verrückt, dass Buchstaben, Sätze, ja teilweise ganze Absätze fehlten. Oder die orgiastischen Schriftart-Experimente, als die PCs auf Lehrerschreibtischen Einzug hielten. Jede Überschrift in einem neuen Font oder gar Wordart in Bögen, Schlangenlinien, mehrfarbig, gespiegelt, geschraubt und darunter am besten ein Fließtext in Comic Sans. Das Worst Case Scenario, das wir sogar von Dozenten im Studium noch so präsentiert bekommen haben.
Zum Glück hatte ich im Referendariat einen ganz wunderbaren Seminarlehrer, der uns in dieser Hinsicht schnell den Kopf zurecht gerückt hat: Das Arbeitsblatt ist die Visitenkarte eines Lehrers. Das Layout sollte in sich stimmig, schlicht und erkennbar sein. Ein Blick darauf und es ist klar: Das ist von Herrn/Frau Sowieso. Und darauf habe ich spätestens ab dem Zweigschuleinsatz geachtet. Mein Layout für Arbeitsblätter ist seitdem immer dasselbe. Und das erleichtert auch das Erstellen von neuen Arbeitsblättern ungemein.

Die Qual der Wahl

Das Auffinden von geeigneten Schriftarten ist eine sehr individuelle Sache, in die man auch Unmenge an Zeit versenken kann. Es geht ja nicht nur darum, schöne Fonts zu finden, sondern auch um das Zusammenspiel. Bilden die Schriftarten im Layout eine Einheit oder nicht? Zum Glück gibt es mittlerweile eine große Menge an Seiten im Netz, die bei der Suche entweder wertvolle Tipps geben oder sogar in ihren Augen gelungene Font-Ensembles vorstellen, von denen man sich inspirieren und im besten Fall sogar klauen kann, um sie für sich zu nutzen. Ich persönlich kann die Ensembles von canva sehr empfehlen, mit dem ich schon seit langer Zeit arbeite, wenn es um das Gestalten von Plakaten oder Flyern geht. Unter Layout und Text findet man dort verschiedene Zusammenstellungen von Schriftarten, die gut zusammenpassen.

canva.com hat ein gutes Auge für schöne Fonts

Diese Schriftarten lassen sich in der Regel auch im Netz als Font-Datei finden, installieren und künftig auch in eigenen Schriftdokumenten verwenden. Dass diese Zusammenstellungen selten mehr als drei Fonts beinhalten, ist gewollt. Denn zu viele Schriftstile zerschlagen den optischen Eindruck in Windeseile. Ich persönlich habe mir angewöhnt, für meine Arbeitsblätter immer ein Ensemble aus drei Schriften zu nutzen. Für die Kopfzeile, für die Überschrift und schließlich für den Fließtext mit der eigentlichen Information.

meine verwendeten Fonts in Arbeitsblättern

Handarbeit mit Formatvorlagen

Diese Schriftarten speichere ich mir als Formatvorlage in einem Template, die Grundlage eines jeden Arbeitsblattes ist. In einem Fenster (Standardmäßig an der rechten Seite des Bildschirms oder unter „Eigenschaften“ auf dem Icon oben rechts abrufbar) ist dort genau festgelegt, welche Schriftart, Größe, Farbe und Zeilenabstand genutzt werden soll, wenn ich im Dokument einen Text als Titel, als Fließtext oder Zwischenüberschrift definiere. Diese Vorlagen kann man sowohl bei Word als auch bei Open Office entweder neu definieren oder bestehende anpassen. Ich habe mich irgendwann für letzteres entschieden, damit die Anzahl der Formatvorlagen innerhalb eines Dokumentes übersichtlich bleibt.

Über den markieren Button kann man sämtliche Parameter einer Vorlage neu definieren. Im Bild die Formatvorlage für Zitate in einem Dokument

Formatvorlagen, die ich nicht benötige, wie zum Beispiel verschiedene Entwürfe für Überschriften (Open Office hat in der Standard-Vorlage bis zu zehn Formate für Überschriften) lösche ich oder verberge ich, soweit es die Textverarbeitung zulässt.

Ungewollte Formatvorlagen kann man in der Regel mit einem Rechtsklick aus der Liste verschwinden lassen.

Mein Template ist im Vergleich zu dem Standard-Template deutlich verschlankt und beinhaltet lediglich  Formatvorlagen für Kopfzeile, Fußzeile, Fußnote, Überschrift, Zwischenüberschrift und schließlich den Fließtext. Wer viel mit Abbildungen arbeitet, kann ebenso auch Vorlagen für Bildunterschriften hinzufügen. Ist man mit der fertigen Vorlage zufrieden, wird das Dokument einfach als Vorlage abgespeichert und ist ab jetzt jeder Zeit unter Vorlagen abrufbar (in Libre Office unter „Datei > Neu > Vorlage…“). Voilà!

Wenn jemand hier noch ein paar nützliche Tipps zur Erstellung von Arbeitsblättern mit Hilfe von Formatvorlagen hat – seien es praktische Erfahrungen oder Literaturtipps in Form von Webseiten oder Büchern -, darf er/sie sich gerne in den Kommentaren verewigen.

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Übers Reinemachen am Schuljahresende

Et iam finis erat! Die Ferien stehen auf einmal vor der Tür. Dieses Jahr habe ich es gar nicht so richtig bemerkt. Denn entgegen der öffentlichen Meinung passiert am Ende des Schuljahres definitiv mehr als „nichts“. Neben dem regulären Unterricht – oder dem, was nach Notenschluss und Bücherabgabe von Unterricht übrig bleibt – hatte ich die große Ehre, in einer Klassenkonferenz mehr über die Gesamtnoten der Kinder zu hören, sie in der Jahreskonferenz von sechs Stunden dingfest zu machen, die Zeugnisse meiner Klasse nachzurechnen, jedes Zeugnis meiner Schüler mit einem Text zu Verhalten und Mitarbeit zu versehen, Zeugnisse auszudrucken, Zeugnisse zu kollationieren, zu unterschreiben, mit meinem zweiten Klassleiter nochmal auf Fehler zu checken, den Wandertag zu organisieren und durchzuführen, den Museumstag zu organisieren und durchzuführen, eines meiner Projekte für den Projekttag zu organisieren und durchzuführen, mich beim Abischerz zum Affen machen zu dürfen, das W-Seminar Kunst über das Wochenende nach Venedig begleiten zu dürfen, beim Sommerfest den Eltern Rede und Antwort zu stehen, mehrere Proben des Lehrerchors zum Abschlussgottesdienst zu unternehmen, den Kindern die Zeugnisse auszugeben, kleine Geschenke der Schüler und Eltern entgegenzunehmen, mit der Klasse sämtliche Tische und Stühle aus dem Zimmer zur Endreinigung auf den Gang zu tragen und nun erleichtert und mit einem tiefen Seufzer das Klassenzimmer abzusperren. Bleibt mir letztendlich nur noch eine letzte Tat – und das ist eine ganz besondere, auf die ich mich jedes Jahr freue. Alte Akten vernichten 🙂
Hier in Bayern sind Lehrerinnen und Lehrer dazu angehalten, so genannte kleine Leistungsnachweise (wir nennen sie Stegreifaufgaben oder Extemporalien – vulgariter: Exen) für bis zu zwei Jahre aufzuheben. Unter anderem auch in unseren eigenen vier Wänden. Umso lieber gebe ich meine von Papieren belegten Quadratmeter gerne am Ende eines Schuljahres wieder frei. Nämlich an mich.
Um dabei nicht aus Versehen gewisse Tests zu früh zu entsorgen, habe ich mir angewöhnt, meine Tests in Boxen im Arbeitszimmer aufzubewahren. Jede der drei Boxen steht für ein Schuljahr und „rotiert“. Das bedeutet, dass ich die erste Box zu Beginn eines Jahres an die rechte Seite stelle und dort alle Tests stopfe, die im Laufe dieses Schuljahres zurückbekomme. Am Ende des Schuljahres rutscht dieses Box in die Mitte, um der leeren Box für das nächste Schuljahr rechts Platz zu machen. Kommt die Box dann zum Ende des zweiten Schuljahres ganz nach links, sind die zwei Schuljahre abgelaufen, und es kann mit dem Reinemachen losgehen.

Mein Aktenkarussell

Der Inhalt dieser Box landet dann im schulischen Schredder. Und nach 27 Minuten ist aus diesem Packen
das hier das geworden. Zwei Mülltüten mit schönstem Altphilologen-Konfetti.
Ich habe mir angewohnt, dieses Ritual möglichst bald am Ende vom Schuljahr durchzuführen und nicht damit bis zum Beginn des neuen zu warten. Zu groß ist die „Gefahr“, diesen Schritt dann als Zusatzbelastung zum neuen Schuljahr zu sehen und mit buchstäblichen Altlasten loszustarten. Wenn ich die Entsorgung gleich an den letzten Schultag stelle, hat das etwas Befreiendes, etwas Katharsisches, und ich kann mit 7 Kilo weniger in die Ferien starten.

 

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DIY: Eine Zitatwand zum Selberbasteln – Teil 1

Ein paar schöne Tage in der deutschen Hauptstadt gehen für mich zu Ende, und ich muss zugeben, dass ich die Andersartigkeit Berlins sehr genossen habe. Alles summt und brummt. Die Stadt ist so absolut anders als München, voll von neuen Eindrücken, Gerüchen, Kultur. Und sie weckt auch wieder ein bisschen die kreativen Säfte, die in letzter Zeit etwas bei mir geruht haben. Zum Beispiel regten sie sich beim Anblick dieser Schönheit: die berühmte Zitatlampe von Ingo Maurer, die man mit individuellen Zitaten bestücken kann und jedes Zimmer durch das vorgesteckte Papier in ein schönes gedämpftes Licht taucht. 

Für mein Arbeitszimmer ist dieses Kunstwerk zu groß – und ehrlich gesagt auch ein bisschen zu teuer. Aber selbst ist der Lateinlehrer, und so bin ich auf einen schönen neuen Gedanken gekommen, wie ich eine ähnliche Idee für mein Arbeitszimmer fruchtbar machen könnte:
Mein Büro befindet sich in einem Raum mit Dachschräge, die aufgrund ihres fiesen Winkels sehr heikel zu verschönern ist. Lampen hängen zu tief, Bilder krachen herunter, wenn man sie nicht mit hässlichen Haken an Ober- und Unterseite sichert. Aber eine Zitatwand auf dieser Fläche von 3×2 Metern – das hätte wirklich etwas. Und sogar noch viel mehr, wenn die Zitate nicht nur von mir stammen würden. Deswegen würde ich an dieser Stelle im Blog einen kleinen Aufruf starten. Ich würde meine Zitatwand gerne nicht nur mit meinen Lieblingszitaten schmücken, sondern auch mit denen meiner Mitmenschen, mit denen ich täglich im realen Leben wie auch digital zu tun habe. Auf diese Weise rückt meine menschliche Umwelt auf eine ganz bezaubernde Weise zusammen. Deswegen, wenn ihr interessiert seid, lasst es mich wissen und zeigt mir die Zitate, die eure Lebenswelt mitprägen bzw. mitgeprägt haben.
Die Vorgaben dafür sind eigentlich recht schnell gegeben: 

    • Das Papier, auf dem das Zitat geschrieben sein soll, soll die Ausmaße von ca. Din/A6 haben. Welche Art von Papier ihr nutzt, ist völlig egal. Weiß, marmoriert, mit Wasserzeichen, angegilbt, verfärbt, angekokelt. Je einzigartiger, desto besser.
    • Euer Zitat kann aus einem Buch, einem Song oder einem Gedicht stammen. Gerne auch in der Originalsprache, der Sprachenlehrer will ja was zum Knobeln und Inspirieren haben.
    • Die Art der Darstellung des Zitates entspricht voll und ganz eurem Geschmack. Egal ob mit Tinte, Brushlettering oder Edding. Ihr habt das völlig in der Hand.
    • Schön wäre, wenn ihr zum Zitat auch in Klammern den Autor hinzufügen könntet, damit ich weiß, welchem Geist die weisen Worte entsprungen sind.
    • Euer fertiges Werk könnt ihr per eMail einsenden oder – mir sogar viel lieber, da persönlicher und ganz und gar analog – postalisch.

Sobald ich die ersten Zitate beieinander habe, werde ich ans Werk gehen und mir Gedanken machen, wie ich eure Beiträge zusammen mit meinen am sinnvollsten in der Dachschräge arrangiere. Das Ergebnis wird selbstverständlich hier dokumentiert und zur Schau gestellt. Daher:
Wer Interesse hat, möge sich bei mir per DM bei Twitter oder per eMail melden. Würde mich sehr freuen, von euch zu lesen 🙂
Und nun Retweet, retweet, retweet!

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Mein Hardware Setup 2016/17

Da sich mal wieder die Fragen im Blog häufen, ob sich an meinem Technik-Setup etwas geändert hat, habe ich mich mal kurz zusammengesetzt, um über meine neuen-alten treuen Wegbegleiter zu sinnieren, mit denen ich täglich durch die Gänge unserer Schule stapfe. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich das eine oder andere getan, vieles ist aber auch absolut gleich geblieben – schon mal ein gutes Omen. 

Das aktuelle Setup 2016/2017

  • Samsung Galaxy Note 8.0: Kaum zu glauben, dass das kleine Stift-Tablet im Oktober seit nunmehr vier Jahren mit mir tagtäglich auf Reisen geht und im Unterricht täglich 6-7 Zeitstunden präsentiert, abspielt, streamt, abspeichert, malt und dabei noch immer kein einziges Mal nennenswert kapituliert hat. Keine der Apps ist dem Tablet zu umfangreich oder zu rechenintensiv, der Akku hält nach wie vor knapp zwei Tage durch und die Geschwindigkeit passt für mich. Ich werde ein paar große Tränen vergießen, wenn das Note 8.0 das Zeitliche segnen sollte, weil Samsung bis heute keinen nennenswerten Nachfolger auf den Markt gebracht hat. Die stylus-fähigen Modelle wurden in die Tab S3-Serie verbannt, wo sie mehr als das Doppelte kosten als das Note 8.0 zu Hochzeiten. Schade…
  • Acer K-137: Auch schon seit fast zwei Jahren im Einsatz und bis heute ohne nennenswerte Probleme im Unterricht dabei. Sogar ein paar Stürze vom Pult hat die kleine Funzel hinnehmen müssen, die ihr aber nicht nennenswert geschadet haben. Von ein paar Macken an den Rändern mal abgesehen. Bis heute habe ich auch keinen LED-Beamer entdecken können, der eine ähnliche Lumen-Zahl bei so einem Preis zustande bekäme. Vielleicht habe ich aber auch noch nicht genug geschaut 🙂
  • EZCast Pro: Fast genauso lange wie der Beamer bei mir in der Tasche und von all den Streaming-Sticks, die ich bis jetzt im Einsatz hatte, mit Abstand der verlässlichste! Sogar der Dongle von Samsung hat deutlich mehr Abstürze oder Stotterer zu verzeichnen als das kleine Streaming-Wunder aus Fernost. Die Zusatzfeatures sind eine nette Dreingabe, aber für mich definitiv nicht ausschlaggebend. Viel wichtiger sind mir die Verlässlichkeit und die Möglichkeit, das gute Ding direkt mit dem Beamer zu verbinden, ohne auch nur ein einziges Kabel dafür zu benötigen!
  • Bamboo Stylus Feel: So nett das Note 8.0 auch ist, aber der Stylus war – was die Haptik anbelangt – eine Katastrophe. Permanent hatte man beim Schreiben das Gefühl, einen Zahnstocher in der Hand zu haben. Auch die größere Standalone-Version von Samsung war nicht nennenswert besser. Das Ding sieht zwar wie ein Stift aus, ist aber viel zu leicht. Der Stylus Feel von Bamboo ist da genau richtig. Ein schönes Gewicht, ein schönes Design. So was nehme ich zum Arbeiten gerne in die Hand.

Man sieht: so richtig viel auf dem Gebiet hat sich nicht getan. Und das ist gut so. Die Langlebigkeit der Komponenten spricht definitiv für ihre Qualität. Ich habe nach langem Ausprobieren endlich ein Hardware Setup, mit dem ich restlos zufrieden bin. Hier zum Vergleich mal die Setups der letzten Jahre:

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Buchtipp: Kritzel dich durch die Geschichte

Zur Abwechslung hab ich auch mal einen kleinen Literaturtipp für euch: Ein Schatzkästchen für die Unterstufe in Buchform. Antiquarisch und in Topzustand. Und viel zu schade, um das gute Stück unerwähnt in die Wellen der Vergessenheit abtreiben zu lassen. Andrew Pinders Kritzel dich durch die Geschichte ist für die kreative Vertiefung des Sachwissens für die kleinen Lateinschützen ideal.  Das Buch stellt chonologisch wichtige Episoden der Weltgeschichte dar und bietet ab 200.000 v. Chr. bis in die früheste Zeitgeschichte verschiedene angefangene Szenarien in Bildform, die der Besitzer vervollständigen muss. Pyramidenschmuck, viktorianische Haartracht, die chinesische Mauer oder der Sturm auf die Bastille – jedes der Szenarien ist mit einem kurzen Infotext versehen und einer kleinen Anweisung, die dem Maler erklärt, was zu tun ist. Das ist mal bezaubernd, öfter makaber (abgeschlagene Köpfe auf Speere malen; genau das Richtige für Jungs), aber immer unterhaltsam.
Für die Altphilologen unter uns finden sich knapp 15 nette Anlässe, in denen die Schülerinnen und Schüler Sachwissen und Kreativität zusammenbringen können. Die sieben antiken Weltwunder sind hierbei ebenso Kritzelanlass wie der trojanische Krieg, antike Mythologie, Römerfeinde oder römisches Leben. Mal muss man das trojanische Pferd erschaffen, mal Soldaten einkleiden, dann römische Wandmalereien weiterführen, Hannibals Elefanterie (pun intended) auffüllen, Kerberus furchteinflößender machen oder ein Gladiatorenszenario vervollständigen. Ein sehr putzige Abwechslung, mit der man die berüchtigten Unterrichtsstunden nach Schulaufgaben oder vor Ferien nutzen kann.

 

 

 

 

 

 

 

Erschienen ist Andrew Pinders „Kritzel dich durch die Geschichte“ im Knesebeck Verlag. Das allerdings schon 2011. Deswegen wird man das eine oder andere Antiquariat bedienen müssen. Vielleicht ist das altbekannte zvab.com eine erste Anlaufstelle, wo man fündig werden könnte…

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Latein im Takt

avatarIch gebe es zu: Wenn es um Lernmethoden geht, sind wir Lateinlehrer bestimmt nicht die innovativsten. Generationen von discipuli erinnern sich mit Schrecken an das Auswendiglernen und Vortragen, an das stundenlange Büffeln und Aufsagen von Stammformen. Und das Chorlesen. An sich eine furchtbare Methode, die eher an militärischen Drill als an das Erlernen lateinischer Grundkenntnisse erinnert. Aber sie hat bei uns Retro-Sprachen durchaus Sinn. In einem Lateinunterricht wie dem heutigen, in dem die Sprache nicht mehr als Kommunikationsmedium verstanden wird, hätten die Schüler ohne diese Phasen überhaupt keine Möglichkeit mehr, diese Wörter und Formen ein paar mal aktiv in den Mund zu nehmen. Aber ein echter Fan war ich davon eigentlich nie. Bis jetzt.
Dieses Jahr habe ich nämlich zum ersten Mal den Versuch unternommen, diese Phase ein bisschen aufzupeppen. Mit riesigem Erfolg. Und einer Drum Machine.
Bei einer Drum Machine handelt es sich um ein Gerät, das ursprünglich dazu konzipiert war, fehlende (oder betrunkene 🙂 ) Schlagzeuger bei Bandproben zu ersetzen. Dafür läuft in einem vorgegebenen Tempo ein LED-Lauflicht in 16 Schritten in Schleife, die zusammengenommen einen Takt ergeben. Wir haben es also bei einem 4/4-Takt mit 16 16tel-Noten zu tun. Jeder dieser sog. 16 Steps lässt sich mit vorgegebenen Sounds eines Schlagzeugs belegen: Also Bass Drum, Snare Drum, Claps, Hit Hats, Crash-Becken, TomToms usw. Wer schon ein bisschen musikalische Vorbildung mitbringt, weiß, dass in einem Standard Techno-Rhythmus z. B. die BassDrum auf jede Viertel-Note gelegt ist. Bei unseren 16tel Steps wäre das also auf Steps 1, 5, 9 und 13 (im Bild hier rot markiert).

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Das klingt dann so.

Die Claps sind immer auf der 2 und 4 (=5 und 13) eines 4/4-Taktes zu finden. Die HiHats immer eine Achtel-Note hinter der BassDrum (Bei uns also 3, 7, 11 und 15). Zusammengenommen klingt ein typischer Techno-Rhythmus dann so.

Ich weiß, schön und gut. Aber was bringt uns das? Ganz einfach: Rhythmisches Chorlesen mit Techno-Beats 🙂

Das Vorgehen ist dabei denkbar einfach. Die BassDrum ersetzt das Metronom und gibt für die Klasse das Tempo vor. Auf jeden Taktschlag der BassDrum muss eine lateinische Form genannt werden – egal ob von einem Schüler oder der gesamten Klasse. Im Laufe des Deklinierens werden dann langsam aber sicher mehr und mehr Elemente als  „Belohnung“ dazugemischt, damit aus dem stupiden Gestampfe irgendwann eine groovige Angelegenheit wird. Für die Kleinen ist das eine ungemein motivierende Sache, da sich kein Schüler die Blöße geben will, durch einen verpatzten Einsatz den Takt kaputtzuhauen. Um diese Gefahr möglichst gering zu halten, habe ich mit einem recht niedrigen Tempo von 80bpm (beats per minute) angefangen und mich dann langsam zu „tanzbaren“ 125bpm hochgearbeitet. Name unseres Tracks waren die Formen von „qui quae quod“. Ein sehr dankbarer Titel, da die Formen so kurz sind, dass man jede einzelne gut auf einen Taktschlag unterbringt. Da wir es beim Deklinieren von qui quae quod mit drei Genera zu tun haben, die wir auf vier Taktschläge pro Takt verteilen müssen, sind wir so vorgegangen, dass auf die ersten drei Taktschläge jeweils eine Form genannt wird, der vierte Taktschlag bleibt als „Nachdenkpause“ sozusagen leer.
Unser Soundergebnis klingt dann so:

Welche der Drum Machine App man letztendlich nutzt, ist jeweils dem persönlichen Gusto geschuldet. Wenn es um gute Musik-Apps geht, ist man bei Android allerdings etwas Fehl am Platz. Die professionellen Anbieter auf dem Musikmarkt finden sich ausnahmslos bei iOS. Aber für unsere Zwecke tut’s auch ein ambitioniertes Projekt wie die RM-4 (gibt es übrigens auch in einer kostenlosen Demoversion). Die hat sogar noch einen rudimentären Bass Synthesizer mit integriert. 
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Blogparade: Rot sehen

avatarWenn es ins Referendariat los geht, steht der Junglehrer vor kleinen, aber feinen Entscheidungen, die ihn sein Pädagogenleben bis ans Ende begleiten werden. Welches Kürzel nimmt man? Welche Unterschrift? Wie kleide ich mich? Und besonders wichtig: Welches Schreibaccessoire lege ich mir zu? Vor allem beim berühmt-berüchtigten Rotstift eines Lehrers entsteht gerne mal eine liason éternelle. Hat man einmal seinen Liebling gefunden, rückt man von ihm nie wieder ab. Aber welches der Schreibgeräte der ewige Lebenspartner wird, das entscheidet jeder Kollege irgendwann für sich selbst. Und rückt in der Regel nie wieder davon ab. Ich gehöre übrigens auch zu dieser Fraktion und habe meinen Blutrot-Schreiberling schon vor langer Zeit gefunden.
Ebenso wie viele meiner anderen Kollegen aus dem Twitter-Lehrerzimmer, die in einer ausgerufenen #rotstiftparade ihre Liebe für ihre ganz eigenen Rotstift-Favoriten deklarierten. Vielleicht ist für den einen oder anderen suchenden Kollegen ja ein neuer potentieller Kandidat dabei. Wer sich am Liebesreigen noch beteiligen möchte, möge sich mit dem entsprechenden Hashtag bei Twitter melden 😃

uniball-eco

Mein Korrekturstift der Stunde

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